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Schweinehaltung: Rechnet sich der Umbau auf Haltungsform 3?

Einige Schweinehalter überlegen, ob sie ihren bestehenden Maststall zu einem Außenklimastall mit Auslauf umbauen sollen. Doch selbst wenn die Genehmigung vorliegt, bleibt die Frage: Lohnt sich das?

Unser Autor: Wilfried Brede, STA-Serviceteam Alsfeld GmbH, Hessen

Ende Juli 2021 hat der Discounter Aldi Fakten geschaffen: Bis spätestens 2030 will Aldi nur noch Schweinefleisch aus den Haltungsstufen 3 und 4 abnehmen. Im Kleingedruckten steht zwar, dass es sich vornehmlich um Frischfleisch handelt. Aber auch Rewe ist mittlerweile nachgezogen und hat darüber hinaus angekündigt, vornehmlich deutsches Fleisch abzunehmen. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist damit momentan der Taktgeber in Sachen Tierwohl.

Für Schweinehalter stellt sich angesichts der Ansagen des LEHs immer öfter die Frage, ob sich ein Umstieg auf diese Haltungsstufen lohnt. Anhand eines Beispielbetriebs haben wir unterschiedliche Szenarien durchgerechnet.

Alternativen Gesucht

In unserem Praxisbeispiel handelt es sich um einen Schweinemastbetrieb aus Süddeutschland. Die Vermarktung der Schweine aus dem konventionellen Maststall mit 1496 Plätzen läuft eigentlich gut. Der Landwirt mästet die Tiere gemäß der Haltungsstufe 1 (gesetzl. Standard) und vermarktet einen Großteil an regionale Metzger. Dafür bekommt er einen Aufschlag in Höhe von 0,08 € pro kg Schlachtgewicht (SG) auf die Basisnotierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG).

Momentan zeichnet sich jedoch ab, dass der Betrieb seine regionale Metzgervermarktung verlieren wird. Denn in einigen Regionen verstärkt sich der Strukturwandel in der Fleischbranche, sodass kleine Handwerksbetriebe die hohen Produktionsauflagen nicht mehr erfüllen und die arbeitswirtschaftliche Belastung nicht mehr stemmen können. Die Metzgereien wechseln dann zu einem Hälften- bzw. Teilstückzukauf, statt ganze Schweine von Vertragslandwirten zu beziehen.

Der Schweinemäster aus unserem Beispiel muss sich also die Frage stellen, wie er zukünftig seine Tiere möglichst gewinnbringend vermarkten kann. Um das zu beantworten, wurden mehrere Vermarktungsvarianten kalkuliert, wie Übersicht 1 auf Seite S22 zeigt.

Als Referenzwert dient die jetzige Situation des Betriebes mit der Metzgervermarktung (Stufe 1 + Metzger). Nach Abzug aller Kosten liegt der Unternehmergewinn momentan bei 11,34 € netto pro Mastschwein.

Entfällt die Metzgervermarktung aus den eingangs genannten Gründen, kann der Landwirt seine Schweine weiter gemäß den gesetzlichen Standards (Stufe 1) halten und über einen Schlachthof vermarkten. Dabei löst sich die zuvor vorhandene Marge, die eine Win-win-Situation für Landwirt und Metzger bedeutete, für den Landwirt auf. Sein Unternehmergewinn beträgt in diesem Fall nur noch 7,59 € netto pro Schwein.

Um seinen Erlös zu erhöhen, könnte der Landwirt alternativ versuchen, die Tiere ohne größere Umbaumaßnahmen im bestehenden Stall mit Hilfe der Initiative Tierwohl (ITW) (Stufe 2) zu vermarkten. Dabei reduziert sich die Anzahl der Mastplätze aufgrund der höheren...

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