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Bauernverband ärgert sich

Nährstoffbericht Niedersachsen: Landwirte müssen sich weiter anstrengen

Große Fortschritte bei der Reduktion der Düngung beweist der neue Nährstoffbericht Niedersachsen. Doch statt die Bauern zu loben gibt es weiter Kritik vonseiten der Politik.

Lesezeit: 5 Minuten

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte hat am Montag den neuen Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer für den Zeitraum 1. Juli 2022 bis 30. Juni 2023 vorgestellt. Dieser zeigt klar, dass sich der positive Trend bei der Stickstoffreduktion auf den Agrarflächen fortsetzt. Für Staudte ist der Weg erfreulich, allerdings reichen die Anstrengungen ihrer Ansicht nach noch nicht.

In dem Bericht werden die Ergebnisse des Nährstoffanfalls aus der Tierhaltung und den Biogasanlagen sowie der Mineraldüngung dem in der Düngeverordnung angesetzten Düngebedarf der Pflanzen gegenübergestellt und bewertet. Die wichtigsten Ergebnisse:

Das Stickstoff-Düngesaldo (N-Saldo) auf Landesebene hat sich mit minus 50.461 t Stickstoff (im Vergleich vom Vorjahr: minus 16.219 t N) so weit verringert, dass die rechtlich zulässige Düngung auf Landesebene auch dieses Mal eingehalten bzw. nicht mehr voll ausgeschöpft wird.

Zur Erläuterung

Der Stickstoff-Düngesaldo ist ein Wert, für den der berechnete Bedarf und die tatsächliche Düngung gegenübergestellt werden. In vier Landkreisen (Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Vechta) liegt jedoch noch eine rechnerische Überschreitung des Düngebedarfs gemäß der Düngeverordnung vor, die sich in der Summe auf rund 4.390 t Stickstoff (im Vorjahr: neun Landkreise mit 14.970 t Stickstoff) beläuft und die es weiter abzubauen gilt. Diese Kreise müssen daher verstärkt Nährstoffe abgeben. Der Wert bezieht sich auf alle Stickstoff-Dünger inklusive Mineraldünger.

  • Nur noch ein Landkreis übersteigt im Durchschnitt rechnerisch die in der Düngeverordnung des Bundes festgelegte 170 kg N-Obergrenze der Stickstoffaufbringung aus organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln (Wirtschaftsdünger): der Landkreis Cloppenburg (189 kg N/ha).

  • Der Dung- und Gärrestanfall aus der Tierhaltung und den Biogasanlagen ist erneut gesunken: Er beläuft sich im Berichtszeitraum 2022/23 auf 53,1 Mio. t und liegt damit 0,9 Mio. t unter der Menge des Vorjahres. Dies entspricht einer Minderung um 1,7 %.

  • Mehr Wirtschaftsdünger in Biogasanlagen: Der Substratinput von Wirtschaftsdüngern zur energetischen Nutzung in die Biogasanlagen hat sich weiter erhöht und erreicht mit 9,1 Mio. t Festmist (im Vorjahr: 8,7) einen neuen Höchstwert.

  • Der Absatz von Mineraldünger ist nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes um rund 24.000 t Stickstoff im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich gesunken – auf einen historischen Tiefststand von rund 142.000 t N-Mineraldüngerabsatz in Niedersachsen.

    Der Rückgang unterlag in den Jahren 2016/17 bis zum aktuellen Jahr verschiedentlichen Einflüssen. Hierzu zählen die Novellierung der Düngeverordnung im Jahr 2017 (mit einer stringenten Regelung des Düngebedarfs), witterungsbedingte Einflüsse (Dürre), die Einführung elektronischer Nährstoffmeldungen in Niedersachsen und stark ansteigende Mineraldüngerpreise (insbesondere im Frühjahr 2022).

  • Die Auswertung für Phosphat hat ergeben: In fünf Landkreisen (in den Landkreisen Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg, Vechta) und der kreisfreien Stadt Delmenhorst ergibt sich ein rechnerischer Überschuss der Phosphat-Aufbringung (Düngung über Bedarf) von insgesamt rund 4.058 t Phosphat (Reduktionsbedarf). Im Vorjahresbericht waren es noch 18 Landkreise.

    Der landesweite Phosphatdüngesaldo (ermittelter Bedarf vs. Düngung) beträgt minus 26.099 Tonnen Phosphat bzw. minus 10 kg Phosphat je Hektar. Dies bedeutet, dass auf Landesebene insgesamt 26.099 t Phosphat unterhalb des rechnerischen P-Bedarfs gedüngt wird. Allerdings: Im aktuellen 11. Nährstoffbericht konnte auf Basis von in ENNI gemeldeten Daten erstmals ein Phosphatdüngebedarf unter Berücksichtigung der Bodenversorgung berechnet werden. Die Werte sind also nicht ganz mit den Werten des Vorjahres vergleichbar.

  • In Bezug auf die Nährstoffbelastung in den Grund- und Oberflächengewässern kann ein positiver Trend bisher noch nicht an allen Messstellen verzeichnet werden. Bei einer Minderzahl der Grundwassermessstellen gibt es sogar signifikant steigende Werte. Einen guten ökologischen Zustand beziehungsweise das gute ökologische Potential erreichen derzeit nur 3 % der Oberflächenwasserkörper. Eine Ursache der Zielverfehlung sind – neben weiteren Belastungen – die nahezu flächendeckenden Einträge von Nährstoffen.

Bei Gewässern positiver Trend noch nicht erkennbar

Für Ministerin Staudte steht damit fest, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht, um die noch vorhandenen Nährstoffüberschüsse und daraus entstehende Gewässerbelastungen abzubauen. "Bezüglich der Nährstoffbelastung in den Grund- und Oberflächengewässern kann ein positiver Trend leider noch nicht flächendeckend verzeichnet werden – bei einer Minderzahl der Messstellen gibt es sogar signifikant steigende Werte. Das Ziel, die Vorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie und EU-Nitratrichtlinie einzuhalten, müssen wir weiterhin fest im Blick behalten. Die Maßnahmen und Anstrengungen müssen daher unvermindert fortgesetzt werden – auch wenn Niedersachsen auf dem richtigen Weg ist“, sagte sie.

Landwirte setzen Dünger gezielter ein

Positiver sieht es Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: „Die jüngsten Ergebnisse des Nährstoffberichts, insbesondere der weitere Rückgang des Mineraldünger-Einsatzes, dokumentieren den positiven Erkenntnisgewinn in den Betrieben. Organischer Dünger kommt für die Pflanzenernährung immer effektiver zur Anwendung."

Seiner Meinung nach erfüllen die Landwirte eine grundlegende Anforderung aus der Düngeverordnung, nämlich mit einer an den Bedarf der Pflanzen orientierten Düngung mögliche Einträge in das Grundwasser zu vermeiden – und das nahezu flächendeckend auf Kreisebene.

Landvolk: "Landwirte haben die Ziele längst erreicht"

Dem Bauernverband ist die Bewertung dagegen viel zu genativ: Dabei sei doch klar zu erkennen, dass die Düngeverordnung von 2017 sowie ihre Verschärfung im Jahr 2020 deutliche Wirkung zeigen. „Nahezu überall in Niedersachsen hat sich das Stickstoff-Düngesaldo enorm verringert. Der Einsatz von mineralischem Dünger wurde mit minus 56 % um weit mehr als die von der EU-Kommission geforderten minus 20 % gesenkt, die Stickstoff-Bilanzüberschüsse gar um minus 90 %; gefordert sind minus 50 % bis 2030", sagt Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies.

Seiner Meinung nach haben die Landwirte ihre Hausaufgaben bereits erledigt; die Zielvorgaben der Farm to Fork-Strategie für 2030 seien deutlich übererfüllt. "In den sogenannten ‚Roten Gebieten‘ ist die Grenze des Machbaren bereits überschritten. Hier muss 20 % unterhalb des Bedarfs der Pflanze gedüngt werden, dies führt inzwischen vielerorts zu spürbaren Qualitätsverschlechterungen und zu Ertragsrückgängen“, erklärte Hennies.

Deutlicher Bürokratieabbau beim Düngerecht notwendig

„Trotzdem soll in Deutschland mit der Stoffstrombilanz eine weitere Bürokratie- und Doppelregulierungsebene eingeführt werden“, bemängelte Hennies den Aktionismus der Politik. Er forderte eine deutliche Verschlankung des aktuellen Düngerechts mit eindeutigen Zielvorgaben für die Betriebe und viel weniger überzogenen Handlungs- und Dokumentationsvorschriften, damit Landwirte ihren eigentlichen Aufgaben nachgehen können, anstatt im Büro zu sitzen.

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