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Ausstiegswelle bei Schweinehaltern in Polen

Die langanhaltende Preiskrise hat die kleinstrukturierten Betriebe in Polen besonders hart getroffen. In zwei Jahren musste ein Drittel der Sauenhalter die Tore schließen. Wie geht es weiter?

Lesezeit: 4 Minuten

Mit einem Bestand von aktuell knapp 10 Mio. Schweinen ist Polen der sechstgrößte Erzeuger in Europa und rangiert nur knapp hinter Dänemark und den Niederlanden. Bei der Schweinefleischerzeugung lag das Land zuletzt sogar auf Rang vier im EU-Vergleich.

Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser östliches Nachbarland einen drastischen Zusammenbruch seiner Schweinehaltung erlebt. So standen bei der jüngsten Viehzählung im Dezember 2022 knapp 620 000 Schweine weniger in den Ställen, was einem Rückgang um 6 % binnen zwölf Monaten entspricht. Innerhalb von zwei Jahren ist der Bestand sogar um 2,1 Mio. Schweine oder knapp 18 % geschrumpft.

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Besonders stark ist die Abstockung in der Ferkelerzeugung. Ende letzten Jahres fiel Polens Sauenzahl erstmals unter die Marke von 600 000 Tieren. Das entspricht einem Rückgang um fast 10 % innerhalb eines Jahres. 2021 waren die Abstockungen in der Ferkelerzeugung sogar noch größer. So hat Polen innerhalb der vergangenen zwei Jahre fast 30 % seiner landesweiten Sauenherde verloren (siehe Übersicht 1).

Übersicht 1: Sauenbestand fällt unter 600000 Tiere

Der schnelle Bestandsabbau zieht einen radikalen Strukturwandel nach sich. So gab es im Jahr 2020 in Polen noch rund 104 000 Betriebe mit Schweinehaltung. Ihre Zahl ging zuletzt auf rund 59 000 Betriebe zurück. Das heißt: Innerhalb der letzten zwei Jahre mussten mehr als ein Drittel der polnischen Schweinebetriebe ihre Tore schließen.

Sehr niedrige Ferkelzahlen

Hauptgrund für diese Ausstiegswelle sind die kleinen Strukturen in der Schweinehaltung. Rund 80 % der ­polnischen Betriebe halten weniger als 100 Schweine. Und in der Gruppe der Klein- und Kleinstbetriebe stehen gerade einmal 10 % des polnischen Schweinebestandes. Im Gegensatz dazu verfügen nur etwa 11 800 Betriebe über zukunftsfähige Strukturen mit mehr als 1 000 Schweinen. Viele der kleinen Schweinebetriebe hatten der Preis- und Kostenkrise der vergangenen zwei Jahre wenig entgegenzusetzen und stiegen aus.

Das zweite große Problem sind die sehr niedrigen biologischen Leistungen. Nach Auswertungen des britischen Amtes für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB) konnten die polnischen Betriebe im vergangenen Jahr im Mittel nur 19,9 Ferkel pro Sau und Jahr ab­setzen (siehe Übersicht 2). Damit liegen sie weit unter dem EU-Durchschnitt von knapp 28 abgesetzten Ferkeln. Der Leistungsrückstand zum Spitzenreiter Dänemark ist eklatant. Die in Polens Kleinbetrieben auftretenden Schwächen in puncto Tiergesundheit, Fütterung, Hygiene etc. zeigen sich hier besonders deutlich.

Übersicht 2: Niedrige Ferkelzahlen in Polen

Das dritte große Problem ist die Af­rikanische Schweinepest, die seit 2014 im Land grassiert. Denn seither sind ­neben den umfangreichen Sperr- und Keulungsmaßnahmen wichtige Exportmärkte wie China und Japan weggebrochen. Inzwischen unterliegen rund 50 % der Landesfläche ASP-bedingten Restriktionen. In den Sperrzonen liegt der Schlachterlös umgerechnet zwischen 10 und 22 Cent/kg unter dem landesweiten Mittel.

Besonders hart traf die Branche 2019 die Verschleppung der ASP in die westlichen Landesteile. Denn allein die Provinz Großpolen beherbergt mehr als ein Drittel des landesweiten Schweinebestandes. Mit dem Eintrag der Seuche in die Veredelungshochburg mehrten sich auch die Pestausbrüche in größeren Schweinebetrieben.

Fleischimporte steigen

Der starke Rückgang der Schweinehaltung hat die Außenhandelsbilanz un­seres östlichen Nachbarn weiter verschlechtert. So lag der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch bis zum Jahr 2007 noch bei gut 105 %. In den vergangenen Jahren ging die Selbstversorgung mit Werten um 90 % spürbar zurück. Nach vorläufigen Schätzungen konnte Polen im vergangenen Jahr unter der Annahme eines stabilen Konsums nur noch etwa 80 % des benötigten Schweinefleisches selbst erzeugen.

Dass sich das Agrarland Polen nicht mehr selbst mit Schweinefleisch versorgen kann, spiegelt sich auch in den ­steigenden Lebendimporten wider. Laut Warschauer Statistikbehörde wurden von Januar bis November 2022 fast 6,4 Mio. Schweine eingeführt. Das waren 5,7 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Gros der Lebendeinfuhren entfällt auf die Ferkelimporte, die für vergangenes Jahr auf 5,8 Mio. Stück beziffert werden.

Auffallend ist die dominante Marktposition der dänischen Ferkelexporteure. Sie konnten ihren Marktanteil bei den von Polen importierten Ferkeln binnen zehn Jahren von rund 30 auf 97 % im Jahr 2022 steigern (siehe Übersicht 3). Gleichzeitig wurden die früher im Ferkelexport nach Polen starken Niederländer praktisch vollständig verdrängt. Auch die Ferkelimporte aus Deutschland gingen auf ein Minimum zurück.

Übersicht 3: Dänen dominieren Ferkelimporte

Fachleute erwarten, dass sich die ­negativen Entwicklungen in Polens Schweineproduktion im laufenden Jahr fortsetzen. Laut EU-Prognoseausschuss könnte die Bruttoeigenerzeugung 2023 um weitere 2,3 % auf 2,8 Mio. Schlachtschweine zurückgehen. Dabei dürfte die Ferkelerzeugung erneut überproportional stark verlieren.

In der Folge könnte Polens Import­bedarf für Ferkel im laufenden Jahr um etwa 7 % auf 6,2 Mio. Stück steigen. Mittelfristig erwarten Experten der Credit Agricole Polen allerdings wieder rückläufige Ferkeleinfuhren. Sie prognostizieren für das Jahr 2027 nur noch ein Importvolumen von etwa 4,5 Mio. Ferkeln, da auch die Mastkapazitäten nochmals zurückgehen dürften. Der Rückgang der polnischen Schweinehaltung scheint sich somit in den nächsten Jahren fortzusetzen.

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