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topplus Stallumbau zu Haltungsstufe 3

Altgebäude weiter nutzen: Schweinemaststall zu Haltungsform 3 umgebaut

Mit Einfallsreichtum und gebrauchter Technik hat Julian Pfaar aus Niedenstein-Kirchberg seinen Schweinemaststall für die Haltungsstufe 3 umgebaut.

Lesezeit: 7 Minuten

Dieser Beitrag ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben erschienen.

"Wie lassen sich die vorhandenen Gebäude auf dem Hof mit vertretbarem Aufwand so umgestalten, dass ich sie auch künftig sinnvoll für die Schweinehaltung nutzen kann?“ Diese Frage hat Julian Pfaar in den vergangenen Jahren regelmäßig beschäftigt.

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Der junge Landwirt bewirtschaftet zusammen mit seinem Vater Dieter im nordhessischen Niedenstein-Kirchberg einen vielseitig aufgestellten Betrieb unter anderem mit Ackerbau und Grünlandwirtschaft sowie Roll­rasen­produktion und Schweinemast.

Haltungsform 3 als Ziel

Bis vor etwa zweieinhalb Jahren waren an der Hofstelle in Ortsrandlage gut 300 Mastschweine in Buchten zu je 20 bis 25 Tieren in einem konventionellen Warmstall auf Vollspaltenboden untergebracht. Heute sind es in etwa genausoviele Tiere. Diese laufen jedoch in zwei Großgruppen mit Sortierschleuse und eingestreutem Außenklimabereich.

„Das entspricht der Haltungsform 3 mit mindestens 40 % mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben sowie Beschäftigungsmaterial plus Stroh“, erklärt Julian Pfaar: „Bis wir soweit waren, wurden allerdings mehrere Varianten geprüft, diskutiert und wieder verworfen.“

Dass es eine Haltung mit Einstreu werden sollte, war klar, denn die Edeka Hessenring als regionaler Lebensmittelhändler sucht Strohschweine für ihr Premiumsegment. Familie Pfaar wollte aber keinen Neubau, sondern die vorhandenen Altgebäude weiter nutzen. Schließlich hatte man erst vor wenigen Jahren die Lüftungstechnik im Schweinestall erneuert, die Futter­automaten ersetzt und den Spalten­boden ausgetauscht.

Großbuchten als Lösung

Vor diesem Hintergrund suchte Julian Pfaar ein System, bei dem sich der vorhandene Stall mit einer Haltung auf Stroh kombinieren ließ. Die ersten Überlegungen gingen dahin, die bisherigen Mastabteile durch sogenannte Pigports zu ergänzen. Dann hätte er aber nicht alle Tiere als „Strohschweine“ aufziehen können. Und der Stall wäre mit den vielen unterschiedlichen Buchten zudem sehr kleinstrukturiert geworden.

Viel besser gefiel ihm das „Aktivstall“-System von Familie Mörixmann aus Hilter im Osnabrücker Land. Dieses bietet den Schweinen unterschiedliche Stroh- und Spaltenbodenbereiche, die sie selbst frei wählen können. „So etwas passt doch gut in unsere Überlegungen“, fand der junge Betriebsleiter.

Spätestens zum Verkauf müssen die Schweine jedoch separiert werden. Deshalb arbeiten Großgruppensysteme in der Regel mit Sortierschleusen. Diese fehlten im Stall Pfaar noch. Doch als das Angebot des Stalltechnikanbieters kam, war die Ernüchterung groß: „So wird das nichts mit einer wirtschaftlich tragfähigen Schweinehaltung“, dachte Julian Pfaar beim Blick auf die Investitionssumme allein für die Sortiertechnik.

Gebrauchte Technik

Doch so leicht wollte der junge Landwirt nicht aufgeben. Auf einer Online-Handelsplattform stieß er Ende 2020 auf zwei gebrauchte Skjold-Sortierschleusen. Deren elektrische Bauteile waren zwar stark renovierungsbedürftig. Die Mechanik war jedoch bis auf zwei Druckluft-Zylinder noch gut in Schuss. Für 2.500 € wurde man sich einig und Julian Pfaar holte die beiden Schleusen samt Zubehör mit dem Autoanhänger aus dem Münsterland ab.

„Diese preiswerte Variante funktioniert bei uns, weil ich einen sehr begabten und engagierten Elektriker in der Nachbarschaft habe, der die Sortierschleuse gründlich überholt hat. Im Prinzip hat er eine komplett neue Steuerung eingebaut. Aber jetzt läuft die Anlage sehr zufriedenstellend“, beschreibt der Mäster die Situation.

Zwei Klimazonen

Das Schöne daran: Mit den renovierten Sortierschleusen konnte Familie Pfaar das Großgruppensystem realisieren und die verschiedenen Gebäudeteile zu einem gemeinsamen Haltungssystem verknüpfen. Der alte Warmstall wurde entkernt und zum Fressbereich umfunktioniert. Hier stehen auch die Wiegeschleusen, die den Tierverkehr regeln und kurz vor den Verkaufstermin die schweren Schweine automatisch in den Verladebereich sortieren, statt sie wieder in die Großgruppe zu entlassen.

„Das funktioniert recht gut“, findet der Landwirt: „80 bis 85 % der Schweine sind auf Anhieb passend sortiert. Beim Rest muss von Hand nachgeholfen werden.“

Die Steuerung der Schleusen ist im Vorraum mit Panoramafenster zum Stall untergebracht. Dort gibt es auch einen Monitor, denn der Schleusenbereich ist kamera­überwacht. So sieht Familie Pfaar stets, was im Stall los ist. Und auch interessierte Besucher können mit geringem hygienischem Aufwand einen Blick auf die Schweine werfen.

Ganz viel Platz zum Wühlen, Laufen und Liegen haben die Tiere im Strohbereich mit Außenklima. In diesen gelangen sie über einige Wanddurchbrüche mit Streifenvorhängen als Windschutz. Dieser Gebäudebereich hat eine hohe Decke und wird nicht beheizt. Gegen Wind und kalte Zugluft wurde ein Curtainsystem installiert. Um auch im Strohstallbereich ein gutes Raumklima sicherzustellen, hat Pfaar zudem jeweils einen zusätzlichen Abluftventilator installiert.

Die jüngste Investition ist eine Hochdruck-Vernebelungsanlage. Diese wurde nachträglich eingebaut, um beide Stallbereiche mit verdunstendem Wasser gezielt kühlen und die Schweine ein Stück weit in ihrem Liegeverhalten lenken zu können. Außerdem lässt sich die Technik nach den Ende des Mastdurchganges als Einweichanlage nutzen. Das erleichtert die Reinigung und Desinfektion.

Umbaukosten: 150 € pro Platz

Weil beim Stallumbau letztendlich doch mehr verändert wurde, als ursprünglich geplant, beziffert Julian Pfaar die Gesamtkosten auf rund 55.000 € (inklusive Wiegeschleusen mit neuer Steuerung). Das sind rund 150 € je Tierplatz. Dafür mästet der Betrieb jetzt Strohschweine der Haltungsform 3, für die es nennenswerte Erlöszuschläge gibt.

Julian Pfaar verkauft seine Tiere an das Schlacht­unternehmen Helwig in Schwalmstadt, das die Schlachtkörper für die Edeka Hessenring aufbereitet. Einen festen Vertrag gibt es nicht, wohl aber 20 Cent/kg garantierten Strohschweine-Zuschlag. Die Tiere dürfen zudem schwerer als sonst üblich gemästet werden, da ein Teil der Tiere zur regionalen Spezialität „Ahle Worscht“ verarbeitet wird. Beim Schlachtgewicht kennt die Abrechnungsmaske keine Obergrenze.

"5 x S"-Schweine

Überhaupt wird der Regional­erzeugungsgedanke in Familie Pfaar groß geschrieben: „Unsere Ferkel kommen von einem 11 km entfernt liegenden Sauenbetrieb. Die Mastschweine werden in 35 km Entfernung geschlachtet. Damit finden Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Verarbeitung im Schwalm-Eder-Kreis statt“, erklärt Julian Pfaar: Wir erzeugen „5 x S“-Schweine, deren Fleisch wir im örtlichen Edeka-Markt in der Theke finden. Regionaler geht es nicht!

Der junge Landwirt ist jedenfalls überzeugt, den richtigen Weg beschritten zu haben: „Die Produktionskosten sind höher und der Arbeitsaufwand in eingestreuten Ställen ist größer. Aber die Erlöszuschläge für die höhere Haltungsstufe haben in den vergangenen, extrem schlechten Schweine­jahren spürbar durch die Krise geholfen.“

Unser Stall kombiniert Tierwohl mit regionaler Erzeugung und Ressourcenschutz. Das gefällt mir.“
Julian Pfaar

Wichtig sei jedoch, dass der Umbau nicht zu teuer wird und die Kosten den Mehrerlös auf­fressen. Genau da liegt nämlich das Problem der derzeit viel diskutierten Transformation der deutschen Tierhaltung. Bei aller Freude an den Tieren: Am Ende gelingt der Umbau nur, wenn die Betrieben mit ihrer Arbeit im Stall dauerhaft Geld verdienen können.

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Jährlich rund 220 Ballen Stroh

Die Schweinehaltung im eingestreuten im Außenklimastall entspricht dem Wunsch vieler Verbraucher nach mehr Tierwohl. Der zusätzliche Arbeits- und Materialaufwand für diese Form der Haltung ist jedoch nicht zu unterschätzen.

Der Stall von Familie Pfaar wird beispielsweise je nach Bedarf alle zwei bis vier Tage eingestreut, was im Schnitt jeweils etwa 20 bis 25 Minuten in Anspruch nimmt. Ausgemistet wir meistens vierzehntägig – im Sommer auch öfter, wobei der Mist direkt an eine Biogasanlage geht. Das Entmisten dauert jeweils zwei bis drei Stunden und erfordert bislang zwei Personen. „Hier arbeiten wir noch an Verbesserungen“, räumt Julian Pfaar ein.

Nicht vergessen werden darf auch die Strohernte. „Wir brauchen jährlich rund 220 bis 225 Rundballen in einwandfreier Qualität“, gibt der Landwirt zu bedenken. Das bedeutet zusätzliche Arbeit in der hektischen Erntezeit.

Gute Wachstumsleistungen

Probleme mit dem Güllesystem hat es dagegen bislang nicht gegeben. Im Warmbereich des Stalles sind schon seit Jahren Spülleitungen verbaut und übermäßig viel Stroh tragen die Tiere nicht ins Stallinnere. Die Fliegen- und Schadnagerbekämpfung muss in eingestreuten Systemen allerdings intensiver erfolgen.

Mit den Wachstumsleistungen im Großraumstall ist Julian Pfaar zufrieden. Im vergangenen Jahr hat er bei Endgewichten von 125 kg je Tier und eher fleischbetonter Genetik im Schnitt 845 g Tageszunahme erreicht. Die Futterwertung ist allerdings mit 2,82 kg Futter je kg Zuwachs ein wenig schlechter, als in Pfaars zweiten Stall mit 400 Tierplätzen im Nachbarort. Dort wird konventionell auf vollperforiertem Betonspaltenboden gemästet. Futter und Ferkelherkunft sind identisch. Das ermöglicht es, die Leistungen der Tier in den beiden Haltungssystemen zu vergleichen.

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