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Tierschutzbund: „Die Regierung nimmt ASP nicht ernst!“

Laut dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbunds hätte die Regierung die ASP-Katastrophe verhindern können. Er zieht den Vergleich zu Corona. Hauptproblem sei auch das Haltungssystem.

Lesezeit: 3 Minuten

Nach dem ersten ASP-Fall in einem Haustierbestand in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds die Regierung scharf. In seinem Statement bezeichnet er die ASP-Vorgänge als „Katastrophe mit Ansage“ und fordert mehr Geld für die Impfstoffentwicklung. Bei Corona habe das auch schnell gewirkt, sagt er. Zum Schluss sieht er dann auch noch das Haltungssystem in Deutschland als Grund für die ASP-Probleme in Deutschland. Steile Thesen und Grund genug bei Thomas Schröder mal nachzuhaken:

Sie kritisieren die ASP-Bekämpfung der Regierung. Was hätte die Regierung aus Ihrer Sicht konkret anders machen müssen?

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Thomas Schröder: Die Regierung hätte die Forschung frühzeitig fördern müssen. Das betrifft sowohl mögliche Impfstoffe, aber auch Untersuchungen zu den tatsächlichen Übertragungswegen bzw. deren Wahrscheinlichkeiten - etwa bzgl. einer Übertragung durch Vögel oder Schadnager. Zur dringenden Notwendigkeit von Hygienemaßnahmen und anderen Schutzmaßnahmen vor einem Eintrag der ASP hätte es eine konsequentere bundesweite Aufklärung aller schweinehaltenden Betriebe geben müssen. Außerdem fehlte es komplett an Konzepten für den tiergerechten Umgang mit Freiland- bzw. Auslaufhaltungen.

Sie sehen die Impfung gegen ASP als langfristige Lösung und ziehen den Vergleich zur Corona-Impfstoffentwicklung. Weltweit gibt es trotz intensiver Forschung keinen ASP-Impfstoff, der die Infektionen zu 100 % verhindert. Wie kommen Sie darauf, dass mehr Forschungsgeld dieses Problem gelöst hätte?

Schröder: Ein 100%iger Schutz kann in der Veterinärmedizin, genau wie in der Humanmedizin, üblicherweise nicht gewährleistet werden. Und natürlich hat man auch beim Einsatz von mehr Forschungsgeldern keine Garantie, dass ein sicherer Impfstoff gefunden wird. Nichtsdestotrotz spielt die Höhe der finanziellen Mittel aber eine Rolle, wenn es um Schnelligkeit und Effizienz in der Forschung geht. Für uns steht an erster Stelle, dass alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um Tierleid durch die Afrikanische Schweinepest zu verhindern – egal, ob es dabei um die Erkrankung selbst und die Konsequenzen geht oder um Auswirkungen zum Beispiel der Aufstallung.

Eine Impfung hätte massive wirtschaftliche Nachteile, weil das Fleisch von geimpften Tieren nicht frei gehandelt werden kann? Wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Schröder: Unsere Aufgabe als Tierschützer ist es, gegen Tierleid vorzugehen und Tierschutzprobleme zu lösen. Die Tatsache allein, dass eine Impfung der Tiere sich negativ auf den Handel auswirken wird, darf da nicht maßgeblich sein. Aus unserer Sicht muss die Branche weg von den Abhängigkeiten des Exports, durch dessen Wegfall Schweinehalter zusätzlich in die Schieflage geraten.

In Ihrer Kritik erwähnen Sie mit keinem Wort die wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Schweinehalter. Sind ihnen die Schicksale der Betriebsleiter egal?

Schröder: In der Kommentierung zu den Entwicklungen in Mecklenburg-Vorpommern habe ich sehr wohl erwähnt, dass die ASP und ihre Auswirkungen auch eine Katastrophe für die Tierhalter sind. Wir sehen natürlich, dass die aktuelle Situation auch für sie extrem belastend ist.

Sie sagen „Die ASP ist ein weiterer Beleg für ein Haltungssystem, das durch politisches Nichthandeln vor die Wand gefahren wurde.“ Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen der Ausbreitung der ASP und dem Haltungssystem?

Schröder: In der landwirtschaftlichen Tierhaltung werden kleine Betriebe zunehmend durch Groß- und Megabetriebe mit hohen Tierbeständen verdrängt. Wenn die ASP in einen großen Tierbestand eingeschleppt wird, bedeutet das automatisch auch den Tod für sehr viele Tiere. Die direkten Auswirkungen sind dann einfach noch viel schwerwiegender. Für uns nur einer von vielen Gründen, kleinere Betriebe mit geringeren Tierbeständen zu fördern bzw. das derzeit vorherrschende System zu kritisieren.

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