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5-Wochenrhythmus: So kombiniert eine Sauenhalterin Stallarbeit und Beraterjob

Anneke Kreißig betreibt ihren Sauenstall im 5-Wochenrhythmus. Dadurch bekommt sie die Hofarbeit und ihren Job als Beraterin unter einen Hut.

Lesezeit: 7 Minuten

"Bei uns arbeitet niemand Voll­zeit im Betrieb. Deshalb müssen mittags alle Arbeiten erledigt sein!“, erklärt Ferkelerzeugerin Anneke Kreißig ihr besonderes Konzept. Die 31-Jährige leitet einen Betrieb mit 280 Sauen, inklusive Ferkelaufzucht sowie 100 ha Ackerbau und Grünland in Drakenburg (Niedersachsen).

Arbeitsarmer Rhythmus

Neben dem eigenen Betrieb arbeitet die Agraringenieurin als Spezialberaterin für Schweinehaltung bei einer Unternehmensberatung. Im vergangenen Som­­mer hat sie den Hof von ihrem Vater Gerd übernommen. Auch er packt halbtags im Stall mit an. Zum Team gehören außerdem eine Teilzeitkraft im Sauenstall und ein Mitarbeiter, der sich um die Ferkelaufzucht auf einem Pachtbetrieb kümmert.

Um den Arbeitsaufwand überschaubar zu halten, betreibt die Landwirtin die Ferkelproduktion im 5-Wochenrhythmus. Die Sauen sind dabei in vier Gruppen mit jeweils 70 Tieren eingeteilt. Dadurch konzentrieren sich die Hauptarbeiten auf drei Wochen. Danach folgen zwei ruhigere Wochen, in denen Zeit für andere Arbeiten oder Urlaub ist.

In Woche eins steht am Mittwoch das Absetzen auf dem Programm. Anschließend bereitet das Team den Abferkelstall für die neue Gruppe vor. „Weil das Abteil nach nur einem Tag wieder belegt wird, haben wir das Waschen an einen externen Dienstleister ausgelagert“, erklärt Anneke Kreißig.

Zu Beginn der folgenden Woche besamt sie die abgesetzten Sauen. Ab mittwochs ferkeln dann die ersten Sauen ab. „Wir haben uns bewusst für die ruhige Genetik von Topigs und BHZP entschieden. Die Tiere brauchen beim Abferkeln nur wenig Betreuung, sodass wir auch in diesen Tagen mittags Feierabend im Stall machen“, freut sich die Ferkelerzeugerin. In Woche drei des Rhythmus steht die Erstbehandlung der Saugferkel auf dem Plan. Das erledigt das Team im Laufe der Woche, so wie es in den Arbeitsablauf passt.

Für die Folgewoche stehen außer dem Impfen der Sauen keine größeren Arbeiten an. Dadurch hat das Team zwischendurch Zeit, Klauen zu schneiden, Gülle abzulassen und die Ferkel nach Bedarf neu zu versetzen. Und auch in Woche fünf geht es ruhig zu im Stall. Dann werden neben den Routinearbeiten alle Saugferkel gegen PRRS, Circo und Mykoplasmen geimpft.

Nach vier Abferkelgruppen verschiebt sich der Rhythmus leicht, sodass der Abferkelstall für eine Woche leer steht. „Das kommt zweimal pro Jahr vor. Dann können wir in Ruhe Reparatur- und Reinigungsarbeiten durchführen “, erklärt Kreißig die Vorteile.

Die straffe Arbeitsorganisation trägt Früchte. Im Schnitt benötigt das Team im Sauenstall nur 6,5 h Arbeitszeit pro Sau und Jahr. „In anderen Arbeitsrhythmen liegt der Bedarf eher bei 9 h“, weiß die Spezialberaterin.

Deckzentrum auf Stroh

Bis vor vier Jahren hat die Familie den Sauenstall im 2-Wochenrhythmus betrieben. „Wir haben uns für den Wechsel entschieden, um die Arbeitsabläufe zu verschlanken und den Ferkeln eine längere Säugezeit von 28 Tagen zu ermöglichen“, erklärt die Landwirtin. Um die größeren Sauengruppen im 5-Wochenrhythmus unterbringen zu können, haben Kreißigs 2022 ein neues Deckzentrum gebaut. 40 % der Bau­kosten hat der Bund gefördert.

Um bei dem Neubau möglichst flexibel zu bleiben und dennoch die Vor­gaben der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu erfüllen, hat sich die Familie für eine Hallenkons­truktion mit Tiefstreu entschieden. Im Hauptbereich für die älteren Sauen sind an den Seiten insgesamt 46 Selbstfangstände montiert. In der Mitte befindet sich etwas tiefergelegt der Laufbereich mit Stroh. „Wir haben bewusst keine Spalten verlegt. Dadurch könnten wir das Gebäude umnutzen, zum Beispiel als Maschinenhalle“, erläutert die Landwirtin.

Für die Jungsauen gibt es einen ­se­paraten Bereich mit weiteren 23 ­Selbstfangständen und daneben ebenfalls Tiefstreu. „Die jungen Tiere sind ansonsten am stärksten von den ­Rangkämpfen betroffen und tragen häufig Verletzungen davon“, bedauert Kreißig.

Die Sauen fixiert sie nur noch während der Besamung. Ansonsten haben die Tiere Freilauf, auch während der Rausche. Etwa 28 Tage nach dem Besamen werden die Sauen zur Überprüfung der Trächtigkeit gescannt. Erst danach stallt Anneke Kreißig die trächtigen Tiere in den Wartestall um.

„Durch das neue Haltungskonzept im Deckzentrum haben sich die Fundamente der Sauen verbessert“, sagt die Ferkelerzeugerin. Dennoch kommt es während der Rausche manchmal vor, dass die Sauen gegenseitig aufspringen. „Um Verletzungen zu vermeiden, haben wir den Beton hinter den Selbstfangständen aufrauen lassen. Dadurch rutschen die Tiere nicht so leicht aus“, erklärt sie. Dennoch muss die Landwirtin pro Gruppe etwa ein bis zwei verletzte Tiere in Krankenbuchten separieren.

Aus diesem Grund verzichtet sie auch auf das Misten vor dem Neueinstallen der abgesetzten Sauen. Denn die feste Mistmatte sorgt für Trittsicherheit. Das Ausmisten erfolgt stattdessen nach dem Belegen, während die Sauen kurzzeitig in den Selbstfangständen fixiert sind.

Längere Auszeiten möglich

Dank des 5-Wochenrythmus ist es für Anneke Kreißig und ihre Mitarbeiter möglich, auch mal eine längere Auszeit vom Hofalltag zu nehmen. „Drei Wochen Urlaub am Stück sind mit etwas Planung kein Problem“, sagt sie.

Außerdem nimmt sie sich in den arbeitsärmeren Wochen bewusst Zeit, um sich Gedanken über die Weiterentwicklung des Betriebes zu machen. „Das ist wichtig, um nicht in Routinen und Betriebsblindheit zu versinken“, weiß die Agraringenieurin.

Generell plant sie alle Standardtermine wie Sperma-, Jungsauen- und Futterlieferung, Tierarztbesuche sowie die Wochenenddienste penibel vor. „Im Stallbüro hängt ein großer Kalender. Darin trage ich bereits am Anfang des Jahres alle Termine ein. Diesen Plan bekommen dann auch meine Lieferanten und der Viehhändler“, erklärt sie. So können sich alle Beteiligten frühzeitig auf die Arbeiten einstellen. „Im Gegenzug erwarte ich dann aber, dass meine Handelspartner die Termine einhalten“, sagt Kreißig.

Der Rhythmuswechsel zahlt sich auch an anderer Stelle aus. Durch die längere Säugezeit von 28 Tagen sind die Ferkel vitaler und der Abferkelstall wird konsequent im Rein-Raus belegt. Das verbessert die Hygiene und die Tiergesundheit. „Außerdem lohnt es sich bei der Größe von 70 Plätzen eher, das Waschen extern zu vergeben“, lautet ihre Erfahrung.

Durch die größeren Sauengruppen kann Kreißig ihren beiden festen Mästern größere Ferkelpartien anbieten und die Transportabläufe optimieren. Alle fünf Wochen setzt sie knapp 900 Ferkel ab. „Diese Anzahl Ferkel passt genau auf einen Viehtransporter. Dadurch rentiert es sich, den Transport in den 50 km entfernten Aufzuchtstall an einen Viehhändler zu übertragen“, erklärt sie. Genauso kann sie die Schlachtsauen in größeren Gruppen vermarkten und erhält dadurch bessere Konditionen.

Auslastung nicht optimal

Der 5-Wochenrhythmus hat jedoch auch Nachteile. Durch die großen Gruppen sind die Stallkapazitäten – vor allem im Abferkelstall – nicht optimal ausgelastet. Das erhöht die Baukosten. „Ebenso ist der Rhythmus durch die ungleichmäßige Arbeitsbelastung für Betriebe mit Vollzeit-Fremdarbeitskräften weniger geeignet“, weiß sie.

Darüber hinaus ist die Betriebsleiterin bei der Eingliederung von Jungsauen auf Hormone angewiesen. „Wir besamen nur alle fünf Wochen. Das passt nicht zum natürlichen 21 Tage-Zyklus der Sauen“, bedauert sie. Auch Umrauscher kann Kreißig erst nach sechs Wochen wieder in die nächste Besamungsgruppe integrieren. Dadurch benötigt sie viele Umtriebsplätze und die Leistung der Sauen sinkt. „Häufig tendiere ich daher dazu, umrauschende Sauen direkt zu verkaufen, anstatt sie nochmal zu Belegen“, erklärt sie.

Auch im Abferkelstall leidet die Aufzuchtleistung teilweise unter dem Rhythmus. Weil Kreißigs die Sauen manuell füttern, bekommen sie während der Laktation nur zwei Mahlzeiten – morgens und mittags. „Würden wir ­öfter füttern, könnten die Sauen vermutlich mehr energiereiches Laktationsfutter aufnehmen und höhere Aufzuchtleistungen erreichen“, gibt Kreißig zu Bedenken. Im Schnitt setzt die Landwirtin 30,9 Ferkel pro Sau und Jahr ab. „Damit gehören wir zwar nicht zu den Spitzenbetrieben. Der geringere Arbeitsaufwand macht den Leistungsnachteil aber wieder wett“, lautet ihr Fazit.

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