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„Hafer ist mehr als ein Hype“

Skandinavischer Hafer liefert die besten Qualitäten. Warum dennoch die Nachfrage nach deutscher Ware steigt, hat uns Dr. Christian von Boetticher, Geschäftsführer bei Peter Kölln, erläutert.

Lesezeit: 4 Minuten

Wie schätzen Sie den aktuellen Hype um Hafer als Lebensmittel ein? Was zeichnet Hafer aus ernährungsphysiologischer Sicht aus?

von Boetticher: Bei Kölln versuchen wir immer, zwischen Trends und Hypes zu unterscheiden. Hypes sind für uns Wellenbewegungen mit einem kurzfristigen Peak in der Nachfrage, die meist durch mediale Unterfütterung in der Bevölkerung gestreut werden.

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Trends hingegen sind langfristige Entwicklungen, die sich nicht so schnell wieder umkehren. Ich würde Hafer daher nicht als Hype, sondern als ein Trend bezeichnen. Von einer bewussteren Ernährung getrieben, nehmen wir ihn seit etwa zehn Jahren wahr.

Allerdings war das nicht immer so: War Hafer nach dem Krieg noch eines der wichtigsten Nahrungsmittel, ist er in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts immer mehr in Vergessenheit geraten, da es auf den internationalen Märkten eine Vielzahl an Alternativen gab. Aus ernährungsphysiologischer Sicht gilt Hafer als cholesterinsenkend und reich an wertvollen Vitaminen. Zahlreiche Studien sprechen dem Hafer eine gesundheitsfördernde Wirkung zu.

Was sind die größten Hafer-Produktgruppen? Wie viele Tonnen verarbeitet Kölln jährlich?

von Boetticher: Die größte Produktgruppe ist sicherlich die Haferflocke an sich in ihren verschiedensten Formen, z.B. kernig oder blütenzart. Als zweite große Gruppe ist die Müslisparte zu nennen. Wir bei Peter Kölln verarbeiten jährlich über 70000 t. Der Großteil dieser Menge ist konventionell angebauter Hafer, wobei man sagen muss, dass der prozentuale Zuwachs bei den ökologischen Produkten aktuell höher ist.

Welche Rolle spielen deutsche Anbauer als Lieferanten? Welche Länder gehören zu den Hauptlieferanten?

von Boetticher: In der Vergangenheit waren Finnland und Schweden unsere wichtigsten Lieferanten. Aufgrund der Witterung, den geeigneten Böden und der enormen Expertise der Anbauer in diesen Ländern konnten wir in der Regel auf vergleichsweise gute Qualitäten zurückgreifen. Das war in der Zeit, in der in Deutschland auf den guten Böden Weizen angebaut wurde und der Ruf nach vielfältigen Fruchtfolgen noch nicht so groß war. Da Regionalität für uns aber immer wichtiger wird, beziehen wir bereits heute 50% unseres konventionellen Hafers aus Deutschland. Beim ökologisch angebauten Hafer sind es sogar 100%. Für mich gehören Bio und Regionalität untrennbar zusammen.

Sie organisieren den Rohstoffbezug über Vertragsanbauer. Wie ist hier die aktuelle Versorgungslage – hat Peter Kölln Interesse an weiteren Anbauern?

von Boetticher: Das ist richtig. Wir arbeiten zunehmend mit Vertragsanbauern zusammen. Durch langjährige Partnerschaften bietet dieser Ansatz die Möglichkeit, Preisschwankungen am Weltmarkt abzumildern. Im Vertragsanbau können wir mit entsprechenden Werten die Preisgestaltung modellieren und für beide Seiten das Risiko minimieren. Dennoch ist der überwiegende Teil der gesamten Hafermenge auf dem freien Markt zu beschaffen. Die aktuelle Situation stellt sich so dar, dass wir durchaus an weiteren Vertragsanbauern interessiert sind – am liebsten natürlich aus unserer Region.

Was heißt für Sie Regionalität?

von Boetticher: Tatsächlich beziehen wir einen überwiegenden Teil aus Schleswig-Holstein, was auch unserer Philosophie entspricht: „So regional wie möglich.” Vorsichtig gesprochen bedeutet für uns regional aber Norddeutschland. Wenn wir gute Qualitäten aus Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern bekommen können, haben wir genauso Interesse.

Was raten Sie Landwirten, die mit dem Gedanken spielen, Hafer anzubauen, um ihn an Kölln zu liefern. Welche Qualitätsparameter fordern Sie?

von Boetticher: Als Erstes muss sich jeder Landwirt im Klaren über unsere Anforderungen sein und sich selbst die Frage stellen, ob er diese erfüllen kann. Als Mindestliefermenge fordern wir 350 t. Hier sind natürlich auch Zusammenschlüsse mit Berufskollegen denkbar. Das Hektolitergewicht muss mindestens 54 kg erreichen und die Feuchte darf 13% nicht überschreiten. Diese Anforderungen sind insbesondere zur Effizienz in der Verarbeitung erforderlich.

Wie intensiv betreuen Sie die Vertragslandwirte im Anbau?

von Boetticher: Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben Anbauer, die sehr viel Erfahrung haben und hinsichtlich Sortenwahl und Bestandsführung keine Unterstützung brauchen. Steigt jemand neu in den Haferanbau ein, kann derjenige durchaus Fragen zum Anbau haben. In diesem Fall unterstützen unsere Anbauexperten so gut es geht, um am Ende die geforderten Qualitäten zu erreichen.

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