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Forstwege: Der gute Weg ist das Ziel

Forstwege brauchen Pflege. Zwei findige Unternehmer aus der Schweiz bieten die Instandhaltung professionell an und nutzen dafür deutsche Technik.

Lesezeit: 6 Minuten

Rund um den Betrieb von Martin Abbühl in Jeuss gibt es jede Menge top gepflegte Forst- und Flurwege. Kein Wunder: Er und Geschäftspartner Manuel Salzmann sind auch im nahen Staatswald Galm regelmäßig zur Wegepflege unterwegs. Gemeinsam schafften sie dazu 2019 für den Lohneinsatz einen Grader und einen Plattenverdichter für den Traktoranbau an. Für die beiden ist es ein zusätzliches Standbein neben ihrer Landwirtschaft und Bauwirtschaft.

Das Potenzial für diese Maschinen liegt für Martin Abbühl auf der Hand. „Wassergebundene Forst- und Fuhrwege sind mit hohen Investitionskosten verbunden. Die Pflege erhält die Qualität und sichert eine lange Nutzungsdauer“, so der Unternehmer. Bleibt die regelmäßige Instandsetzung aus, liegt eine Komplettsanierung der Wege pro Meter bei 35 bis 55 €, je nach Zugänglichkeit der Baustelle und Materialaufwand. Die Pflege kostet dagegen etwa 3,70 €/m alle zwei bis vier Jahre. Das Intervall hängt vom Nutzungsgrad und den Erosionsbedingungen ab.

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Professionelle Technik

Für die Auswahl der Technik haben sich die Lohnunternehmer einige Lösungen angesehen. „Eine Fräse, die tief in den Boden eingreift, kommt für uns nicht infrage. Wir arbeiten mit den oberen 10 cm, der Verschleißschicht“, erklärt Manuel Salzmann.

Die Wahl fiel auf Maschinen des deutschen Unternehmens Stehr aus dem hessischen Storndorf. Zum Einsatz mit einem John Deere 6125 R kommen der Grader SUG 35-T im Heck- und der Plattenverdichter SBV 80 H4 im Frontanbau. Die Tiefenführung des Graders übernehmen zwei nachlaufende Räder.

Über einen Drehpunkt am Dreipunkt-Anbaubock lässt sich der Schild samt Fahrwerk seitlich verschwenken. Damit ist die Arbeit auch neben dem Traktor möglich, um etwa die aufgewachsene Bankette abzuhobeln.

Der Schild lässt sich im Winkel quer zur Fahrbahn verschwenken, besitzt zwei einschwenkbare Aufreißschienen und ist in der Mitte geteilt. Beide Schildseiten können in ihrem Winkel zueinander unabhängig eingestellt werden. Damit ist sowohl ein durchgehender als auch ein V-förmiger Schild möglich.

Steht der Schild in V-Position, lässt sich über das Kippen nach vorne ein nach außen hin abfallendes, sogenanntes bombiertes Wegeprofil erzeugen. Diese Dachform sorgt für ein optimales ­Abfließen des Regenwassers zum Wegesrand hin.

Um auch die Wegränder intensiv pflegen zu können, ist der Grader mit einer hydraulisch schwenkbaren Bankettfräse ausgerüstet. Damit setzt sich das Gefälle seitlich des Weges ein Stück weit fort, und das Wasser kann gut ablaufen und versickern.

„Ergänzend zum Abhobeln der Bankette bietet die Fräse zusätzliche Möglichkeiten. Wir können das Material weit in den angrenzenden Wald verteilen und schaffen keinen Wall neben dem Weg“, so Manuel Salzmann.

Insgesamt sieben verschiedene Hydraulikfunktionen werden über einen Steuerblock auf dem Grader angesteuert. Der Traktor stellt den Ölbedarf über die Load- Sensing-Anschlüsse zur Verfügung. „Hier wird es bei unserem 6125 R schon knapp. Gerade beim Einsatz der Fräse wäre eine größere Fördermenge für noch mehr Wurfweite besser“, so Martin Abbühl. Die Bedienung per Joystick erfordert durch die vielen Möglichkeiten etwas Übung.

Verdichten mit Profil

Der 3 m breite Plattenverdichter im Frontanbau benötigt zweimal 60 l/min Hydraulikleistung. Damit bringen die vier Platten jeweils 80 kN Wuchtkraft auf. Die Platten sind paarweise pendelnd gelagert, so passen sie sich der vom Grader geformten Kontur an. Der Hersteller vergleicht die Verdichtungsleistung mit einem 13-t-Walzenzug.

Den Anbaurahmen der Maschine haben Martin Abbühl und Manuel Salzmann geändert. „Die Standardausführung baute weiter nach vorne, das war ungünstig für den Transport und die Wendigkeit im Einsatz“, lautet ihre Begründung. Der Verdichter wiegt knapp 1,9 t.

Für den Straßentransport wird auch der 2,4 t schwere Grader im Heck getragen, die Stützräder kommen nicht zum Einsatz. Damit ist der John Deere 6125 R dann mehr als ausgeladen. Für den Einsatzschwerpunkt Forstwege sehen die Unternehmer aber deutliche Vorteile in einem kompakten Traktor. „Der 6125 R war im Betrieb vorhanden und es hat sich gezeigt, dass wir mit einem kurzen Gespann wendiger und schneller sind“, so Martin Abbühl. Trotzdem sind sie aktuell auf der Suche nach einem kompakten Traktor mit großer Hydraulikleistung und hoher Zuladung.

So läuft der Einsatz ab

In den meisten Fällen bieten die oberen 10 cm eines Weges für die Instandsetzung genügend Feinanteil. Die Kornstruktur ist nur ungleichmäßig verteilt und muss wieder angeglichen werden. Fehlt das Feinmaterial, kann zur Instandsetzung auch eine dünne Schicht Neumaterial mit passender Körnung aufgezogen werden.

Zum Start der Instandsetzung legt Manuel Salzmann zunächst den Weg auf kompletter Breite frei. „Dazu hoble ich mit dem geraden, stark nach außen geneigten Schild bei schneller Fahrt die Bankette ab“, erläutert er den ersten Schritt. Die hohe Fahrgeschwindigkeit befördert das Material dabei weit nach außen. Mit der Fräse kann anschließend der entstandene Wall weiter verteilt werden. Befindet sich am Wegesrand loses Material mit passender Körnung, zieht Manuel Salzmann dieses jetzt mit nach innen angestelltem Schild wieder auf den Weg.

Jetzt kommt der Aufreißer zum Einsatz. Er lockert die alte Wegedecke bis auf Schlaglochtiefe. Dies erfolgt in mehreren gegenläufigen Durchgängen. Nach diesem Arbeitsschritt steht genügend Material für den Aufbau des Profils zur Verfügung. Dazu erfolgen zwei bis drei Überfahrten mit dem V-förmig angestelltem Schild.

Ebenfalls zwei bis drei Überfahrten sind mit dem Plattenverdichter nötig, damit der Weg seine Festigkeit wiedererlangt. Für den Einsatz sollte das Material nicht zu trocken sein, damit die Verdichtung optimale Ergebnisse bringt. Im Hochsommer kann das Einbringen von etwas Wasser per Fasswagen notwendig sein.

Mit der Technik sind Manuel Salzmann und Martin Abbühl insgesamt zufrieden. Die Maschinen leisten gute Arbeit, und langsam sprechen sich das Verfahren und die Qualität auch bei den potenziellen Kunden herum. „Wir haben noch freie Kapazitäten für die Maschine, sehen darin viel Potenzial für eine große Stammkundschaft“, so Martin Abbühl. Steigern könnte der Hersteller noch die Lackqualität. Bereits jetzt zeigen die Geräte deutlichen Flugrost. Das hat allerdings keinen Einfluss auf das Arbeitsergebnis.

Fazit

Manuel Salzmann und Martin Abbühl bauen sich ein zusätzliches Standbein mit der Pflege von Forst- und Flurwegen auf ( www.wegepflege.ch ). Die beiden Unternehmer haben dafür etwa 92 000 € in innovative und professionelle Technik investiert. Mit ihrem Pflegesystem sichern sie bei regelmäßigem Einsatz die Qualität der Wege und verlängern die Nutzungsdauer der Infrastruktur erheblich. Entscheidend ist dabei das richtige Wegeprofil für den guten Wasserabfluss.

Frank Berning

Dieser Artikel erschien in der Oktoberrausgabe von top agrar Südplus. Jetzt testen.

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