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Gesunder Darm, gesundes Schwein

Welchen Einfluss haben die Darmbakterien auf die Widerstandsfähigkeit und das Verhalten von Schweinen? Beim Geseker Schweineabend präsentierte Prof. Johanna Fink-Gremmels faszinierende Einblicke.

Lesezeit: 5 Minuten

Darmgesundheit ist viel mehr als nur eine gut funktionierende Verdauung. Ein gesunder Darm bestimmt auch, wie widerstandsfähig ein Schwein gegenüber Infektionskrankheiten ist. Und selbst auf das Verhalten der Tiere hat die Darmgesundheit großen Einfluss – Stichwort Schwanz- und Ohrenbeißen“, berichtete Frau Professor Johanna Fink-Gremmels von der niederländischen Universität Utrecht am Donnerstag vergangener Woche den zahlreichen Gästen des diesjährigen Geseker Schweineabends.

Darmbakterien kommunizieren untereinander

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Rund 230 Landwirte, Berater und Firmenvertreter waren der gemeinsamen Einladung der Tierarztpraxis „Vivet Schweinegesundheit GmbH“ und des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Geseke in die Aula des Gymnasiums Antonianum gefolgt. Weitere 220 Zuschauer verfolgten die Veranstaltung in der Liveübertragung übers Internet.

Prof. Fink-Gremmels beschrieb die zentrale Rolle, die das Darmikrobiom (Darmflora) bei der Gesunderhaltung des Darmes spielt. Kaum ein Forschungsgebiet in der Medizin entwickle sich derzeit so rasant wie die Erforschung des unsichtbaren Mikrokosmos der Bakterien im Darm. Es handele sich dabei um eine Community von Mikroorganismen, die zusammenarbeiten und sogar untereinander kommunizieren.

Leaky gut: Der undichte Darm

Die wichtigste Aufgabe des Darmmikrobioms sei, seinen Wirt – das Schwein – zu schützen. Krankmachende Keime wie Colibakterien und Clostridien dürfen nicht die Oberhand gewinnen, sonst wird das Schwein krank. Dabei spiele die Darmbarriere eine wichtige Rolle. Nur wenn die Darmschleimhaut intakt sei, könne der Nährstofftransport im Darm und die gezielte Weitergabe bestimmter Nährstoffe an die Leber und in den Blutkreislauf funktionieren. Ist die Darmbarriere gestört, Experten sprechen vom „Leaky gut“, dem undichten Darm, gelangen krankmachende Keime und deren Toxine ins benachbarte Gewebe sowie in den Bauchraum. Und das kann zu Entzündungsreaktionen im ganzen Körper führen.

Eine erste Schädigung erfolge, so Prof. Fink-Gremmels, häufig bereits in den ersten Lebenstagen der Ferkel. Dadurch könne es zu Gesundheitsproblemen und Leistungseinbußen kommen, unter denen die Tiere dann mindestens bis zum Erreichen der Pubertät leiden, häufig sogar ihr ganzes Leben lang. Denn der Darm sei zugleich das größte Immunorgan des Schweines. 80 % aller Immunzellen des Tieres seien in der Darmschleimhaut angesiedelt. Und 90 % der Antikörper gegen pathogene Keime würden hier gebildet.

Klimaextreme verschlimmern das Mykotoxinproblem

Auch für Mykotoxine sei der Darm das wichtigste Zielorgan, erläuterte die erfahrene Toxikologin. Wobei die Probleme weltweit zunehmen, denn die auftretenden Klimaextreme (zu nass, zu trocken) stressen die Pflanzen und machen sie anfälliger für einen Schimmelpilzbefall vor der Ernte. Es gebe fast keine Getreidecharge mehr, die keine Mykotoxine enthält. Die Frage sei nur, wie hoch die Belastung sei.

Mykotoxine finde man nicht nur im Getreide, sondern auch in Mais, Soja und in Stroh. Vor allem Weizenstreu sei betroffen. Deshalb solle man bei Mykotoxinproblemen auch das für die Einstreu oder als Beschäftigungsmaterial verwendete Stroh untersuchen lassen. Gefährdet seien alle Altersklassen von Schweinen.

Häufig subklinische Probleme

Bei älteren Schweinen sehe man häufig keine typischen Mykotoxikosen mehr. Es komme jedoch zu subklinischen Effekten. Das Zearalenon (ZEN) z.B. rufe in niedrigen Konzentration bei Sauen gar keine Symptome mehr hervor. Der Organismus der Muttertiere wandele das ZEN in der Leber jedoch in Alpha-SOL um, das dann über die Nieren und die Muttermilch ausgeschieden werde. Auf diese Weise kommen die Ferkel bereits in der Gebärmutter und nach der Geburt in Kontakt mit Alpha-SOL, das ihren Darm zerstöre. Die betroffenen Ferkel haben dann einen unheimlich schlechten Start.

Auch das Mykotoxin Deoxynivalenol (DON) verursache bei der Sau selbst oft keine Probleme mehr. Über die Milch werde es jedoch von den Ferkeln aufgenommen und schädige deren Darmbarriere. Dadurch komme es zum „undichten Darm“ und Entzündungsprozessen in den Schwanz- und Ohrspitzen der Tiere. Aufgrund des Juckreizes lassen sich die Ferkel dann von ihren Buchtengenossen beknabbern und Beißprobleme seien vorprogrammiert.

Zink ist ein unverzichtbares Spurenelement

Im letzten Teil ihres Vortrags ging Prof. Fink-Gremmels auf das Verbot hochdosierter Zinkoxidgaben ein. Zink sei zwar ein tolles und absolut notwendiges Spurenelement. Es stärke z.B. das Immunsystem und habe positive Effekte auf die Fortpflanzung. Entscheidend sei jedoch die Darreichungsform. Zur Unterstützung der Immunabwehr sei die Gabe von Zinksalzen oder Chelaten ideal. Denn in dieser Form sei Zink vom Organismus der Schweine aufnehm- bzw. verwertbar. Zinkchelat sei deshalb inzwischen als Futtermittelzusatz für Schweine zugelassen.

Zinkoxid hingegen könne von Schweinen nicht aufgenommen werden. Es gelange unverdaut in den Dickdarm und könne hier aufgrund seiner pulverförmigen Struktur Wasser binden. Auf diese Weise binde es im Dickdarm das Wasser, das die Colibakterien zum Überleben brauchen, und beuge daher Durchfällen vor. Anschließend werde das Zinkoxid jedoch unverdaut von den Ferkeln ausgeschieden, gelange mit dem Kot in die Umwelt und fördere dort die Entwicklung mikrobieller Resistenzen bei Bakterien.

Hochdosierte Zinkoxidgaben zu Recht verboten

Deshalb sei der Einsatz von Zinkoxid bei Aufzuchtferkeln in therapeutischen Dosen inzwischen zu Recht verboten. Es gebe jedoch zahlreiche Darmgesundheitsstoffe, die man alternativ einsetzen könne, betonte Prof. Fink-Gremmels. Dazu gehören z.B. phytogene Substanzen, Pro- und Prä- und Symbiotika.

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