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Diese Chancen stecken für Landwirte im CO₂-Markt

Die EU-Kommission will einen Rahmen schaffen, wie die CO₂-Speicherung im Boden gemessen werden soll. Simon Göß, Geschäftsführer der carboneer GmbH aus Berlin, erklärt, was es damit auf sich hat.

Lesezeit: 4 Minuten

Die Abscheidung und Speicherung von CO₂ gilt als wichtiges Klimaschutzinstrument. Doch bei der Frage, wie viel CO₂ wirklich im Boden festgelegt oder aus der Atmosphäre entnommen wurde, gibt es viel Unsicherheit. Die EU-Kommission will dafür jetzt einen Rahmen schaffen, wie die CO₂-Mengen gemessen werden sollen.

Simon Göß, Geschäftsführer der carboneer GmbH aus Berlin, erklärt, was es damit auf sich hat.

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Die EU will einen neuen Rahmen schaffen, um CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen. Um was geht es dabei?

Göß: Im Rahmen der Klimaschutzgesetzgebung will die EU bis 2050 klimaneutral sein. Eine Maßnahme, um dieses Ziel zu erreichen, ist die Abscheidung und Speicherung von CO₂ aus verschiedenen Quellen. Dazu gehören industrielle Prozesse genauso dazu wie die direkte Abscheidung von CO₂ aus der Atmosphäre. Für diese Maßnahmen will die EU jetzt einen Rechtsrahmen schaffen für den gesamten Prozess von der Messung, über das Monitoring bis hin zur Zertifizierung. Dieser Rahmen soll Wildwuchs beseitigen und die Glaubwürdigkeit der CO₂-Speicherung und des daran gekoppelten Zertifikatehandels steigern.

Inwieweit ist die Landwirtschaft davon betroffen?

Göß: Neben dem Direct Air Capture, also dem Herausfiltern von CO₂ aus der Luft mit technischen Anlagen, spielt die naturbasierte Speicherung in Bäumen oder in den Böden eine große Rolle – und damit auch die Landwirtschaft.

Welche Konzepte sind hierfür im Gespräch?

Göß: Zum einen ist das die Wiedervernässung von Moorböden, um CO₂-Emissionen zu reduzieren. Daneben ist der Humusaufbau ein wichtiges Instrument. Unterstützt werden kann er durch Pflanzenkohle, die auf der Pyrolyse von Holz basiert. Ziel ist es, dass der gesamte Landsektor bis 2030 netto 310 Mio. t CO₂ aus der Luft nimmt und in Senken speichert. Hierbei ist das Monitoring wichtig, damit gemessen wird, ob das einmal gespeicherte CO₂ auch im Boden bleibt oder wieder freigesetzt wird.

Wie soll die CO₂-Entnahme gemessen werden?

Göß: Hierzu entwickelt eine etwa 50-köpfige Expertengruppe derzeit Standards. Mit einer Kombination aus Modellierung, Satellitendaten und Bodenproben könnte man z.B. den Anstieg des Bodenkohlenstoffs messen. Die Methoden dazu werden von Jahr zu Jahr besser. So kann man z.B. anhand der Bodenfarbe oder der reflektierten elektromagnetischen Strahlung, die mit der Drohne oder Satelliten festgestellt wird, Rückschlüsse auf den Kohlenstoffgehalt ziehen. Das lässt sich dann mittels regelmäßiger Bodenproben näher bestimmen. Am Ende kann man anhand von Standardverfahren abschätzen, wie viel CO₂ gebunden ist.

Sie haben den Zertifikatehandel angesprochen. Was ist da an Vergütung für die Landwirte möglich?

Göß: Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Bislang ist der Zertifikatehandel freiwillig. Dabei setzt ein Projektentwickler eine Maßnahme um wie Aufforstung, Wiedervernässung von Mooren usw. Ein Zertifizierer bescheinigt ihm dann, wie viel t CO₂ gespeichert wurde. Diese Menge kann der Projektentwickler dann an ein Unternehmen verkaufen, das damit seine CO₂-Bilanz besserstellt. Wichtig ist hierbei allerdings, dass alle Maßnahmen, die zur Entnahme von CO₂ führen, zusätzlich zu regulatorischen Verpflichtungen stattfinden müssen und nicht in die Emissionsbilanzen der Staaten fließen dürfen, in denen sie durchgeführt werden. Wie das in der EU funktionieren soll, ist noch nicht klar. Es könnte eine staatliche Förderung z.B. über die GAP-Zahlungen geben oder wie bislang auf freiwilliger Basis. Für Boden-Kohlenstoff-Zertifikate, Carbon Farming oder die Wiedervernässung von Mooren liegt man zwischen 20 bis 150 €/t. Davon müssen auch der Zertifizierer und ein möglicher Zertifikathändler bezahlt werden. Unterm Strich bleiben aber 70 bis 90 % des Zertifikatpreises in der Landwirtschaft. Geht man von den 300 Mio. t aus, die in der Landwirtschaft eingespart werden sollen, könnte sich also ein Markt von 6 bis 45 Mrd. € ergeben.

20 bis 150 €/t ist ja eine große Spanne. Welche Faktoren bestimmen den Preis?

Göß: Das hängt von dem jeweiligen Projekt ab, von der Region und von anderen Faktoren. Je sicherer die CO₂-Speicherung und je nachvollziehbarer die Methodik ist, desto höher ist der Preis. Mit den Einnahmen soll es möglich sein, Ertragsrückgänge oder zusätzlichen Aufwand zu entschädigen. Daneben gibt es indirekte Einnahmen, z.B. über die Einsparung von Düngemitteln, höheren Erträgen durch mehr Humus usw.

Kritiker bezeichnen den CO₂-Zertifikatehandel als modernen Ablasshandel. Wie will man sicherstellen, dass Zertifikate von einer Maßnahme nur einmal verkauft werden?

Göß: Alle Zertifikate werden schon heute mit einer eigenen ID in einer Datenbank festgehalten. Wenn ein Unternehmen ein Zertifikat kauft, wird es in der Datenbank gelöscht, also quasi entwertet.

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