Ungeduld wächst

Fehlende Tierwohl-Finanzierung: ISN wirft Özdemir "Sonntagsreden" vor

Die Schweinehalter stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Doch seit Wochen hören sie vom Agrarminister nur, dass eine Tierwohl-Finanzierung kommen soll. Nur wann entscheidet sich das?

Bundesagrarminister Cem Özdemir wiederholt seit Wochen, dass die Bundesregierung die Schweinehalter beim Umbau ihrer Ställe finanziell unterstützen will. Dieses Jahr werde die Finanzierung geklärt.

Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), will sich allerdings nicht länger vertrösten lassen und verlangt jetzt zeitnah konkrete Aussagen. Im Gespräch mit dem NDR zeigte er sich enttäuscht von Özdemir, weil seine Pläne, die Tierhaltung zu verbessern, ein „undurchdachtes Stückwerk" seien. Staack verdeutlicht, dass die Schweinehalter aktuell wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand stehen. Sie erwarteten schnellstens ein schlüssiges Gesamtkonzept.

Der NDR hat daraufhin beim BMEL nachgefragt. Von dort hieß es lediglich, die Investitionsförderung solle künftig auf gute Haltungsbedingungen ausgerichtet werden. Außerdem wolle das Ministerium ein Finanzierungssystem entwickeln, um die Betriebe verlässlich zu unterstützen. Zu Einzelheiten könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen. Özdemir hatte zuvor im Gespräch mit top agrar lediglich durchblicken lassen, dass er 2022 konkrete Pläne für eine verbindliche Haltungskennzeichnung vorlegen werde. Das Thema Finanzierung sei daran fest gekoppelt und werde daher auch dieses Jahr geklärt.

Nach NDR-Informationen soll das geplante staatliche Label zunächst nur im Handel gelten, nicht in der Gastronomie, was Staack bedauert. Gerade dort lande doch die anonyme Ware, bei der nicht ersichtlich sei, unter welchen Bedingungen sie erzeugt worden sei, so der ISN-Geschäftsführer.

Spiller fordert 40 Cent/kg Fleisch Tierwohlabgabe

Das sieht auch der Agrarwissenschaftler Achim Spiller von der Universität Göttingen so. Er geht noch weiter: Seinem Urteil nach reicht die Einführung eines gesetzlichen Labels ohnehin nicht aus, um die geforderten Veränderungen der Schweinehaltung zu finanzieren. Es sei eine Gefahr, wenn der Staat nur auf den Markt - also auf Verbraucher und Händler - setzen würde, sagt Spiller dem Sender.

Er vermutet, dass die Menschen in Zukunft zum einen aus Tier- und Klimaschutzgründen deutlich weniger Fleisch essen würden. Gleichzeitig seien die Anforderungen der Gesellschaft an eine zukünftige Tierhaltung hoch, wird der Forscher zitiert. Es gehe hier um eine Transformation so ähnlich wie in der Energie- oder Automobilwirtschaft.

Der Agrarökonom schlägt eine Tierwohlabgabe von etwa 40 Cent pro Kilogramm Fleisch vor. Das Geld aus dieser Verbrauchssteuer solle direkt an die Landwirte weitergegeben werden, so Spiller, damit die in mehr Tierschutz investieren könnten.


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