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So gliedern Sie Jungsauen optimal in die Herde ein

Vitale Jungsauen sind der Grundstein für einen fruchtbaren Sauenbestand. Wir geben Tipps, Tiere bestmöglich in die Herde integrieren.

Lesezeit: 8 Minuten

Unser Experte: Dr. Eckhard Meyer, ­Lehr- und ­Versuchsgut Köllitsch

Eine gute Eingliederung der Jungsauen in die Herde ist die Basis für eine hohe Lebensleistung. Denn sie beeinflusst den Gesundheitsstatus und die Furchtbarkeit der Sauen enorm. Wir zeigen, wie Sie die zukünftigen Leistungsträgerinnen optimal in den Bestand integrieren.

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Qualität kontrollieren

Schweine sind im jungen Alter besonders krankheitsanfällig, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Kommen Jungsauen von einem anderen Zuchtbetrieb auf den Hof, können sie die Altsauen der Herde infizieren, aber auch sich selbst mit Bestandskeimen anstecken. Je mehr Zeit sie zur Eingewöhnung haben, desto behutsamer kann das Immunsystem der Tiere angeglichen werden und desto niedriger ist das Ansteckungsrisiko.

Den Zukauf von Jungsauen müssen Ferkelerzeuger genau planen und mit dem Vermehrungsbetrieb abstimmen. Es empfiehlt sich, pro Liefergruppe Sauen in verschiedenen Altersstufen zu beziehen. Das reduziert die Anzahl der Lieferungen pro Jahr.

Bei den Lieferterminen sollten Landwirte auf den natürlichen sexuellen Rhyhtmus der Tiere von 21 Tagen achten. Es ist hilfreich, die Jungtiere in der Absetzwoche einzustallen. So kann die älteste Jungsauengruppe gleichzeitig mit einer Gruppe frisch abgesetzter Altsauen ins Deckzentrum gestallt werden.

Bei der Anlieferung sollten Landwirte die Qualität der zugekauften Tiere genau kontrollieren. Gewicht und Kondition müssen zum Alter der Tiere passen. Außerdem ist für eine lange Nutzungsdauer ein stabiles Fundament wichtig. Insbesondere bei einer Haltung auf Spaltenboden ist zudem ein koordinierter Bewegungsablauf erforderlich.

Darüber hinaus sollten Sauenhalter das Gesäuge genau begutachten. Die Tiere müssen mindestens 14 funktionierende Zitzen aufweisen, besser 15 bis 16. Denn im Laufe des Lebens fallen Zitzenkomplexe aus.Es empfiehlt sich, Auffälligkeiten genau zu dokumentieren, damit man Mängel im Falle einer Reklamation gegenüber dem Züchter belegen kann. Besonders hilfreich sind dafür Fotos, wobei auf eine gute Qualität zu achten ist.

Langsam an Keime gewöhnen

Nach der Ankunft im Betrieb sollten Jungsauen eine zweiphasige Eingliederung durchlaufen. Sie dauert mindestens sechs Wochen und ist eingeteilt in eine Isolations- und Adaptionsphase. In den ersten drei Wochen dürfen die Jungsauen keinen Kontakt zu anderen Bestandstieren haben. Dafür ist ein separater Eingliederungsstall nötig.

Den Eingliederungsstall sollten Landwirte aus Hygienegründen im Rein-Raus-Verfahren belegen. Vor dem Einstallen einer neuen Jungsauengruppe muss er gereinigt, desinfiziert und auf ca. 20 °C aufgeheizt werden. Um die Tiere besser beobachten zu können, haben sich Kleingruppen mit weniger als zehn Tieren bewährt – möglichst nach Alter und Kondition sortiert. Außerdem muss der Boden rutschfest sein, um Klauenverletztungen vorzubeugen.

In der zweiten Hälfte der Eingliederung werden die Jungsauen schrittweise an das Keimspektrum der Kernherde gewöhnt. Ziel ist, das Immunsystem zu fordern, aber nicht zu überfordern. Landwirte können dazu z. B. Kot oder Jutesäcke aus dem Abferkelbereich in die Buchten geben. Aber Achtung: Verdünnter normaler Kot kann ein geeignetes Medium sein, Durchfallkot eine immunologische Katastrophe. Ebenso ist es möglich, Schlachtsauen dazu zu stallen oder die Jungsauen­gruppe für einige Stunden im Deckzentrum laufen zu lassen. Welche Lösung für am besten ist, hängt auch von den baulichen Gegebenheiten im Betrieb ab.

Abgestimmte Impfungen nötig

Für eine gute Immunisierung sind auch aufeinander abgestimmte Impfungen unerlässlich. Die Tiere werden in der Regel vorgeimpft oder als „frei von bestimmten Erregern“ ausgeliefert. Während der Quarantäne sollten Jungsauen gegen alle Keime geimpft werden, die im aufnehmenden Betrieb Probleme bereiten, z. B. PRRS-, Circo- oder Influenzaviren. Entscheidend ist, dass die Tiere zu den Impfterminen gesund und impffähig sind. Ansonsten erfolgt keine gute Immunantwort und auch spätere Wiederholungsimpfungen können keine Wirkung entfalten.

Die Impfungen müssen zwei bis drei Wochen, bevor die Tiere mit dem Keimen der Kernherde in Kontakt kommen, abgeschlossen sein. Ansonsten ist der Impfschutz nicht vollständig aktiv. Ebenso sollten die Sauen gegen Endo- und Ektoparasiten behandelt werden. Dazu geben Landwirte in der Regel eine Wurmkur über das Futter.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Eingewöhnung ist der Aufbau eines guten Mensch-Tier-Kontaktes. Das erleichtert Tierkontrollen und fördert die Immunität sowie das natürliche Rauscheverhalten. Damit sich die Tiere gut an die Tierbetreuer gewöhnen, sollten sie die Buchten täglich betreten und ruhig mit den Sauen umgehen. Wichtig ist auch, die Tiere anzusprechen und anzufassen.

Energiereiche Fütterung

Für ein funktionierendes Immunsystem und eine gute Fruchtbarkeit müssen die Sauen ausreichend Rückenspeck bilden. Die Fütterung sollte so ausgelegt sein, dass die Sauen innerhalb der Eingliederungsphase mindestens 4 mm Rückenspeckdicke zulegen.

Dafür empfiehlt sich ein spezielles Eingliederungsfutter einzusetzen. Es enthält mit 13 MJ ME/kg viel Energie und nicht mehr als 14 % Rohprotein. Können Sauenhalter kein Extrafutter anbieten, eignet sich auch ein Trächtigkeitsfutter mit ca. 12,2 MJ ME/kg. Es enthält viel Rohfaser und kann die Darmgesundheit verbessern. Fettreserven können die Sauen hiermit aber nur zulegen, wenn sie entsprechend viel Futter aufnehmen.

Außerdem muss das Futter ein ausgewogenes Verhältnis von Mineralien aufweisen, um das Immunsystem zu stärken. Das Verhältnis von Calcium ­zu Phosphor sollte 1,2 bis 1,4:1 betra­gen. Außerdem sind 100 mg/kg Zink, 40 mg/kg Mangan, 15 mg/kg Kupfer sowie 0,4 mg/kg Biotin zu empfehlen. Außerdem brauchen Jungsauen eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen E, A und C.

Rausche stimulieren

Bereits während der Quarantäne gilt es, die Rausche der Jungsauen zu stimulieren. Dazu können Landwirte z. B. die Jungsauen einer Altersgruppe nach drei Wochen umgruppieren und in eine andere Bucht stallen.Außerdem sollten die Sauen zwei Mal täglich für etwa 20 Minuten Kontakt zu einem Eber haben. Das kann über eine separate Kontaktbucht oder vom Gang aus erfolgen. Das Rauscheverhalten sollten Sauenhalter penibel dokumentieren. Denn eine Sau bleibt in der Regel ihr Leben lang früh-, normal- oder spätrauschig.

Für die Nutzungsdauer der Sauen ist eine gute körperliche Entwicklung und sexuelle Reife zum Zeitpunkt der ersten Besamung entscheidend. Deshalb sollten die Tiere zu diesem Zeitpunkt 240 bis 270 Tage alt und geschlechtsreif sein. Außerdem sind mindestens 160 kg Körpergewicht und 16 bis 18 mm Rückenspeck zu empfehlen. Die Tiere müssen zu diesem Zeitpunkt zudem bereits zwei Mal gerauscht haben. Die sogenannte Transportrausche wird dabei nicht berücksichtigt.

Um den Zyklus der Jungsauen an den Produktionsrhythmus im Betrieb anzupassen, setzen viele Landwirte Hormone ein. Durch die Gabe von Altrenogest wird der Zyklus der Sauen zeitweise blockiert. Mit dem Hormon PMSG kann zusätzlich das Follikelwachstum an den Eierstöcken stimuliert werden. Darüber hinaus kann man mithilfe des Hormons HCG termingerecht den Eisprung auslösen. 24 h nach der HCG-Gabe erfolgt die erste terminorientierte Besamung, nach weiteren 12 bis 16 Stunden die zweite Besamung. Bei langer Rausche können Ferkelerzeuger die Sau nach sechs bis acht Stunden ein drittes Mal besamen.

Bei Verzicht auf HCG erfolgt die Besamung duldungsorientiert. Zeigt die Sau bei der täglichen Brunstkontrolle Anzeichen der Rausche, wird sie sofort besamt. Die Besamung wird im Abstand von 16 bis 18 Stunden maximal zwei Mal wiederholt. In beiden Fällen ist eine intensive Stimulation durch einen Eber wichtig. Um die Kapazitäten im Abferkelstall optimal auszulasten, sollten Landwirte genauso viele Jungsauen besamen, wie Plätze in der jeweiligen Sauengruppe frei sind. Dabei ist eine Umrauscherquote von 10 % einzukalkulieren.

Hormone verzichtbar

Verbraucher und Tierschützer sehen den Hormoneinsatz zunehmend kritisch. Auf den Einsatz von PMSG zur Follikelstimulation können Landwirte durch geeignetes Management verzichten. Jedoch können Ausnahmen bei Krankheitseinbrüchen oder Stillbrunst nötig sein. Auch die terminorientierte Besamung mit HCG ist hauptsächlich der Arbeitswirtschaft geschuldet und biologisch gesehen eher kontraproduktiv. Mit der duldungsorientierten Besamung erreichen Betriebe häufig bessere Leistungen, weil sie näher am natürlichen Zyklus der Sauen arbeiten.

Herde darf nicht zu jung sein

Zur optimalen Altersstruktur in der ­Sauenherde hat Prof. Steffen Hoy von der Universität Gießen intensiv geforscht. Dazu hat er knapp 760.000 Würfe aus 102 VzF-Betrieben untersucht. Die Wurfleistung der Sauen war im vierten Wurf (17,3 ges. geb. Ferkel) und fünften Wurf (17,2) am höchsten. Optimalerweise liegt die Remontierungsquote bei etwa 40 %.



Zu hohe Remontierungsraten führen zu verminderter Fruchtbarkeitsleistung und geringeren Aufzuchtergebnissen. Außerdem kann bei einem hohen Anteil Jungsauen die Herdengesundheit instabil werden. Nach jedem Absetzen bzw. vor jeder neuen Belegung sollten ­Landwirte etwa 10 bis 15 % der Sauen aus der Gruppe ausselektieren.



Als Selektionskriterien sollten Ferkelerzeuger nicht nur das Alter der Tiere berücksichtigen. Ausschlaggebend sind ebenso Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten sowie verringerte Milchbildung und schlechte Aufzuchtleistungen. Solange Altsauen fit sind, können sie auch noch im siebten bis achten Wurf hohe Wurfleistungen bringen.

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