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Tragfähiges Konzept nötig

Landvolk: Beim Thema Moornutzung fehlen Mut und Ideen

Eine flächendeckende Moorwiedervernässung und eine produktive Landwirtschaft schließen sich gegenseitig aus. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft das ökonomische Rückgrat der moorreichen Regionen.

Lesezeit: 3 Minuten

Für den Bauernverband aus Niedersachsen ist es unbestritten, dass entwässerte Moore zum Klimawandel beitragen. Eine weitgehende Wasserstandsanhebung sowie ein Wassermanagement, dort wo es möglich ist, sind zum Erreichen der Klimaziele unumgänglich, wissen auch die Landwirte.

„Wir wollen bei den Anpassungen im Moor mithelfen. Aktuell fehlt es jedoch der Politik trotz der angekündigten Landesmoorgesellschaft immer noch an Mut und Ideen, wie eine zukunftsfähige Landwirtschaft auf den Moorstandorten entwickelt werden kann“, bemängelt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Grünlandausschusses im Landvolk Niedersachsen und Milchviehhalter aus der Wesermarsch.

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Moorumbruch war lange staatlich gefördert und erwünscht

In Niedersachsen bestehen knapp 13 % der Landesfläche, insgesamt 5.971 Quadratkilometer, aus Moorböden. Schon im 18. Jahrhundert wurde die Urbarmachung dieser unwirtlichen Flächen staatlich gefördert. Mit dem Emslandplan investierte die Bundesregierung seinerzeit 2 Mrd. D-Mark, um zusätzliche landwirtschaftliche Flächen für die Ernährung der hungernden Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg zu gewinnen. Rund 17.000 ha Moorland wurden damals durch das staatliche Programm entwässert.

Heute weiß man, dass in Mooren über lange Zeiträume große Mengen an Kohlenstoff in den Boden eingebunden werden. Die Reste abgestorbener Pflanzen verwandeln sich unter der Wasseroberfläche langsam zu Torf, in dem der Kohlenstoff gespeichert bleibt. Entwässerte Moore dagegen verursachen in Niedersachsen rund 18 % der Treibhausgasemissionen. Durch Entwässerung beginnt eine Zersetzung des Torfes, bei der Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt wird.

Emissionen aus Mooren müssen 5 % runter

2021 hat die Bundesregierung das Bundesklimaschutzgesetz novelliert und erstmals konkrete Ziele für den Klimaschutzbeitrag der Landökosysteme festgelegt. Die Nationale Moorschutzstrategie sieht eine jährliche Reduzierung der Emissionen durch entwässerte Moore bis zum Jahr 2030 um 5 Mio. t CO2-Äquivalente (CO2-Äq). vor.

Zudem hat die Bundesregierung im März 2023 das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) beschlossen. Dies zielt darauf ab, die Biodiversität zu erhalten und gleichzeitig die Klimaschutzwirkung von Ökosystemen zu stärken. Niedersachsen hat im aktuellen Entwurf zur Novellierung des Niedersächsischen Klimaschutzgesetzes eine Minderung der jährlichen Treibhausgasemissionen aus organischen Böden bis zum Jahr 2030 um 1,65 Mio. t CO2-Äq. vorgesehen.

Familien haben ihr Zuhause auf alten Moorstandorten

Die Landwirtschaft ist von diesen Plänen besonders betroffen, denn in Niedersachsen sind 27 % dieser Flächen Äcker und 54 % Grünland. Gleichzeitig befinden sich auch viele Siedlungen auf den ehemaligen Moorflächen, Familien haben ihr zu Hause dort gebaut. Doch eine flächendeckende Wiedervernässung und eine produktive Landwirtschaft in der heutigen Form schließen sich gegenseitig aus. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft das ökonomische Rückgrat der moorreichen Regionen. „Mehr als 30.000 Arbeitsplätze drohen wegzufallen“, sagt Padeken.

Wie die ambitionierten Klimaziele des Bundes und des Landes Niedersachsen erreicht werden sollen, ist aktuell immer noch unklar: „Noch gibt es keine konkreten Pläne oder langfristigen Maßnahmen, mit denen die Ziele erreichbar wären. Die Politik setzt auf Freiwilligkeit, doch es fehlt bislang an attraktiven Förderangeboten“, erläutert der Landwirt. Zudem mangele es aktuell an wirtschaftlichen Alternativen zur Grünland- und Ackernutzung.

Nach Alternativen forschen

Unser Nachbarland Niederlande konzentriert sich aktuell darauf, neue technische Möglichkeiten zu erforschen, um Moore teilweise wiederzuvernässen und gleichzeitig Milchviehwirtschaft zu ermöglichen. In Niedersachsen wird ein ähnlicher Ansatz in einem Pilotprojekt im Gnarrenburger Moor verfolgt. Jedoch wäre nach Ansicht von Dr. Padeken noch viel mehr Forschung und staatliche Unterstützung notwendig, um schnell wirtschaftlich tragfähige Alternativen für die Zukunft der Landwirtschaft auf Moorstandorten zu entwickeln und umzusetzen.

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