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Erntedrama: Getreideernte im Regen - Retten, was zu retten ist

Sollten Sie ab Mitte der Woche dreschen wollen, drohen hohe Reparaturen mit Stillstandszeiten. Auch die Trocknungskosten sind extrem hoch. Bei 20 % Feuchte legen Sie etwa 38 €/t hin, bei 17 % 20€/t.

Lesezeit: 6 Minuten

Unsere Autoren: Andrea Feiffer und Franz Klüßendorf von feiffer consult

Nach der anhaltenden Trockenheit und Hitze folgte eine Zwangspause durch Niederschläge. Die Ernte 2023 droht zu einer der teuersten Ernten zu werden mit hohen Preisen für Dünger und Arbeitskräften, mit jetzt sinkenden Qualitäten und Preisverfall und hohen Energiekosten. Die Landwirte sind hochnervös. Was kann man jetzt noch retten?

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Keine Materialschlachten

Im Moment sind die Bestände noch klatschnaß und gehen, auch wenn man wollte, nicht durch den Mähdrescher. Die Trocknungskosten sind bei den jetzigen Energiepreisen zu hoch. Im Moment rechnet der Wetterdienst noch mit Niederschlägen bis Mitte der Woche.

Wenn man den Wetterdaten trauen kann, schließen sich daran trockene Tage mit höheren Temperaturen an. Durch den verlangsamten Jetstream halten Wetterlagen länger an, so dass ein Umschwung zu einer längeren guten Erntephase möglich erscheint.

Aber die Landwirte sind nervös und wollen los. Wenn der Gutwettertrend anhält, lohnt sich eine Materialschlacht mit hohen Erntefeuchten nicht. Reparaturen mit Stillstandszeiten fallen dann in die bessere Erntezeit, die Schäden der Bodenstruktur dauern lange an. Die Trocknungskosten sind bei den derzeitigen Energiepreisen extrem hoch. Würde man mit 20 % beim Handel anliefern, legt man etwa 38 €/t hin, bei 17 % „nur“ noch etwa 20 €/t.

Mehrere 1.000 Liter Wasser werden durch den Mähdrescher gezogen. Bei der natürlichen Trocknung auf dem Halm rechnet man in normalen Jahren mit einem Zwischentag nach ergiebigem Regen. Vorausgesetzt es herrscht keine Windstille und der Tag hat Temperaturen über 20 Grad.

Unter den jetzigen Bedingungen könnte die Wartezeit knapp doppelt so lange betragen, weil bei der Verdunstung die Bodenfeuchte mit aufsteigt. Einen Durum, wo die Fallzahlen noch stimmen, kann man auch mit 18% ernten, weil die Qualitätsabzüge deutlich höher sind.

Erntereihenfolge

Man rettet, was noch zu retten ist, zunächst die Bestände, die noch die Qualitäten haben und stellt die Bestände zurück, die nur noch Futterqualität haben. Dazwischen liegen etwa 40 - 50 €/t Preisdifferenz. Die frühen Sorten schwächeln in der Fallzahl, die späteren halten noch zum Teil.

Auch bei Lagergetreide kann man eine ähnliche Strategie überlegen. Normalerweise erntet man Lager wenn es knistert, also an den heißen, trockenen Tagen. Lager ernten kostet jedoch mitunter doppelte Zeit und die Gefahr von Stillstand durch Schäden. Diese Zeit lässt sich besser für den Drusch von stehendem Qualitätsgetreide verwenden. Die Keimung wird bei lagerndem Getreide mit Feuchte von oben und unten stark stimuliert, so dass viele Lagerbestände die Fallzahlen nicht mehr erreichen. Und generell gilt, gefährdetes Qualitätsgetreide vor Raps dreschen.

Technologie entscheidet

In Extremjahren ist die Organisation der Ernte und das Zeitmanagement besonders wichtig. In jeder nutzbaren Stunde muss das Dreschwerk laufen, Stillstandszeiten müssen minimiert werden.

Hilfe vereinbaren: Nach so einer langen Regenphase hat erst einmal niemand Kapazität übrig. Dennoch lohnt es sich, jetzt nach aushelfender Kapazität zu suchen, so dass man wenigsten in den späteren Sorten die Qualitäten hält.

Abschüttflächen: Nach einer langen Zwangspause dreschen alle, der Handel wird überrannt. Das kann zu langen Rundenzeiten führen. Wer bei sich auf dem Hof abschütten kann, spart viel Zeit und die spätere Wiederaufnahme lohnt sich. Auf einer sauberen Fläche kann auch kurz im Freien zwischengelagert werden. Wenn es auf den Stapel regnet, quellen die oberen Körner auf und bilden eine Art Dach. Die zusätzliche Befeuchtung der oberen Schicht geht beim Aufladen und Durchmischen wieder unter. Wer selbst einlagern und trocknen kann, ist klar im Vorteil.

Hochschnitt: Wenn man das Schneidwerk aus den unteren 20 bis 25 cm heraushält, ist der Mähdrescher leistungsfähiger und man kann vormittags eher anfangen und abends länger dreschen. Die Abscheidung ist höher, die Verluste geringer, die Wiederbefeuchtung ist geringer. Anschließend muss jedoch gemulcht werden. Man kann im Hochschnitt beginnen und dann das Schneidwerk entsprechend der zunehmenden Abtrocknung bei Wetterbesserung wieder absenken.

Abfuhrlogistik: Nicht jeder arbeitet mit paralleler Kornübergabe beim Abbunkern. Das bringt jedoch nochmal richtig Leistungszuwachs von etwa 20%. Hänger irgendwo am Feldrand zu postieren kann man sich nur in Erntejahren wie 2022 erlauben. Muss der Mähdrescher längere Strecken zum Hänger zurücklegen, fehlen ihm schon 35% Leistung. Wann immer es die Bodenverhältnisse zulassen, sollte parallel überladen werden.

Fit für die Rallye: Bereiten Sie den Erntestart nach der Regenphase gut vor. Reparaturen, wenn es losgeht, kann keiner gebrauchen. Steht alles parat, weiß jeder Bescheid? Den Mähdrescher am besten noch einmal durchsehen und überprüfen, ob alle Abstände, Toleranzen und Maße stimmen. Die am Monitor angezeigten Werte müssen mit den tatsächlichen Einstellpositionen übereinstimmen, sonst geht jede Einstellung schief.

Ist der Korbein- und –Auslauf in der richtigen Grundposition und in paralleler Stellung, öffnen die Siebe so, wie es angezeigt wird usw. Sind die Häckslermesser scharf, sind die Mähklingen und Finger einwandfrei, sind die Ährenheber intakt und in Flucht (Ährenspitzen 1,5 cm vom Boden entfernt), bei Lager zahlt sich jede Investition am Schneidwerk aus.

Verlustvorgabe: Wer mehr Leistung braucht, kann bei den Druschverlusten zulegen und statt 0,5 auch 1,5% zulassen. Besser 2,5 €/t mehr in Verlust investiert, wenn man dadurch 50 €/t Qualität retten kann. 1,5% Verlust liegen etwa 80 Körner in der Prüfschale, bzw. 280 Verlustkörner auf dem Quadratmeter (75 dt/ha Ertrag, TKG 45g), danach wird es natürlich grün. Darauf muss das Auge vorbereitet sein.

Mähdreschereinstellung: Höhere Feuchten verlangen intensivere Mähdreschereinstellungen beim Dreschwerk und bei der Reinigung, jedenfalls in den ersten Tagen. Wer die App Feiffer Combine nutzt, kann bei den unter

Feucht“ angezeigten Einstellwerten durchaus noch 15 % drauflegen. Also Trommel/Rotordrehzahlen höher, Siebweiten größer, den Korb nicht zu eng, so dass nicht zu viel Feuchtigkeit aus dem Stroh gepresst wird und das Korn im Dreschwerk wieder befeuchtet.

Gibt es eine längere Gutwetterphase, trocknen die Bestände gut durch und werden mürbe. Das kann relativ schnell gehen und man bekommt ein Kurzstrohproblem. Dann geht man genau andersherum vor und stellt den Mähdrescher sanfter ein. Das entlastet die Siebe und Schüttler bzw. Rotoren.

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