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Blühpflanzen für Biogasanlagen: „Wir brauchen einen produktionsintegrierten Ansatz!“

Blühende Biogaspflanzen können Klima-, Arten- und Bodenschutz verbessern. Das zeigen Ergebnisse aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld.

Lesezeit: 5 Minuten

Im Rahmen der Aktionswoche Artenvielfalt des Fachverband Biogas hatte das Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) kürzlich zu einem Presstermin zu „Artenvielfalt und Biogas: Langfristig buntere und artenreichere Felder“ eingeladen.

Bei dem Termin auf der Biogasanlage Grabsleben der GraNott Gas GmbH mit Dr. Burkhard Vogel, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, stellte u.a. Michael Diestel, Geschäftsführer der Agrokraft GmbH aus Bad Neustadt (Bayern), Ergebnisse aus einem großangelegten Blühpflanzenprojekt vor.

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Die Agrokraft ist eine Tochtergesellschaft des Kreisbauernverbandes Rhön-Grabfeld. Wir sprachen mit Diestel und GraNott Gas-Geschäftsführer Thomas Balling über die Potenziale der Blühpflanzen für die Landwirtschaft.

Im Landkreis Rhön-Grabfeld gibt es 120 ha, die mit Blühpflanzen für Biogasanlagen bestellt sind. Welche Vorteile bringt der Anbau aus Ihrer Sicht?

Diestel: Unser Blühpflanzenprojekt gehört zu den wohl am besten untersuchten Biodiversitätsprojekte in Deutschland. Der Veitshöchheimer Hanfmix, der bei uns angebaut wird, ist eine mehrjährige Wildpflanzenmischung, die enorm viele Wildtierarten mit 5.000 bis 7.000 Individuen pro Hektar beherbergt wie Falter, Käfer, Spinnen, Bienen usw.

Das Institut für Biodiversitätsinformation (IFBI) hat schon mehrfach bescheinigt, dass wir mit dem großflächigen Anbau dieser Mischung in Form von vernetzten Trittsteinen das Problem Artensterben schnell in den Griff bekommen würden. Aber es wäre zu kurz gesprungen, wenn wir nur die Artenvielfalt hervorheben würden.

Was genau meinen Sie noch?

Diestel: Es gibt Untersuchungen, dass wir mit dem Anbau auch die Bodenqualität verbessern in puncto Humusaufbau und Wasserdurchlässigkeit. Vor kurzem hatten wir wieder Starkniederschlagsereignisse mit 50 l/m2 in 3 bis 4 Stunden. Während das Wasser auf einem konventionellen Maisacker in unserer Region oberflächlich abläuft, versickert es nachgewiesener Maßen in Böden, auf denen die Blühpflanzen wachsen.

Ich will hier nicht den Zeigerfinger gegen den konventionellen Maisanbau heben. Aber wir gehören in der Region Rhön-Grabfeld zu den trockensten Gebieten in ganz Deutschland und haben mancherorts wegen ausbleibender Niederschläge aride Verhältnisse. Wir müssen alles tun, um die Wasservorräte in den Böden aufzufüllen. Unsere Blühpflanzenmischung sorgt nicht nur für einen lockern, durchlässigen Boden, sondern auch dafür, dass Wind gebremst wird. Damit dient die Mischung auch als Erosionsschutz und hilft der Landwirtschaft allgemein.

Welche Rolle spielt Biogas dabei?

Diestel: Die Biogasanlage ersetzt in Regionen wie unserer, wo die Tierhaltung seit Jahren massiv auf dem Rückzug ist, den Pansen der Kuh. Wir können den Aufwuchs der Blühflächen nur in Biogasanlagen sinnvoll und klimaschonend verwerten. Denn er muss nach der ersten Blüte abgeerntet werden, damit es zu einem weiteren Aufwuchs kommt. Biogasanlagen erzeugen daraus Strom, Wärme oder Biomethan, sodass die Pflanzen auch ein Beitrag für den Klimaschutz sind.

Dazu kommt, dass wir in Extensivregionen wie die Rhön immer häufiger Aufwüchse auf den Grünflächen mit Pflanzen wie Lupinen haben, die man nicht verfüttern kann. Auch sie können sinnvoll in Biogasanlagen verwertet werden.

Welchen Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche können Blühpflanzen Ihrer Meinung nach einnehmen?

Diestel: Das kann man nicht pauschal sagen. Aber ich sehe die Schwarzbrache auf 4 % der Fläche äußerst kritisch, die die EU unserer Landwirtschaft vorschreibt. Eine Schwarz- oder Stoppelbrache ist ein Brandbeschleuniger für Humusabbau und Rückgang der Artenvielfalt. Denn bei unbeschatteten Böden haben wir Temperaturen von 50 bis 70 °C.

Es wäre im Sinne der Gesellschaft, der Landwirtschaft und des Natur- und Klimaschutzes viel sinnvoller, diese 4 % der Flächen mit Blühpflanzen zu bestellen und diese in Biogasanlagen zu verwerten.

Nehmen Sie die Gemarkung Grabsleben: Da gibt es 1.500 ha landwirtschaftliche Fläche. 4 % wären 60 ha. Denkbar wäre auch ein streifenförmiger Anbau auf großen Schlägen wie in Thüringen. Wir starten jetzt ein Projekt mit Geographen der Uni Würzburg, um zu ermitteln, auf welchen Flächen in welchen Regionen der Anbau besonders wirkungsvoll ist.

Was müsste sich ändern, damit der Anbau für die Landwirte attraktiv wird?

Balling: Man muss sich eingestehen, dass der Gasertrag von Blühpflanzen in Biogasanlagen nur 50 bis 60 % von Silomais beträgt. Um die Blühmischung voranzubringen, müssten die Länder eine Förderung auflegen, die 450 bis 500 €/ha und Jahr beträgt – das sind in etwa die Mehrkosten der Mischung im Vergleich zu Mais aus Sicht des Biogasanlagenbetreibers.

Es gibt viele Programme für Bergwiesen und andere benachteiligte Regionen. Wir müssen die Politiker zum Umdenken bewegen. Wir brauchen eine Förderung da, wo sie für die meisten Menschen und Landwirte einen großen Nutzen stiftet.

Diestel: Was sich für uns als Erfolgsfaktor erwiesen hat: Die Landwirtschaft macht nur mit, wenn diese Ökosystemleistung fair vergütet, freiwillig und produktionsintegriert gestaltet ist. Ein Zwang zur Flächenstilllegung passt da aus unserer Sicht überhaupt nicht mehr in die Zeit.

Aus meiner Sicht ist zudem eine Förderung unter Berücksichtigung der Ertragsmesszahlen bzw. der Bodenqualität sinnvoll. Je höher die Bodenqualität, desto höher sollte die Förderung sein, um dem Veitshöchheimer Hanfmix auch in den offenen Agrarlandschaften der Gunstlagen zum Durchbruch zu verhelfen.

Weitere Informationen zu den Blühpflanzen mit Ergebnissen zu Erträgen und Artenvielfalt finden Sie in der Broschüre „BiogasBlühfelder“ der Agrokraft unter diesem Link: agrokraft.de/projekte/biogasbluehfelder

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