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Neue Haltungs-VO: Neun Tipps für den Umbau des Deckzentrums

Wer auch nach dem 9. Februar 2029 noch Sauen halten will, muss sein Deckzentrum an die neuen Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung anpassen. Wir geben Tipps für den Umbau!

Lesezeit: 7 Minuten

Unsere Autoren: Mitglieder der Arbeitsgruppe „Bauen: Sauen und Mast“ des Netzwerks Fokus Tierwohl

Bald wird es ernst. Fast alle Sauenhalter müssen sich in den nächsten Monaten damit beschäftigen, ob und wie sie ihren Deckstall an die neuen Vorgaben der im Februar 2021 überarbeiteten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung anpassen wollen.

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Künftig gilt auch im Deckzentrum die Pflicht zur Gruppenhaltung. Jeder Sau müssen vom Absetzen bis zum Belegen 5 m2 uneingeschränkt nutzbare Fläche zur Verfügung stehen. Die Tiere dürfen nur kurz fixiert werden, z. B. zur Rauschekontrolle, zum Besamen oder für medizinische Behandlungen.

Bisher gibt es nur wenig Literatur zu den Umbaumöglichkeiten im Deckzentrum. Deshalb hat die Arbeitsgruppe „Bauen: Sauen und Mast“ des vom BMEL geförderten Netzwerks Fokus Tierwohl umfangreiche Empfehlungen erarbeitet. Hier die wichtigsten Tipps.

1. Fristen beachten!

Jungsauen und Sauen dürfen noch bis zum 9. Februar 2029 einzeln in Kasten- bzw. Besamungsständen gehalten werden, wenn diese bereits vor dem 9. Februar 2021 genehmigt oder in Betrieb genommen wurden. Wer auch nach Ablauf dieser Übergangsfrist Sauen halten will, muss seinem Veterinäramt jedoch bereits bis zum 9. Februar 2024 ein Betriebs- und Umbaukonzept vorlegen, wie er die neuen Haltungsvorgaben in seinem Betrieb umsetzen will. Und bis zum 9. Februar 2026 muss er nachweisen, dass ein entsprechender Bauantrag eingereicht wurde.

Die Pflicht zur Vorlage des Umbaukonzepts entfällt, wenn der Tierhalter gegenüber der zuständigen Behörde bis zum 9. Februar 2024 verbindlich erklärt, dass er die Sauenhaltung spätestens zum 9. Februar 2026 endgültig einstellen wird. Dazu können Sie folgendes Formblatt verwenden:

2a. Geschickt strukturieren

Das Deckzentrum muss verschiedene Funktionen erfüllen: Hier findet die Gruppenbildung statt, verbunden mit entsprechenden Rangkämpfen. Zudem werden die Sauen hier belegt, wahlweise mit oder ohne Fixierung. Wichtig ist, dass die Sauen im Besamungsstall ihre rauschetypischen Verhaltensweisen ausleben können. Die Buchten müssen so gestaltet sein, dass sich die Tiere zurückziehen und ungestört Futter, Wasser und Raufutter aufnehmen können.

Die Funktionsbereiche „Liegen“ und „Aktivität“ sollten dabei voneinander getrennt werden. Der Fressbereich kann als Aktivitätsbereich angerechnet werden, vorhandene Fress-/Liegebuchten aber nicht als Rückzugsmöglichkeit. Von den 5 m2 nutzbarer Fläche müssen 1,3 m2 als Liegebereich mit maximal 15 % Perforation zur Verfügung stehen.

2b. Deckstall als Arena

Um das Verletzungsrisiko durch Rangkämpfe nach dem Absetzen zu minimieren, kann eine Arena vorgeschaltet werden. Die Arenabucht sollte im Idealfall rund sein, zumindest aber eine eher quadratische Form aufweisen und im Aktivitätsbereich mindestens 3 m breit sein. Der Boden der Arena muss trocken, rutschfest und nach Möglichkeit planbefestigt sein. Stroheinstreu ist ideal. Gummimatten und Spaltenböden werden wegen der Rutsch- bzw. Verletzungsgefahr nicht empfohlen.

Ist keine Arena möglich, kann aufgrund des hohen Platzangebotes auch das Deckzentrum die Funktion übernehmen. Wichtig ist, dass es ausreichend Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten gibt, z. B. durch gut platzierte, kurze Sichtschutzwände oder Strohballen. Tränkenippel sollten mit Schutzbügeln versehen werden, damit sich die Sauen nicht verletzen können.

3. Zum Besamen fixieren

Zur Rauschekontrolle, zum Besamen und für medizinische Behandlungen dürfen die Sauen kurzzeitig fixiert werden. Das schützt die Tiere vor gegenseitigem Verletzen, denn beim freien Besamen in der Gruppe zeigen die Sauen ein sehr deutliches Sexualverhalten. Sie stoßen sich gegenseitig und reiten auf. Das kann auch für das Stallpersonal gefährlich werden. Das Fixieren der Sauen dient daher sowohl dem Tier- als auch dem Arbeitsschutz.

Außerdem spart es Zeit bei der Besamung. Untersuchungen der Landesanstalt für Schweinezucht (LSZ) Boxberg haben ergeben, dass das Besamen einer fixierten Sau im Schnitt 1,6 Minuten dauert. Das freie Besamen nimmt dagegen mehr als 4 Minuten in Anspruch.

4. Besamungsstände

Zum kurzzeitigen Fixieren der Tiere eignen sich Selbstfang-, Selbstfang-Fressliege- oder Korbbuchten. Korbbuchten bieten den Vorteil, dass den Tieren nach dem Öffnen mehr Raum als Bewegungsfläche zur Verfügung steht. Sie sind daher vor allem bei geringer Tierzahl und für schmale Umbauvarianten zu empfehlen.

Wie viele Buchten zum Fixieren benötigt werden, richtet sich nach der Gruppengröße, dem Besamungsmanagement und der Art der Fütterung. Sollen zum Besamen alle Sauen gleichzeitig fixiert werden, ist ein Tier-/Buchten-Verhältnis von 1 : 1 erforderlich. Diese Variante bietet den Sauen zudem ausreichend Rückzugsmöglichkeit und erlaubt ihnen, gleichzeitig zu fressen.

Das Öffnen und Schließen ist jedoch zeitaufwendig. Bei der abgebildeten Umbauvariante wurde der vorhandene Schließmechanismus entfernt und über jeweils vier Buchten ein Brett befestigt. Per Seilzug lassen sich so vier Buchten gleichzeitig schließen bzw. öffnen.

5. Eberkontakt von Vorteil

Schnauzenkontakt mit dem Eber verstärkt das Rausche- und Duldungsverhalten der Sauen. Deshalb ist es vorteilhaft, wenn die zu besamenden Sauen Kopfkontakt zum Eber haben können.

Beim Besamen ohne Fixierung können die Sauen dazu in eine speziell eingerichtete Besamungsbucht neben der Eberbucht getrieben werden. Alternativ treibt man den Eber in einen Eberlaufgang, der sich neben der Gruppenbucht für die Sauen befindet. Um Unruhe unter den Sauen zu vermeiden, sollte jede Sau Kontakt zum Eber haben. Ist dies nicht möglich, ist es ratsam, kleinere Gruppen zu besamen. Werden die Sauen kurzzeitig in Selbstfangständen fixiert, bietet sich ebenfalls ein Eberlaufgang an, um die Sauen zu stimulieren. Der Eberlaufgang kann in diesem Fall vor den Köpfen der Sauen verlaufen und bei großen Besamungsgruppen in kleinere Abschnitte unterteilt sein.

6. Fruchtbarkeitsleistung

Vergleichende Untersuchungen der LSZ Boxberg zeigen, dass es in puncto Fruchtbarkeitsleistung keinen Unterschied macht, ob die Sauen fünf Tage lang im Deckstand fixiert oder nur kurzfristig zum Besamen festgesetzt werden. Weder bei der Umrauschquote noch beim Anteil der am 28. Tag nach der Besamung tragenden Sauen oder der Zahl der lebend geborenen Ferkel gab es signifikante Unterschiede.

Deckzentren ohne Fixiermöglichkeit stellen jedoch höhere Anforderungen an das Herdenmanagement. Die Gruppe der zu besamenden Sauen darf gewichtsmäßig nicht zu homogen sein. Denn je einheitlicher das Gewicht und die Körperkondition der Tiere ist, desto länger dauern die Rangordnungskämpfe. Und das kann sich negativ auf die Reproduktionsleistung auswirken.

7. Früh umstallen

Zwischen dem 11. und 21. Tag nach dem Belegen nisten sich die Eizellen in die Gebärmutter ein. In dieser kritischen Phase müssen Stress und Unruhe möglichst vermieden werden. Deshalb sollten die Sauen entweder unmittelbar nach dem Belegen oder erst nach vier Wochen in den Wartestall umgestallt ­werden.

Wichtig: Im Wartestall sollten keine unbekannten Tiere dazugestallt ­werden, um die Gruppe zu vergrößern. Die Gruppen können allenfalls ­verkleinert werden. Außerdem ist es empfehlenswert, Jungsauen aufgrund ihrer Kondition bis zum ersten Abferkeln getrennt von den Altsauen ­unterzubringen.

8. Buchten zum Genesen

Die Gruppenhaltung im Deckzentrum soll das Tierwohl verbessern. Die Sauen können sich frei bewegen und ihr Sozialverhalten rund um den Rauschetermin ausleben. Aufgrund der Rangkämpfe kommt es im Deckstall aber auch häufiger zu Hautverletzungen und Lahmheiten.

Während die Hautverletzungen eher leichter Natur sind und schnell wieder verheilen, können Fundamentprobleme noch sehr lange nachwirken. Deshalb ist wichtig, die Sauen im Deckzentrum täglich und intensiv zu kontrollieren. Verletzte Tiere sollten so schnell wie möglich separat aufgestallt werden. Das setzt jedoch voraus, dass der Betrieb über ausreichend viele Genesungsbuchten verfügt. Als Faustzahl gilt: Für etwa 5 % der im Deckzentrum gehaltenen Sauen sollten Genesungsbuchten vorgehalten werden. Jede Bucht sollte 5 m2 groß und eingestreut oder mit einer Gummimatte ausgelegt sein.

9. Für Abkühlung sorgen

Die Sommer werden tendenziell immer wärmer. Wer den Neu- oder Umbau eines Deckzentrums plant, sollte deshalb entsprechende Kühlmöglichkeiten für die Sauen vorsehen. Der Gesetzgeber verlangt sie ohnehin.

Bei Neubauten können Erdwärmetauscher die Zuluft im Sommer abkühlen und im Winter vorwärmen. In vorhandenen Deckzentren lassen sich mit unterschiedlichem Aufwand Boden- oder Vernebelungskühlungen einbauen. Wobei Hochdruck-Verdunstungskühlungen zwar teurer und mit einem höheren Wartungsaufwand verbunden sind, aber auch effektiver arbeiten. Eine Alternative ist der Einbau von Cool Pads oder Mikrosuhlen.

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