Wildtiere verletzt

Backhaus versucht Umweltschützer von ASP-Schutzzaun zu überzeugen

Tier- und Umweltschützer in MV hören nicht auf, den ASP-Schutzzaun zu Polen zu verurteilen. Minister Backhaus erklärte ihnen nun, wie groß erst das Leid bei einem ASP-Ausbruch wäre.

Nachdem sich mehrere Naturschutzverbände kritisch zum Zaun geäußert hatten, den das Land Mecklenburg-Vorpommern zum Schutz gegen den Eintrag der Afrikanischen Schweinepest (ASP) an der Grenze zum Nachbarland Polen errichten ließ, fand nun ein Runder Tisch statt.

Agrarminister Dr. Till Backhaus diskutierte dazu am Mittwoch mit Vertretern von WWF, Deutsche Wildtierstiftung, NABU, Deutsche Umwelthilfe und des Projektes LosBonasus-Crossing.

„Allen Beteiligten ist klar, dass ein 65 Kilometer langer Zaun einen Eingriff in die Natur bedeutet, auf den man lieber verzichten möchte. Leider blieb uns aber keine Wahl, auf ein anderes Instrument zurückzugreifen, um die ASP möglichst aus unserem Land fernzuhalten“, betonte Backhaus.

Das EU-Tiergesundheitsrecht verpflichte das Land, die Ausbreitung der Seuche zu bekämpfen. Das Stellen von Wildzäunen habe sich in anderen Mitgliedstaaten bewährt und werde deshalb von den EU-Experten als Seuchenbekämpfungsmaßnahme empfohlen. „Wir haben uns frühzeitig der Aufgabe gestellt, die Grenze zwischen Polen und MV möglichst unpassierbar für Wildschweine zu machen, denn in Polen grassiert das Virus bereits seit mehreren Jahren.“

Geringe ASP-Funde auch dank des Zauns

In Brandenburg, wo die Seuche zuerst aufgetreten ist, wurden bis zum 23. Mai 2.545 Fälle von ASP festgestellt, in Sachsen 1.323, berichtete der SPD-Politiker weiter. MV käme dagegen bisher auf 30 Fälle, was laut Backhaus vor allem im Zusammenhang mit den frühzeitigen Maßnahmen zur Prävention, also vor allem auch dem Zaunbau, stehe.

Brandenburg hat zur Bekämpfung des aktiven Seuchengeschehens bisher 60 Mio. € ausgegeben und wird bis zum Ende des Jahres voraussichtlich 100 Mio. € ausgegeben haben. In Sachsen wird mit 40 Mio. € gerechnet. In MV sind dagegen mit 15 Mio. € bisher geringere Kosten aufgelaufen, so der Minister.

Sonderbauwerke am ASP-Zaun

In Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald habe man alles getan, um die Lebensräume anderer wildlebender Tierarten so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. So wurden in regelmäßigen Abständen Durchlässe für Kleinsäuger eingebaut und in Abstimmung mit den Jagdausübungsberechtigten vor Ort Übersprünge für Rot- und Damwild mit einer Oberhöhe von ca. 1 m in den Zaun eingebaut.

Insgesamt sind folgende Sonderbauwerke in dem ASP-Grenzzaun auf gesamter Länge eingebaut worden: 40 Übersprünge für Rot- und Damwild, 414 Durchlässe für Kleinsäuger, insb. Otter, Biber, Fuchs, Dachs, Marder, Marderhund, Waschbär, 101 Weidetore, 11 Gattertore, 5 Fußgängertore (Usedom), 1 Holztunnel für Biber auf Usedom.

Zaun soll max. fünf Jahre stehen bleiben

Wichtig zu wissen sei zudem, dass der Zaunbau aufgrund privatrechtlicher Verträge mit den Grundeigentümern erfolgte. Weil es von polnischer Seite her keine Anstrengungen gab, die Seuche von der Grenze fernzuhalten, musste gehandelt werden. Da es sich um eine zeitlich begrenzte Maßnahme handelt – der Zaun soll höchstens fünf Jahre stehen bleiben-, ist eine Baugenehmigung nicht nötig.

Regelmäßige Kontrollen (160 Kontrollgänge seit Baubeginn) entlang des Zaunes dienen der Ermittlung von Schäden oder Störungen. Dabei wurden in den zurückliegenden 18 Monaten zwei verendete Stücken Rotwild und zwei verendete Stücken Rehwild aufgefunden.

„Diese Verluste sind sicher tragisch, doch sie stehen in keinem Verhältnis zu dem tausendfachen Tierleid, dass ein flächendeckender Ausbruch der ASP mit sich gebracht hätte. Dass in MV jedes Jahr zwischen 15.000 und 20.000 Wildtiere bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen, zeigt, wie vergleichsweise gering die Verluste am ASP-Zaun sind“, betont Backhaus.

Auch an Leid in den Ställen und auf den Höfen denken

Weiter erklärte er den Kritikern: „Mit den Naturschutzverbänden verbindet uns dasselbe Ziel: Wir wollen unsere Wildtiere so wenig wie möglich in ihrem Lebensraum einschränken. Gleichzeitig müssen wir es der Tierseuche ASP so schwer wie möglich machen, sich in unserem Land auszubreiten. Weitere ASP-Ausbrüche würden nicht nur erhebliches Tierleid verursachen, sie würde auch Tierhalter und ihre Familien in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedrohen. Außerdem würden Bekämpfungsmaßnahmen bei Seuchenausbrüchen weitere Eingriffe in die Lebensräume zahlreicher Wildtiere bedeuten, da weder die Zeit noch das Geld vorhanden wäre, die Seuchenbarrieren derart umsichtig einzurichten wie das hier der Fall ist.“


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