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topplus Gasnetzbetreiber Bayernwerk

Die Nachfrage nach Gaseinspeisung von Biomethan wächst

Ein bayerischer Gasnetzbetreiber beschreibt die massiven Veränderungen, die der Ukrainekrieg bei der Gasbeschaffung verursacht hat. Plötzlich spielt Biomethan wieder eine große Rolle.

Lesezeit: 4 Minuten

Mit 2700 Anlagen ist Bayern das Bundesland einer der höchsten Biogasanlagenzahl. Noch erzeugen die meisten Anlagen Strom und Wärme mittels Blockheizkraftwerk. „Aber die Umstellung auf Biomethan ist in vollem Gang“, erklärte Christoph Niedermeier, Leiter Gas Netzbewirtschaftung der Bayernwerk Netz GmbH. An dessen Kundencenter in Schwandorf war die erste Station der Leserreise von top agrar und Farm-Tours zu erneuerbaren Energien in Bayern.

Neustart nach Gaskrise

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Niedermeier gibt zu, dass er das Thema Biomethan im Jahr 2021 schon fast für erledigt erklärt hatte. „Wir hatten einen Rekordabsatz von Erdgas und gingen ursprünglich von weiter steigenden Tendenzen im Netzdurchsatz aus. Neue Biogasanlagen mit Gaseinspeisung waren dagegen kaum in Sicht, da die Letztverbraucher Erdgas sehr günstig kaufen konnten“, sagt er. Der Ukrainekrieg hat dagegen alles verändert. Der Absatz von Erdgas ist um ca. 20 % zurückgegangen. „Die Letztverbraucher und vor allem die Industriekunden waren aufgrund der Gaspreisentwicklung sowie durch die drohende Gasmangellage gezwungen, Energie einzusparen“, sagt er.

Seit Mitte 2022 gibt es inzwischen 20 Einspeiseanfragen von Biogasanlagen, die von der Stromproduktion auf die Gaseinspeisung umstellen wollen. „Viele sehen nach 20 Jahren EEG die Zukunft eher eine Lösung in der Biomethanproduktion“, sagt Niedermeier. Er begrüßt diesen Schritt: „Biomethan kann zum Heizen oder für industrielle Prozesse genutzt, ohne die bestehende Gasinfrastruktur zu verändern. Zudem ist das Gasnetz ein großer Energiespeicher, um in Dunkelflauten das Gesamtenergiesystem zu stabilisieren sowie die Stromnetze durch den massiven Ausbau an PV- und Windenergie zu entlasten.“

Warum Landwirte umstellen

Zu den Umstiegswiligen gehört Wolfgang Kleber aus Eslarn im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Seine Anlage mit 800 kW Bemessungsleistung läuft im Jahr 2026 aus dem EEG. „Wir haben auf 2,1 MW flexibilisiert. Aber ich sehe in der flexiblen Stromproduktion keine Zukunft, der Start-Stopp-Betrieb ist für die Motoren auf Dauer schädlich“, ist er überzeugt. Er will das Biomethan in den Kraftstoffmarkt verkaufen, weil er darin mit dem Zusatzerlös über den Verkauf von Treibhausgasminderungsquoten eine sehr hohe Wertschöpfung erwartet. „Ein Problem sind im Moment noch die Verträge mit den Gashändlern, die nach Aussage von Juristen eher zum Nachteil für uns Gasproduzenten wären“, sagt er.

„Wir stellen in Kundenanfragen vermehrt fest, dass es in der Industrie Überlegungen gibt, die LKW-Flotte von Diesel Richtung Bio-CNG umzustellen“, ergänzt Niedermeier.

Der Grüngasring

Ein erfolgreiches Beispiel der Bayernwerk Netz, um die Abhängigkeit von Erdgas zu senken, ist das Gasverteilnetz Naabtaler Grüngasring in Schwandorf. Im Schwandorfer Verbund kann das Bayernwerk stündlich bis zu 35 Megawatt (MW) regional erzeugtes Biomethan in das eigene Gasnetz einspeisen. „Diese Menge genügt, um rechnerisch mehr als 21.000 Haushaltskunden zu versorgen“, sagt Niedermeier. Inklusive der Industriekunden sind derzeit 11.500 Verbraucher am Ring Schwandorf angeschlossen. Die drei Biomethananlagen Eich, Schwandorf und Schwarzenfeld tragen rund 35 % zum Gesamtenergiebedarf des Versorgungsrings bei. Diese Energiemenge muss nicht als Erdgas importiert werden und senkt gleichzeitig den CO2-Ausstoß, da entsprechend weniger fossiles Erdgas verbrannt wird

Keine Konditionierung mehr

Ein weiterer Vorteil: Künftig wird dem Biomethan im Grüngasring kein Flüssiggas mehr beigemengt. Möglich macht das die SmartSim-Technologie, „die eine exakte Bestimmung der Gasbeschaffenheit und des Brennwerts erlaubt“, erklärt Niedermeier. Unter Einbeziehung sämtlicher digital verfügbarer Daten (Netztopologie, Einspeisedaten, Verbrauchsdaten, Drücke) werden die Abrechnungsbrennwerte rechnerisch bestimmt. Diese Werte werden von Eichämtern und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Analogie zu „gemessenen“ Werten für die Abrechnung anerkannt. „Durch die Einführung von SmartSim und den Verzicht auf Flüssiggas reduzieren wir den CO₂-Ausstoß um 396 t pro Jahr", sagt Niedermeier.

Zusammenfassung von Anlagen

Wegen der steigenden Zahl von Anfragen zur Netzeinspeisung beginnt der Netzbetreiber, die Anlagen vorausschauend in der Netzplanung zu möglichen Einheiten zusammenzufassen, damit sie über Rohgasleitungen miteinander verbunden werden können. „Interessant ist das für Anlagen, die zwei bis drei Kilometer voneinander entfernt sind“, sagt er. Sie könnten dann eine gemeinsame Gasaufbereitung bauen und an einem Netzverknüpfungspunkt einspeisen.

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