Einloggen / Registrieren

Startseite

Schlagzeilen
Newsletter
Messen & Termine
Themen
Wir für Euch
Heftarchiv
Sonstiges

Nässe auf den Feldern Europawahl 2024 DLG-Feldtage 2024

topplus Schutz der Weidetiere

Wolf: CDU- und CSU-Politiker fordern Obergrenze und Bestandsmanagement

In einem Positionspapier stellen die Fachpolitiker fest, dass der günstige Erhaltungszustand beim Wolf längst erreicht ist. Nun müssten Bund und Länder Maßnahmen zur Regulierung ergreifen.

Lesezeit: 4 Minuten

Die agrar- und jagdpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktionen von Bund, Ländern und in Brüssel fordern, dass der Wolfe endlich ins Jagdrecht überführt und ein Bestandsmanagement, inklusive Obergrenze eingeführt wird. In einem gestern in Berlin vorgestellten Positionspapier liefern sie dafür auch gute Gründe.

Die Sprecher weisen darauf hin, dass für das Monitoringjahr 2021/ 2022 bundesweit 161 Wolfsrudel, 43 Wolfspaare sowie 19 sesshafte Einzeltiere bestätigt wurden. Aktuell rechne der Deutsche Bauernverband mit einem Bestand von 1.554 bis 2.722 Wölfen in Deutschland mit einer Zuwachsrate von rund 30 % bei den sesshaften Rudeln.

Das Wichtigste aus Agrarwirtschaft und -politik montags und donnerstags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß der AGBs und den Datenschutzhinweisen zu.

Höhere Wolfsdichte als in Kanada

Das habe dazu geführt, dass allein in Sachsen-Anhalt derzeit bis zu elf Wölfe pro 1.000 km² leben. Damit sei die Wolfsdichte allein in diesem Bundesland fast doppelt so hoch wie in den typischen Naturlandschaften Kanadas oder der russischen Taiga, verdeutlichte der CDU-Abgeordnete Alexander Räuscher aus Sachsen-Anhalt. Dort leben lediglich bis zu sechs Wölfe pro 1.000 km².

Das benachbarte Brandenburg hat allein mehr Wölfe als im 15-mal größeren Schweden. Diese starke Ausbreitungsdynamik führe in Deutschland mit seiner hohen Siedlungs- und Bevölkerungsdichte und unserer landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft zu erheblichen Konflikten, heißt es in dem Positionspapier. So habe sich die Zahl der Nutztierrisse in den vergangenen zehn Jahren fast verzwanzigfacht.

Bestandsmanagement wie in Frankreich oder Schweden

Regionale Entschädigungsregelungen könnten nach Einschätzung der Fachsprecher den hieraus entstehenden Schaden bei weitem nicht aufwiegen. Sie fordert daher, dass für Kulturlandschaften eine Bestandsgrenze des Wolfsbestandes definiert wird. Diese Bestandsgrenze müsse je nach Besiedlung und Struktur der Kulturlandschaft unterhalb der natürlichen Obergrenze von bis zu sechs Wölfen pro 1.000 km² angesetzt werden. Beim Management der Bestände nehmen sich die Unionspolitiker Beispiele an Ländern wie Frankreich oder Schweden.

Im Positionspapier fordern sie deshalb die Bundesregierung auf:

  • den günstigen Erhaltungszustand entsprechend der FFH-Richtlinie festzustellen sowie entsprechende Abschläge in Abstimmung mit den Ländern sowohl bundesweit als auch regionalspezifisch zu definieren, wonach auch künftig der günstige Erhaltungszustand entsprechend der FFH-Richtlinie gewahrt wird.
  • die Überwachungsstandards für das Wolfsmonitoring anzupassen, um die tatsächliche Anzahl der in Deutschland lebenden Wölfe realitätsgetreu abbilden zu können. Derzeit ist das Monitoring auf den Nachweis von Rudeln, Paaren und Einzeltieren ausgelegt, so dass eine seriöse Schätzung des Gesamtbestands aufgrund variierender Rudelgrößen nicht möglich ist.
  • die bestehenden rechtlichen Spielräume im EU-Recht zu nutzen, die insbesondere in der FFH-Richtlinie unter Art. 16 Abweichung von den in Art. 12 ff. der Richtlinie formulierten Artenschutzregelungen ermöglicht.
  • die erforderlichen Initiativen auf nationaler und europäischer Ebene zu ergreifen, um den Wolf entsprechend der FFH-Richtlinie aus dem Anhang IV (strenger Schutz) in Anhang V (Schutz mit erweiterten Möglichkeiten des aktiven Managements) zu überführen.
  • den Wolf als jagdbare Art in das Bundesjagdgesetz unter Einhaltung des Schutzregimes aufzunehmen.
  • gemeinsam mit den Ländern ein an die regionalen Besonderheiten und Bestandssituationen angepasstes Bestandsmanagement zu etablieren, welches Konflikte zwischen Wolf, Mensch, Nutztieren und anderen Wildarten auf ein Minimum reduziert.
  • Wölfe im Offenland zu entnehmen, wo sie Rauhfutterfresser (Kühe, Schafe, Ziegen) anfallen und damit die Grünlandnutzung (neben dem Wald der größte CO2-Speicher) gefährden. Dies gilt unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Wolfsbestand in Deutschland stabil und gesichert ist.
  • bestehende wildbiologische, gesellschaftliche, jagdpraktische und naturschutzbezogene Fragen mit Blick auf die Ausbreitung des Wolfes und deren Folgen in wissenschaftlichen Untersuchungen zu klären.

Auch die Bundesländer müssen sich nach Überzeugung der CDU- und CSU-Fachpolitiker bewegen.

Die Länder sollen:

  • den Wolf entsprechend dem Bundesjagdgesetz auch in den Rechtskreis des Jagdrechts der Länder unter Beachtung des rechtlich festgelegten Schutzregimes aufzunehmen.
  • eine unbürokratische und unkomplizierte Rissbegutachtung und -bewertung für Nutztierhalter sicherzustellen.
  • Nutztierhalter bei der Umsetzung der nach aktuellem Wissensstand erforderlichen präventiven Schutzmaßnahmen finanziell und durch Beratung zu unterstützen.
  • die Entnahme von Wölfen auf Grundlage des 2020 geänderten Bundesnaturschutzgesetzes per Verordnung rechtssicher zu regeln und eine effektive Wolfsregulierung zu ermöglichen. Dies gilt insbesondere für Regionen mit unverhältnismäßig zu hohen Wolfsbeständen.
  • über Wolfsmanagementpläne die regional unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen im Umgang mit Wölfen zu adressieren, auftretende Konflikte mit Nutztierhaltern, Menschen und bedrohten Wildtieren zu regeln und klare Ziele und Handlungsempfehlungen für die Zeit nach Erreichen eines günstigen Erhaltungszustands festzulegen sowie Wolfskompetenzzentren als zentrale Anlaufstellen für alle Fragen rund um den Wolf einzurichten.

Mehr zu dem Thema

top + Willkommensangebot: 3 Monate für je 3,30€

Alle digitalen Inhalte und Vorteile eines top agrar Abos

Wie zufrieden sind Sie mit topagrar.com?

Was können wir noch verbessern?

Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Wir arbeiten stetig daran, Ihre Erfahrung mit topagrar.com zu verbessern. Dazu ist Ihre Meinung für uns unverzichtbar.