Serie Richtig impfen

Schweinehaltung: Impfpläne sind keine Kochrezepte!

Beim Kochen geht alles streng nach Rezept. Impfpläne dagegen müssen für jeden Betrieb individuell entwickelt werden. Denn die Erregerlage und der Infektionsdruck sind in jedem Bestand anders.

Unser Autor: Dr. Dirk Homann, Tierärztliche Praxis Am Fernmeldeturm, Sendenhorst in NRW

Leider gibt es bisher kein Patentrezept, welche Impfungen den besten Schutz bieten. Denn in jedem Betrieb und in jeder Region können die Erregerlage und der Infektionsdruck ganz unterschiedlich sein. Deshalb müssen Landwirt und Tierarzt gemeinsam für den jeweiligen Betrieb ein individuelles Impfkonzept „stricken“.

Dieses Impfkonzept muss dann aber auch konsequent vom Landwirt umgesetzt werden. Und es sind regelmäßige Erfolgskontrollen wichtig. Denn wenn sich der erhoffte Impferfolg nicht einstellt, muss das Impfkonzept bei Bedarf überarbeitet und angepasst werden.

Zuerst die Diagnostik

Zunächst muss geklärt werden, gegen welche Erreger der Schweinebestand geschützt werden soll. Falls der Tierarzt den Betrieb noch nicht kennt, erfolgt zunächst ein Bestandsrundgang. So verschafft sich der Tierarzt einen groben Überblick über die hygienischen Bedingungen und Erkrankungen im Bestand.

Anschließend wird das Erregerspektrum bestimmt. In Sauen haltenden Betrieben werden dazu im Abferkel- und Wartestall nach einem vorgegebenen Stichprobenschlüssel Blutproben gezogen, bei Bedarf auch im Deckzentrum. Im Labor werden diese Proben in der Regel auf PRRS-, Influenza- und Circoviren untersucht. Je nach Herkunft der Jungsauen kann auch eine Untersuchung auf Mykoplasmen und APP sinnvoll sein. Das sollte man mit dem Vermehrer abklären. Auf Parvo und Rotlauf hingegen wird in der Regel nicht mehr untersucht, da beide Impfungen in vielen Regionen Deutschlands Standard sind.

Nach der Erstdiagnose empfiehlt es sich, die Keimlast des Betriebes einmal jährlich durch ein Monitoring zu checken. Dazu werden in den meisten ­Betrieben Blutproben der Sauen auf PRRS- und Circoviren sowie Nasentupfer auf Influenzaerreger untersucht.

Lage des Betriebes

Auch die geografische Lage des Betriebes hat Einfluss darauf, gegen welche Keime geimpft werden soll. In viehdichten Regionen ist es z. B. sinnvoll, gegen Mykoplasmen, PRRS- und Influenzaviren zu impfen. Denn diese Erreger werden unter anderem über die Luft übertragen und können von der Unterdrucklüftung ins Stallinnere gesaugt werden.

Das Gleiche gilt für Schweineställe, die an einer viel befahrenen Straße zu einem Schlachthof oder zum nächsten Viehhändler liegen. Besonders gefährdet sind Stallungen, die an einer Ampelkreuzung gelegen sind, die die Viehtransporter eventuell zu einem längeren Stopp zwingen. Oder Betriebe, die unmittelbar an landwirtschaftliche Flächen grenzen, auf denen andere Schweinehalter ihre Gülle ausbringen.

Wann erfolgt die Infektion?

Um entscheiden zu können, zu welchem Zeitpunkt die Tiere geimpft werden müssen, ist es wichtig, den In­fektionszeitpunkt einzugrenzen. Dazu ­werden Blutproben in verschiedenen Altersgruppen gezogen und auf Antikörper gegen den jeweiligen Erreger untersucht. Auf diese Weise wird bestimmt, wann die Tiere Antikörper-positiv wurden. Zieht man die Inkubationszeit ab, lässt sich so der vermutliche Infektionszeitpunkt errechnen. Spätestens drei Wochen vor diesem Termin sollte die Schutzimpfung gegen den jeweiligen Erreger abgeschlossen sein.

Bei der Frage, welche Impfungen durchgeführt werden sollen, hat bei Ferkeln letztlich aber auch der Vermarkter ein Wörtchen mitzureden. Liegt der aufnehmende Mastbetrieb z. B. in einem Gebiet mit hohem Infek­tionsdruck, ist es sinnvoll, die Ferkel rechtzeitig mit den entsprechenden Impfungen auszustatten. Die Ferkelimpfung gegen Mykoplasmen und PCV 2 ist daher in den meisten Regionen Deutschlands bereits...


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