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Fruchtbarkeitsprobleme bei Sauen: Häufig liegt es am Management

Rund 70 % aller Fruchtbarkeitsprobleme bei Sauen lassen sich auf Fehler beim Besamen, Füttern oder bei der Jungsaueneingliederung zurückführen. Hier lesen Sie, wie Sie gegensteuern können.

Lesezeit: 9 Minuten

Viele Ferkelerzeuger kämpfen mit Fruchtbarkeitsproblemen bei ihren Sauen. Meistens wird zunächst eine infektiöse Ursache vermutet. In top agrar 9/2023 haben wir berichtet, welche viralen und bakteriellen Erreger dabei eine Rolle spielen können. Tatsache ist jedoch, dass 70 % aller Fruchtbarkeitsstörungen durch Managementfehler verursacht werden, z. B. beim Besamen und Füttern der Sauen oder beim Eingliedern der Jungsauen.

Schnell gelesen



- Bereits kleinste Fehler und Unachtsamkeiten beim Besamen können die Fruchtbarkeit der Herde nachhaltig schädigen.

- Eine gute Stimulation der Sauen ist wichtig. Achten Sie zudem darauf, dass das Sperma kühl gelagert wird und Sie beim Besamen keine Keime übertragen.

- Das Eingliedern der Jungsauen inklusive Quarantäne und bestandspezifischem Impfprogramm spielt eine Schlüsselrolle

- Nur gut konditionierte Jung- und Altsauen sind in der Lage, dauerhaft eine gute Fruchtbarkeitsleistung zu erbringen.

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Oft ist den Sauenhaltern ihr Fehlverhalten gar nicht bewusst. Es sind eher kleine Nachlässigkeiten, die sich im Laufe der Zeit in die tägliche Arbeitsroutine eingeschlichen haben, sich in der Summe oder in Kombination mit einer Infektion aber fatal auf die Fruchtbarkeitsleistung der Herde auswirken können.

Belegmanagement checken

Deshalb ist es wichtig, bei Problemen das betriebliche Management gemeinsam mit dem Tierarzt und bei Bedarf mit weiteren Beratern sorgfältig unter die Lupe zu nehmen. Das fängt beim Besamungsmanagement an. Die Checkliste zeigt, was Sie dabei alles beachten sollten.



Checkliste Besamungsmanagement

  • Wird das Sperma korrekt gelagert?
  • Sind alle zu besamenden Sauen gesund?
  • Sind die Sauen in guter Kontition?
  • Werden die Sauen ausreichen stimuliert?
  • Nehmen die Sauen das Sperma zügig auf?
  • Wird Stress nach dem Besamen vermieden?
  • Stimmen die Besamungsabstände (12 - 16 h)?
  • Stimmt die Stallhygiene im Deckzentrum?

Wird zum Beispiel die Kühlkette bei der Übergabe des Spermas eingehalten? Weist der Kühlschrank die richtige Lagertemperatur auf? Ebersperma sollte bei 16 bis 18 °C gelagert werden. Und wird die Kühlkette bis in den Deckstall eingehalten? Achten Sie zudem darauf, dass die verwendeten Spermatuben nicht älter als drei Tage sind!

Voraussetzung für den Besamungs­erfolg ist außerdem, dass die Sauen, die belegt werden sollen, auch gesund sind. Oder zeigen sie Anzeichen einer Erkrankung, wie z. B. Fressunlust, Lahmheiten oder Scheidenausfluss?

Wichtig ist, dass alle Sauen am Besamungstag den Duldungsreflex zeigen. Werden sie ausreichend durch Sucheber stimuliert? Nach dem Absetzen sollten die Sauen zweimal täglich für einige Minuten Kontakt mit einem Sucheber haben. Im Idealfall ist der Eber außerhalb der Stimulierphasen in einem anderen Stall untergebracht, damit er für die Sauen interessant bleibt. Zumindest sollte er in den Pausen weit von den güsten Sauen entfernt stehen.

Fixieren Sie den Sucheber mithilfe schwenkbarer und von hinten bedienbarer Ebertüren vor den Köpfen von drei bis fünf Sauen – je nachdem, wie breit die Besamungsbuchten sind. So können Sie den Eberreiz gut dosieren. Auf keinen Fall sollte der Eber frei auf dem Gang entlanglaufen können.

Keimeintrag vermeiden

Vermeiden Sie während des Besamens jeglichen Keimeintrag in die Sau! Verwenden Sie deshalb nur in Folie verpackte Pipetten und lassen Sie die Pipette bis unmittelbar vor ihrem Einsatz in der Tüte, in der sie geliefert wurden.

Nachdem Sie die äußere Scheide mit trockenen Tüchern gereinigt haben, führen Sie die umhüllte Pipette zum Besamen etwa 10 cm tief schräg von unten in die Scheide ein. Halten Sie dann die Folie mit der anderen Hand fest und durchstoßen Sie die Schutzfolie mit dem Pipettenkopf.

Schieben Sie die Pipette anschließend über den ersten Widerstand bis zum Gebärmutterhals vor. Die Pipette ist richtig positioniert, wenn Sie beim vorsichtigen Zurückziehen einen leichten Widerstand spüren. Im Idealfall saugt die Sau das Sperma durch ihre Uteruskontraktionen selbstständig aus der Tube. Lassen Sie ihr dazu Zeit und befestigen Sie die Besamungstube mit einer Klammer an einer Leine hinter der Sau, damit sich das Tier ungehindert vor- und zurückbewegen kann.

Ist die Tube zu 70 bis 80 % geleert, fließt das Sperma schlechter ab, weil das Vakuum in der Tube zu groß wird. Stechen Sie deshalb mit einer feinen Injektionsnadel ein kleines Loch in den bereits entleerten Teil der Spermatube.

Entfernen Sie die Pipette nach dem Besamen vorsichtig unter leichten Drehbewegungen aus der Scheide. Kontrollieren Sie anschließend den Pi­pettenkopf. Ist er sauber bzw. erkennt man nur klaren Schleim? Oder befinden sich Blutreste, eitriger Schleim sowie Kalkstippen auf dem Pipettenkopf? Dies können Hinweise auf eine vorliegende Infektion sein.

Die Einnistungsphase der befruchteten Eizellen erfolgt zwischen dem 11. und 21. Tag nach dem Belegen. In diesem Zeitraum sollten die Sauen möglichst wenig Stress ausgesetzt werden. Dies ist wegen der Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ein wichtiger Aspekt. Denn die Sauen dürfen künftig nur noch kurzzeitig im ­Besamungsstand fixiert werden, z. B. zur Rauschekontrolle, zum Besamen oder für tiermedizinische Behandlungen. ­Ansonsten müssen sie sich frei in der Gruppe bewegen können.

Um Unruhe in der Gruppe zu vermeiden, ist es ratsam, die Rangordnung bereits vor der Besamung klären zulassen. Dazu eignet sich eine Arenabucht. Und das Umstallen der Sauen vom Deck- in den Wartestall sollte entweder direkt nach dem Besamen oder erst nach der Einnistungsphase erfolgen.

Jungsauenmanagement

Neben dem Besamungs- hat auch das Jungsauenmanagement einen entscheidenden Einfluss auf die Fruchtbarkeitsleistung der Sauenherde. Häufig wird zur Zyklussynchronisation Altrenogest eingesetzt. Der Wirkstoff wirkt sehr zuverlässig, allerdings gibt es verschiedene Fehlerquellen. Neben der korrekten Anwendung (immer zur selben Uhrzeit und in korrekter Menge) ist auch hier das Vermeiden von Stress ganz wichtig. Es hat sich deshalb bewährt, die Jungsauen schon einige Tage vor der ersten Me­dikamentengabe ins Deckzentrum umzustallen. So können sich die Tiere ­besser an die kurzzeitige Fixierung im Kastenstand gewöhnen.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Erstbesamung ist, dass die Tiere eine entsprechende Kondition und ­sexuelle Reife mitbringen. In konven­tioneller Haltung ist es üblich, dass zwei Rauschen abgewartet werden, bis die Jungsau in den Deckstall umgestallt wird. So ist sichergestellt, dass die Geschlechtsorgane ausgereift sind.

Um die Jungsauen ausreichend zu konditionieren, setzen viele Betriebe ein spezielles Eingliederungsfutter für die Jungsauen ein. Es ist sehr energiereich, enthält aber weniger Protein als das Laktationsfutter. Eine gute Körperkondition ist wichtig, damit das Follikelwachstum gefördert wird und damit verbunden auch der Eisprung.

Die Rückenspeckdicke lässt Rückschlüsse auf die Körperkondition der Jungsauen zu. Sie lässt sich mit handelsüblichen Ultraschallgeräten zur Trächtigkeitskontrolle ermitteln. Bei der Erstbelegung der Jungsauen sollte die Rückenspeckdicke 16 bis 18 mm betragen.

Quarantäne und Impfung

Neben der Fütterung ist ein an den Betrieb angepasstes Impfregime für die Jungsauen und eine korrekt durchführte Quarantäne wichtig. Die Quarantäne erstreckt sich über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen und sollte möglichst in einem abgetrennten Stallbereich stattfinden. Sie dient dazu, dass sich die zugekauften Jungsauen an die betriebsspezifischen Erreger anpassen können. Darüber hinaus soll sie aber auch die Sauenherde vor der Einschleppung neuer, bislang unbekannter Erreger schützen.

In der ersten Phase der Quarantäne beginnt die Impfung der Jungsauen. Mit dem Impfen sollte entweder unmittelbar nach der Ankunft oder nach einigen Tagen der Eingewöhnung im Qurarantänestall begonnen werden. In der zweiten Phase findet dann ein gezielter Kontakt mit den Bestandserregern statt. Das kann über Schlachtsauen erfolgen, die in einer Nachbarbucht aufgestallt werden. Oder durch Kontakt mit Gebrauchsgegenständen aus der Abferkelbucht, wie z. B. Gummimatten.

Altsauen konditionieren

Auch bei den Altsauen ist eine ausreichende Konditionierung von großer Bedeutung für die Fruchtbarkeit. Gerade sehr fruchtbare Sauen mit großen Würfen sind am Ende der Laktation häufig stark abgesäugt. Das kann zu einer schlechteren Befruchtungsrate führen.

Deshalb muss während der Säugezeit auf eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung geachtet werden. Dafür ist nicht nur entscheidend, dass die ­Zusammensetzung des Säugefutters optimal berechnet wurde, sondern auch, dass die Sau genügend Futter aufnimmt. Es hat sich bewährt, die Tiere dreimal täglich zu füttern.

Um die Kondition der Sauengruppe richtig bewerten zu können, empfiehlt sich auch hier eine Rückenspeckmessung – möglichst beim Ein- und Ausstallen aus dem Abferkelstall.

Eine weitere Gefahrenquelle – gerade in diesem verregneten Erntejahr – kann die Mykotoxinbelastung im Futter darstellen. Besonders gefährdet sind Selbstmischer, die eigene Gerste sowie eigenen Weizen und Mais verfüttern. Die Symptome einer erhöhten Mykotoxinbelastung sind abhängig von der Dosis und können sehr unspezifisch sein.

Besteht der Verdacht einer erhöhten Mykotoxinbelastung, sollte man das Futter daraufhin untersuchen lassen. Noch besser ist es, von jeder gedroschenen Ackerfläche eine Rückstellprobe zu sichern. Allerdings lässt sich bei einigen Toxinen trotz modernster Technik mitunter nicht die gesamte Toxinmenge in der Futterprobe ermitteln, Stichwort „versteckte Toxine“. Dadurch kann es zu falsch-negativen Mykotoxinergebnissen kommen.

Einstreu und Lüftung

Um den Infektionsdruck im Stall zu senken, sollten die Abferkelabteile nach jedem Ausstallen sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden. Außerdem müssen Schadnager regelmäßig bekämpft werden. Denn Mäuse und Ratten können Leptospiren in den Bestand einschleppen und verbreiten.

Ein oft unterschätztes Problem stellt feuchter, kalter Spaltenboden im Deck- und Wartestall dar. Denn bei den Sauen kann er zu aufsteigenden Harnwegs­infektionen führen, die auf den ­Geschlechtsapparat übergehen und Fruchtbarkeitsprobleme verursachen. Auslöser ist oft eine falsch eingestellte Lüftung. Das gleiche Problem ergibt sich, wenn der Kot hinter den Kastenständen nicht regelmäßig entfernt wird.

Auch Fehler bei den Haltungsbedingungen, die auf den ersten Blick nicht in Verbindung mit Fruchtbarkeitsstörungen gebracht werden, können zu Stress führen und die Umrausch- bzw. Abortrate erhöhen. Dazu gehören z. B. defekte Wasserleitungen oder zu wenig Abrufstationen im Wartestall.

Der Eber ist die halbe Herde

Natürlich kann auch der Eber Aus­löser von Fruchtbarkeitsproblemen sein, zumindest in Herden mit Natursprung oder bei künstlicher Besamung mit bestandseigenem Sperma. Eber können z. B. deckunfähig oder befruchtungsunfähig sein. Oder sie können beim Deckakt infektiöse ­Erreger übertragen. Bei Eigenbestandsbesamern kann es aber auch an einer fehlerhaften Aufbereitung des Spermas nach dem Absamen der eigenen Eber liegen.

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