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Schweinehaltung: Impfpläne sind keine Kochrezepte!

Beim Kochen geht alles streng nach Rezept. Impfpläne dagegen müssen für jeden Betrieb individuell entwickelt werden. Denn die Erregerlage und der Infektionsdruck sind in jedem Bestand anders.

Lesezeit: 9 Minuten

Unser Autor: Dr. Dirk Homann, Tierärztliche Praxis Am Fernmeldeturm, Sendenhorst in NRW

Leider gibt es bisher kein Patentrezept, welche Impfungen den besten Schutz bieten. Denn in jedem Betrieb und in jeder Region können die Erregerlage und der Infektionsdruck ganz unterschiedlich sein. Deshalb müssen Landwirt und Tierarzt gemeinsam für den jeweiligen Betrieb ein individuelles Impfkonzept „stricken“.

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Dieses Impfkonzept muss dann aber auch konsequent vom Landwirt umgesetzt werden. Und es sind regelmäßige Erfolgskontrollen wichtig. Denn wenn sich der erhoffte Impferfolg nicht einstellt, muss das Impfkonzept bei Bedarf überarbeitet und angepasst werden.

Zuerst die Diagnostik

Zunächst muss geklärt werden, gegen welche Erreger der Schweinebestand geschützt werden soll. Falls der Tierarzt den Betrieb noch nicht kennt, erfolgt zunächst ein Bestandsrundgang. So verschafft sich der Tierarzt einen groben Überblick über die hygienischen Bedingungen und Erkrankungen im Bestand.

Anschließend wird das Erregerspektrum bestimmt. In Sauen haltenden Betrieben werden dazu im Abferkel- und Wartestall nach einem vorgegebenen Stichprobenschlüssel Blutproben gezogen, bei Bedarf auch im Deckzentrum. Im Labor werden diese Proben in der Regel auf PRRS-, Influenza- und Circoviren untersucht. Je nach Herkunft der Jungsauen kann auch eine Untersuchung auf Mykoplasmen und APP sinnvoll sein. Das sollte man mit dem Vermehrer abklären. Auf Parvo und Rotlauf hingegen wird in der Regel nicht mehr untersucht, da beide Impfungen in vielen Regionen Deutschlands Standard sind.

Nach der Erstdiagnose empfiehlt es sich, die Keimlast des Betriebes einmal jährlich durch ein Monitoring zu checken. Dazu werden in den meisten ­Betrieben Blutproben der Sauen auf PRRS- und Circoviren sowie Nasentupfer auf Influenzaerreger untersucht.

Lage des Betriebes

Auch die geografische Lage des Betriebes hat Einfluss darauf, gegen welche Keime geimpft werden soll. In viehdichten Regionen ist es z. B. sinnvoll, gegen Mykoplasmen, PRRS- und Influenzaviren zu impfen. Denn diese Erreger werden unter anderem über die Luft übertragen und können von der Unterdrucklüftung ins Stallinnere gesaugt werden.

Das Gleiche gilt für Schweineställe, die an einer viel befahrenen Straße zu einem Schlachthof oder zum nächsten Viehhändler liegen. Besonders gefährdet sind Stallungen, die an einer Ampelkreuzung gelegen sind, die die Viehtransporter eventuell zu einem längeren Stopp zwingen. Oder Betriebe, die unmittelbar an landwirtschaftliche Flächen grenzen, auf denen andere Schweinehalter ihre Gülle ausbringen.

Wann erfolgt die Infektion?

Um entscheiden zu können, zu welchem Zeitpunkt die Tiere geimpft werden müssen, ist es wichtig, den In­fektionszeitpunkt einzugrenzen. Dazu ­werden Blutproben in verschiedenen Altersgruppen gezogen und auf Antikörper gegen den jeweiligen Erreger untersucht. Auf diese Weise wird bestimmt, wann die Tiere Antikörper-positiv wurden. Zieht man die Inkubationszeit ab, lässt sich so der vermutliche Infektionszeitpunkt errechnen. Spätestens drei Wochen vor diesem Termin sollte die Schutzimpfung gegen den jeweiligen Erreger abgeschlossen sein.

Bei der Frage, welche Impfungen durchgeführt werden sollen, hat bei Ferkeln letztlich aber auch der Vermarkter ein Wörtchen mitzureden. Liegt der aufnehmende Mastbetrieb z. B. in einem Gebiet mit hohem Infek­tionsdruck, ist es sinnvoll, die Ferkel rechtzeitig mit den entsprechenden Impfungen auszustatten. Die Ferkelimpfung gegen Mykoplasmen und PCV 2 ist daher in den meisten Regionen Deutschlands bereits Standard. Viele Vermarkter fordern zudem auch eine PRRS-Impfung der Ferkel.

Für etliche Impfungen stehen inzwischen Kombiimpfstoffe zur Verfügung. Ein typisches Beispiel dafür ist die kombinierte Impfung gegen Mykoplasmen und Circoviren. Etliche Ferkelerzeuger entscheiden sich aus arbeitswirtschaftlichen Gründen für eine Kombiimpfung. Stark gefragt sind gebrauchsfertig vorgemischte Vakzine, sogenannte „Ready to use“-Impfstoffe.

Bei der Verwendung von Kombivakzinen muss man in puncto Wirksamkeit bei der ein oder anderen Impfstoffkomponente jedoch mitunter Kompromisse eingehen. Hier ist der Hoftierarzt mit seiner Erfahrung gefragt, um aus dem breit gefächerten Angebot die für den jeweiligen Betrieb optimale Kombination auszuwählen.

Alternativ besteht auch die Möglichkeit, zwei separate Impfstoffe zeitgleich aber ortsgetrennt zu verabreichen, z. B. in den rechten und den linken Nackenmuskel. Denn es ist immer vorteilhaft, Impfungen zu bündeln und den Tieren bzw. ihrem Immunsystem zwischendurch Ruhephasen zu gönnen.

Wer soll geschützt werden?

Wichtig für das Erstellen des Impfkonzeptes ist darüber hinaus die Frage, wer vor dem jeweiligen Erreger geschützt werden soll: Die gesamte Herde oder nur Einzeltiere?

Bei PRRS und Influenza steht immer der Herdenschutz im Vordergrund. Denn einzelne ungeschützte Tiere, verursacht durch Impfversager oder weil bei ihnen die Impfung vergessen wurde, können den Erregerdruck im Bestand stark erhöhen. Das Ergebnis wäre dann eine geimpfte, aber PRRS- bzw. Influenza-instabile Herde. Bei der Circo- und Parvo-Impfung hingegen steht der Schutz des Einzeltieres im Vordergrund.

Welche Altersgruppe impfen?

Bevor der Impfplan erstellt werden kann, muss zudem geklärt werden, in welcher Altersgruppe welche Impfungen durchgeführt werden können:

Mutterschutzimpfungen: Der Schutz neugeborener Saugferkel lässt sich nur durch eine rechtzeitige Mutterschutzimpfung erreichen. Die Ferkel werden dann über das Kolostrum, das entsprechende Antikörper enthält, passiv immunisiert. Typische Mutterschutzimpfungen richten sich z. B. gegen Infektionen mit E. coli, Clostridien, Rotaviren und Glaesserella parasuis. Auch zum Schutz der Ferkel vor Influenza können die Sauen geimpft werden. Der Schutz hält dann etwa bis zur Mitte des Flatdecks an.

Saugferkelimpfungen: Sobald der maternale Schutz nachlässt, können die Ferkel selbst geimpft und so aktiv immunisiert werden. Standardimpfungen sind hier die PCV 2- und Mykoplasmenimpfung. Je nach Region wird auch noch gegen PRRS vakziniert.

Der Infektionsdruck im Bestand und die Schutzdauer der maternalen Antikörper bestimmen dabei, wann die Ferkelimpfung erfolgen kann. Die Circoimpfung z. B. darf nicht vor dem vierzehnten Lebenstag erfolgen. Und bei Mykoplasmen kann der Impfzeitpunkt über die Wahl eines One- oder Two- Shot-Präparates variiert werden. 

Eine typische Saugferkelimpfung ist zudem die Impfung gegen die Ödemkrankheit (Shigatoxin). Sie erfolgt in der Regel am 3. Lebenstag, spätestens jedoch 14 Tage vor dem zu erwartenden Krankheitsausbruch. Beim Einstallen ins Flatdeck kann zudem gegen Colidurchfälle (F 4/F 18) geimpft werden. Diese Behandlung wird aber zunehmend in den Saugferkelbereich vorverlegt. Weitere gängige Impfkonzepte für Ferkel sind in Übersicht 1 aufgelistet.

Mastschweine: Beim Einstallen in die Mast wird häufiger gegen PRRS geimpft – zumindest dann, wenn der Ferkelerzeugerbetrieb nicht gegen PRRS vakziniert. Mitunter werden die Läufer auch noch mal gegen PRRS oder Mykoplasmen nachgeimpft, wenn im Empfängerbetrieb ein hoher Erregerdruck herrscht. Weitere typische Mastimpfungen sind zudem die Ileitisimpfung, wahlweise oral oder per Nadel.

Jungsauen: Die Jungsauen werden in der Regel vorgeimpft oder als „frei von bestimmten Erregern“ vom Vermehrer ausgeliefert. Während der mindestens neunwöchigen Quarantäne sollten die Tiere aus freien Betrieben gegen alle Keime geimpft werden, die im aufnehmenden Betrieb Probleme bereiten, z. B. gegen PRRS-, Circo- oder Influenzaviren. Deshalb ist es wichtig, den Gesundheitsstatus des Vermehrers mit dem des aufnehmenden Sauenbetriebes vorher abzugleichen.

Entscheidend ist, dass die Jungsauen während der Quarantäne gründlich grundimmunisiert werden. Denn sonst können auch die späteren Wiederholungs- bzw. Boosterimpfungen keine Wirkung entfalten.

Sauenimpfung: Die Impfung der Sauen gegen Parvovirose und Rotlauf ist inzwischen Standard. Auch die Influenza-Impfung wird aus Kostengründen nur bei Sauen durchgeführt. Wobei man hier beachten muss, gegen welche Stämme geimpft wird. Mit dem gängigen Dreifachimpfstoff erzielt man einen wirksamen Schutz gegen die drei häufigsten Influenzastämme. In letzter Zeit gewinnt jedoch der pandemische Influenzastamm immer mehr an Bedeutung, gegen den extra geimpft werden muss.

Bestandsweise impfen?

Steht fest, gegen welche Erreger vakziniert werden soll, muss als Nächstes die Frage geklärt werden, ob die Wiederholungsimpfungen bei den Sauen bestandsweise oder reproduktionsorientiert erfolgen sollen.

Bei einer Bestandsimpfung werden alle Sauen des Betriebes regelmäßig alle vier bis sechs Monate durchgeimpft, z. B. gegen PRRS oder Influenza. Dabei dürfen auch die Eber und die Umrauscher nicht vergessen werden.

Das Verfahren bietet zudem arbeitswirtschaftliche Vorteile. Es gibt feste Impftermine, die im Impfplan vermerkt sind und vom Landwirt nur noch abgearbeitet werden müssen. Das erleichtert die Arbeit für Urlaubs- und Krankheitsvertretungen.

Der Nachteil ist, dass bei der Bestandsimpfung auch Sauen in sensiblen Reproduktionsphasen geimpft werden. Dazu gehören z. B. frisch belegte Sauen, bei denen sich die Eizellen gerade in der Einnistungsphase befinden, und hoch tragende Sauen. Das kann zu Umrauschern und Aborten führen.

Bei der termin- bzw. reproduktionsorientierten Impfung werden diese sensiblen Phasen dagegen ausgeklammert. Ein Beispiel dafür ist das 6/60-System gegen PRRS-Viren. Die Impfungen erfolgen hier am 6. Tag nach der Geburt und am 60. Trächtigkeitstag. Ein typisches Beispiel für eine Vakzination im Abferkelstall ist die SMEDI-/Rotlauf-Impfung. Die Impfung sechs Wochen vor dem Abferkeln bietet sich für alle Mutterschutzimpfungen an, damit die frisch geborenen Saugferkel über das Kolostrum optimal mit Antikörpern versorgt werden.

Der Nachteil dieses Impfverfahrens ist, dass beim Impfen einzelner Sauen-gruppen oftmals die Eber und die Umrauscher vergessen werden. Weitere gängige Impfkonzepte für Sauen sind in Übersicht 2 aufgelistet.

Impfstoffe mischen?

Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen denken viele Landwirte über das Mischen von Impfstoffen nach. Fakt ist, dass nur dafür zugelassene Vakzine gemischt werden dürfen. Die Hersteller bieten inzwischen verschiedene Impfstoffkombinationen an, entweder als fertig gemischte Vakzine (Ready-to-use) oder in Form eines Baukastensystems.

Eigenmächtiges Mischen von Impfstoffen ist gefährlich! Besonders heikel ist es, Vakzine verschiedener Hersteller in einer Spritze zu verabreichen. Denn häufig werden unterschiedliche Adjuvantien verwendet, und es ist unklar, wie diese Hilfsstoffe miteinander reagieren. Gefährlich ist auch das nicht zugelassene Mischen von Lebend- und Totimpfstoffen. Denn Totimpfstoffe enthalten sterilisierende Zusätze, die auch die im Lebendimpfstoff enthaltenen Keime beeinträchtigen können.

Erfolgskontrolle ist wichtig

Zu jedem Impfkonzept gehört eine regelmäßige Erfolgskontrolle. Denn jede Impfung kostet Geld, macht Arbeit und belastet die Tiere. Deshalb muss überprüft werden, ob die Impfmaßnahmen zum erwünschten Erfolg geführt haben. Wenn nicht, muss das Impfkonzept entsprechend angepasst werden. Eine Erfolgs- und Verträglichkeitsprüfung der Impfmaßnahmen ist ohnehin vom Gesetzgeber in der Tierimpfstoffverordnung vorgeschrieben.

Zur Erfolgskontrolle gehört unter anderem, dass beim Empfänger der Mastferkel oder Jungsauen nachgefragt wird, ob die Tiere erfolgreich durchgestartet sind oder ob es Probleme gab. Aber auch im Impfbetrieb muss anhand der klinischen Bestandsprotokolle sowie von Sektions- und Schlachtbefunden nachverfolgt werden, ob die durchgeführten Impfungen erfolgreich waren. Dazu gehört auch ein laufendes Monitoring anhand von Kaustrickproben im Flatdeck sowie stichprobenartig gezogenen Blutproben.

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