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Zukunft der Sauenhaltung

Bayerischer Landkreis Dillingen: Einer der letzten Ferkelerzeuger vor dem Aus​?

Im Vorfeld der Landtagswahl in Bayern Iud der Bayerische Bauernverband (BBV) Vertreter der bayerischen Regierungsparteien zu einem Fachdialog auf einem Ferkelerzeugerbetrieb in Schabringen ein.

Lesezeit: 4 Minuten

Josef und Sieglind Schmid führen mit Sohn Stefan einen der letzten spezialisierten Ferkelerzeugerbetriebe im Landkreis Dillingen. Für sie stellt sich die Frage, ob der familiengeführte Betrieb über das Jahr 2026 hinaus weiter als Ferkelerzeugerbetrieb bewirtschaftet werden kann.

Denn die Verpflichtung zum Umbau des Deckzentrums im Rahmen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erfordert eine komplette Neustruktur mit einem enormen Umbauvolumen und führt letztendlich zu einem Bestandsabbau der Muttersauen um 20 bis 25 %.

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„In den letzten Jahren bereits 1 Mio. € investiert“

Familie Schmid hat in den letzten Jahren bereits rund eine 1 Mio. € in den Um- und Erweiterungsbau ihres Sauenstalls investiert, um den geltenden Rechtsnormen zu entsprechen. Weitere Investitionen kann sie aufgrund der pandemiebedingten Einkommensverluste nicht schultern.

Die angebotenen Förderprogramme können im Landkreis Dillingen vom Großteil der Schweinehalter, so auch der Familie Schmid, nicht in Anspruch genommen werden, weil für diese die Antragsvoraussetzungen nicht gegeben sind. Der Betrieb muss bis zum 9. Februar 2024 ein komplettes Umbaukonzept dem Veterinäramt vorlegen. Es wird eine Alternative angeboten: die Sauenhaltung muss bis zum 9. Februar 2026 endgültig aufgegeben werden.

Seitens der CSU nahm an diesem Fachdiskurs der Höchstädter Landtagskandidat Manuel Knoll und für die Freien Wähler der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Johann Häusler teil. Knoll versprach, die bäuerliche Landwirtschaft zu unterstützen: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass unsere wichtigsten Lebensmittel aus dem EU-Ausland oder gar aus Drittländern importiert werden, während wir zusehen, wie unsere heimische Tierproduktion den Bach hinunter geht.“

Alarmierende Zahlen

Johann Häusler, der berufsbedingt die Tierhaltung und landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen kennt, sieht die vorgetragenen Sorgen mehr als berechtigt und verwies auf zahlreiche Initiativen, um ein weiteres Sterben der Betriebe einzudämmen.

Die aktuellen Zahlen, so Häusler, sind alarmierend. So wären im ersten Halbjahr 2023 bereits knapp 10,8 % aller schweinehaltenden Betriebe in Deutschland ausgestiegen. In den letzten 10 Jahren hätten insgesamt 43,4 % der Schweinehalter ihre Tore für immer geschlossen. In Bayern haben von 395.000 schweinehaltenden Betrieben im Jahre 1960 rund 90 %, bei Ferkelerzeugern noch mehr, ihre Tierhaltung mittlerweile aufgegeben. Daraus resultiert auch eine schwierige Vorort-Versorgung unserer noch vorhandenen Metzgerei-Fachbetriebe mit bekannter regionaler Herkunft.

Laut einer aktuellen Umfrage von top agrar wollen 48 % der noch produzierenden Sauenhalter bis Februar 2026 die Stalltore schließen, während erst 8 % der Betriebe bereits umgebaut haben und sich 19 % mit dem Umbau befassen. Deshalb habe er, so Häusler, zahlreiche Initiativen im Bayerischen Landtag angestoßen, so beispielsweise den Antrag „Planungssicherheit für die Bayerische Landwirtschaft“ – dieser wurde zwar abgeschwächt, aber erfolgreich eingebracht. Auch ein Corona-Stützungskonzept hat MdL Häusler vorgeschlagen sowie das „Bayerische Schlachthofstrukturkonzept“ initiiert.

„Politik nimmt Landwirten die Zuversicht“

Der Dillinger BBV-Kreisobmann Klaus Beyrer und die Kreisbäuerin Annett Jung erklärten, dass die Politik weitere Hürden aufschichte, die den verbliebenen Betrieben die Zuversicht nehmen, weiter in eine ungewisse Zukunft zu investieren, und Betriebsnachfolger hindere, eine landwirtschaftliche Ausbildung anzustreben. Ins gleiche Horn stieß Josef Schmid. Seine Berufskollegen, genauso wie seine Familie, hätten es verdient, von der Politik künftig noch ernster genommen zu werden als es viele Landwirte zuletzt leidvoll erfahren mussten.

Zu den größten Herausforderungen zählen insbesondere die nicht vorhandene Planungssicherheit bei Neuinvestitionen, die Ausweisung der „Roten Gebiete“, die noch nicht ausreichend vorhandenen zusätzlichen Messstellen und das bevorstehende Anbindeverbot von Milchkühen. Dies betrifft die Mehrzahl unserer Milchviehbetriebe, insbesondere derer, die innerorts noch Milchkühe halten.

„Kämpfer für die Bauern“

Abschließend dankten Beyrer und Jung dem im Oktober aus dem Landtag ausscheidenden Johann Häusler für seinen Einsatz für die heimische Landwirtschaft und merkten wehmütig an, dass sie den „Kämpfer für unsere Bauern“ gerne auch in der nächsten Legislaturperiode als parlamentarischen Ansprechpartner im Landtag gesehen hätten.

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