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„Der Biomethanmarkt bietet viele Chancen“

Der Anlagen- und Komponentenhersteller agriKomp bietet viele technische Lösungen für Biogasanlagenbetreiber. Aktuell gibt es eine große Nachfrage nach Gasaufbereitungsanlagen.

Lesezeit: 7 Minuten

Seit über 20 Jahren entwickelt der Biogasanlagenhersteller agrikomp aus Merkendorf (Bayern) Lösungen für Landwirte und Biogasanlagenbetreiber: Von der Güllekleinanlage über verschiedene Biogasanlagen-Standardtypen bis hin zur Biomethanproduktionsanlage.

Der Hersteller entwickelt und produziert alle wesentlichen Komponenten wie Einbringtechnik, Paddelrührwerke, Blockheizkraftwerke, Tragluftdächer und auch Gärrestaufbereitungstechnik mit hoher Fertigungstiefe am Standort selbst.

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Ein weiteres Produkt ist die Gasaufbereitung „agriPure“ auf Basis der Hohlfasermembrantechnik „Sepuran“ von Evonik. Diese Technik wird gerade von Altanlagen nach Ablauf der 20-jährigen EEG-Laufzeit, aber auch von größeren Tierhaltungsbetrieben wie z.B. Bullenmästern als Neuanlage installiert, berichtet Philipp Heining, Leiter des agriKomp-Geschäftsfeldes Biomethan, im top agrar-Interview.

Sie bieten als Anlagenhersteller verschiedene Lösungen für Biogasanlagenbetreiber, ob zum Repowering, zur Flexibilisierung oder zur Gasaufbereitung zu Biomethan. Welche aktuellen Trends beobachten Sie?

Heining: Es gibt einige Anlagenbetreiber, die sich auf die Flexibilisierung spezialisiert haben und hier weiter investieren. Doch der Markt wird immer komplexer. Denn wegen der zunehmenden Installation von Wind- und Solaranlagen nimmt die Volatilität im System zu. Biogas liefert hier, neben der bekannten Grundlastfähigkeit, die Batterie und die Biogas-BHKW produzieren nur noch zu wenigen Stunden im Jahr sehr hohe Leistungen. Dies stellt sehr hohe Anforderungen an die Anlagentechnik. Das Erdgasnetz bietet den größten Energiespeicher, über den wir verfügen. Daher steigen immer mehr Betreiber auf die Gaseinspeisung um, weil sie darin große Chancen sehen. Das beobachten wir nicht erst seit dem Ukrainekrieg.

Kritiker meinen, dass der Hype um Biomethan vor allem durch die hohen THG-Quotenpreise ausgelöst wird, diese Blase aber platzen könnte. Wie bewerten Sie das?

Heining: Wer Biomethan erzeugt, und ins Gasnetz einspeist, ist nicht nur auf den Biokraftstoffmarkt festgelegt, sondern hat verschiedene Nutzungspfade bzw. Verwertungsmöglichkeiten. Dazu kommt die Option, dass bei unserer Gasaufbereitung immer auch hochreines CO₂ anfällt, für das es eine starke Nachfrage gibt: Sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch für andere Anwendungen, z.B. als Schutzgas oder als Löschmittel in Feuerlöschern. Eine aktive Dekarbonisierung der Atmosphäre ist ebenfalls technisch möglich (Thema Carbon Capture and Storage).

Des Weiteren lässt sich Wasserstoff, der künftig stärker produziert werden soll, mit dem angefallenen CO₂ zu Biomethan synthetisieren und damit die Gasausbeute in den Anlagen erhöhen. Damit ist auch eine Kopplung mit anderen erneuerbaren Energien möglich. Trotzdem halten wir die THG-Quote für eine neue Währung im Biogasmarkt. Und sind überzeugt, dass ihr Wert künftig steigen wird und muss, um einen Anreiz auf den Umstieg auf alternative Kraftstoffe zu bieten. Ansonsten sind die Klimaziele nicht zu erreichen mit der Folge, dass Deutschland hohe Strafzahlungen an die EU zahlen wird. Noch können wir also zwischen regionaler Wertschöpfung und Strafzahlungen wählen. Gerade bei der Vergärung von Gülle und Mist ist eine hohe THG-Quote gerechtfertigt, da man dadurch ja Methanemission bei Lagerung und Ausbringung vermeidet.

Welche Betriebe steigen auf Biomethan um?

Heining: Getrieben durch die große Nachfrage im Biokraftstoffmarkt sind es vor allem Tierhalter bzw. Biogasanlagen, die Zugriff auf nennenswerte Mengen an Gülle und Mist haben, also z.B. Bullenmäster oder Milchviehhalter. Wir beobachten aber auch, dass größere Bullenmäster jetzt neu eine Biogasanlage errichten und gleich in die Biomethanproduktion einsteigen. Daneben gibt es auch den Trend der kombinierten Produktion: Die Betriebe behalten ein BHKW und installieren zusätzlich eine Gasaufbereitung. Damit können sie je nach Anforderung ein Teil des Gases weiter zu Strom und Wärme umwandeln, den Rest als Biomethan einspeisen.

Für welche Anlagengrößen ist das wirtschaftlich interessant?

Heining: Wir bieten unsere Gasaufbereitung agriPure mit Membrantechnologie ab 135 Norm-m3 Rohbiogas pro Stunde an. Diese Gasmenge produziert eine Anlage mit einer Leistung von umgerechnet 250 kW elektrisch. Eine 500 kW-Anlage hätte die Option, diese Gasmenge zu Biomethan aufzubereiten und gleichzeitig noch ein BHKW zu betreiben. Somit kann die Erweiterung mit einer Biomethananlage auch für kleinere Biogasanlagen sinnvoll und wirtschaftlich sein.

Ist dafür aber nicht sehr viel Platz nötig, um die zusätzliche Technik zu installieren?

Heining: Unsere Aufbereitungstechnik ist in drei separaten Containern untergebracht: Ein Container für Komponenten wie Hauptverdichtertechnik, Frequenzumrichter, Druckluftsysteme, Schaltschrank usw., ein Container für die Membranen und die Messtechnik sowie ein kleiner Container mit Anlagenschaltschrank, Steuerung, Schreibtisch usw. Die Gasreinigung mit Aktivkohle, Rohrbündelwärmetauscher und Vorverdichter werden außerhalb der Container installiert. In der Variante agriPure Cube ist die Anlagentechnik modular erweiterbar. Wichtig für uns ist auch, dass die Technik für Landwirte einfach handhabbar ist und kein Verfahrenstechniker dafür nötig ist. Zu Ihrer Frage: Die Anlagentechnik lässt sich also mit relativ wenig Platzbedarf auf dem Anlagengelände installieren.

Wofür ist der Wärmetauscher nötig?

Heining: Bei der Gasaufbereitung mit Membrantechnologie muss das Rohgas auf einen Druck von 12 bis 13 bar verdichtet werden. Der Druck ist nötig, damit das Gas die Membranmodule durchströmt, die aus tausenden Hohlfasern bestehen. Da das Kohlendioxidmolekül kleiner ist als das Methanmolekül, dringt es schneller durch die Hohlfaser und wird so vom Methan getrennt. Vor allem der Verdichter, aber auch andere Komponenten erzeugen Wärme. Diese kann mit dem Wärmetauscher abgeführt und am besten in einem Wärmepuffer gespeichert werden. Die darin gespeicherte Wärme lässt sich zum Beheizen des Fermenters nutzen. Auf diese Weise können wir einen großen Teil der Energie, die wir in den Verdichter stecken, rückgewinnen.

Reicht das als Fermenterheizung aus?

Heining: Nicht in jedem Fall. Eine weitere Möglichkeit ist ein Gaskessel, der mit Rohgas betrieben wird. Oder ein BHKW, dass alternativ zum Gaskessel zur Strom- und Wärmeversorgung der gesamten Biogasanlage dient. Die Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien wird bei der Biomethanproduktion immer wichtiger.

Inwiefern?

Heining: Zum einen lässt sich damit der CO₂-Fußabdruck des Biomethans erheblich senken. Denn für die Verdichter und andere Komponenten ist ja Strom nötig. Wir rechnen überschlägig mit einem Strombedarf für die gesamte Gasaufbereitung von 0,29 kWh/m3 Rohgas. Diesen kann man z.B. mit Solarstrom viel günstiger und zu gleichbleibendem Niveau herstellen, als wenn man Strom aus dem Netz bezieht. Zudem ist Solarstrom mit 50 g CO₂/kWh nahezu klimaneutral, während man für den Strommix aus dem Netz rund 400 g CO₂/kWh rechnen muss. Es gibt erste Anlagen, die die Biomethanproduktion auf die Zeit verlagern, wenn Solarstrom produziert wird, und nachts das Rohgas speichern oder im BHKW Strom und Wärme erzeugen. Der Strom aus dem BHKW wird dann auch zur Eigenstromversorgung genutzt. Wenn mehr Wärme benötigt wird, können wir zusätzlich noch eine Power-to-Heat-Anlage installieren, die dann mit dem Strom vom BHKW betrieben wird.

Biomethan muss man nicht unbedingt einspeisen, sondern könnte es direkt auf dem Betrieb als CNG in Traktoren, Lkw oder Pkw nutzen. Haben Sie dafür auch eine Lösung in Form einer Hoftankstelle?

Heining: Die direkte Nutzung ist sehr lukrativ, weil sie eine hohe Wertschöpfung ermöglicht. Allerdings erzeugt selbst eine kleine Aufbereitung für 135 m3 Rohgas in der Stunde rund 73 m3 Biomethan. Rechnet man, dass 1 m3 Biomethan etwa 1 l Diesel entsprechen, fallen damit umgerechnet also 73 l Diesel pro Stunde an – viel zu viel für einen oder auch zwei Traktoren. Wer also an eine Hoftankstelle denkt, muss für einen wirtschaftlichen Betrieb und ganzjährigen Absatz weitere Abnehmer finden. Im Bedarfsfall arbeiten wir mit Partner zusammen, die dann eine Hoftankstelle errichten.

Viele Anlagenbetreiber beklagen immer längere Reaktionszeiten beim Service. Bei Störungen oder Wartungsterminen müssen sie oft wochenlang warten, bis ein Techniker kommt. Grund ist der wachsende Personalmangel. Wie begegnen Sie dem?

Heining: Den Fachkräftemangel spüren auch wir. Aktuell sind in der agriKomp Gruppe weltweit ca. 700 Mitarbeiter beschäftigt, davon allein 250 am Stammsitz in Merkendorf. Wir haben mit unserem Schwesterunternehmen der ServiceUnion in Deutschland acht Standorte errichtet, um näher an unseren Kunden zu sein. Wir bieten dabei neben dem BHKW-Service auch Anlagenservice, Laboruntersuchungen, Elektroservice und Dienstleistungen rund um die Biomethanerzeugung an. Natürlich gibt es große Konkurrenz durch die Industrie, die auch Fachkräfte sucht. Daher haben wir eine eigene Ausbildungsabteilung eingerichtet und bilden Fachkräfte selbst aus, von der Bürokraft bis zum Anlagenmechaniker. Durch die Nähe zur Hochschule Triesdorf haben wir auch Kontakt zu Hochschulabsolventen.

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