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Finanzen & Verträge: So sind Frauen in der Landwirtschaft finanziell abgesichert

Im Frühjahr 2023 wollten wir von unseren Leserinnen wissen, ob sie sich gut abgesichert fühlen. Die Ergebnisse zeigen: Das Thema ist wichtig, dennoch bleibt es häufig liegen. Warum eigentlich?

Lesezeit: 5 Minuten

Mitarbeitende Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen, Alterskassenbefreiung – die Absicherung von Frauen ist ein viel diskutiertes Thema, und das nicht nur auf den Höfen. Die Motivation, es anzupacken, bringen jedoch nur wenige auf.

Aber warum ist es so mühselig, ein Testament aufzusetzen, einen Ehevertrag oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen? Genau das wollten wir in unserer Umfrage zur sozialen Absicherung der Frauen wissen.

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An unserer frei zugänglichen Online-Befragung haben insgesamt 418 Frauen aus ganz Deutschland teilgenommen. Ein paar Eckdaten zu ihnen: Die meisten sind zwischen 26 und 40 bzw. über 50 Jahre alt. Genau 85 % der Betriebe, auf denen unsere Teilnehmerinnen leben, wirtschaften im Vollerwerb. Die Hälfte der Höfe hat zwischen 50 und 150 ha Fläche, ein Viertel mehr als 150 ha. 61 % der Befragten sind die Ehefrau bzw. Partnerin des Betriebsleiters. 39 % geben an, ein mitarbeitendes Familienmitglied zu sein, 23 % unserer Umfrageteilnehmerinnen sind Betriebsleiterin, 16 % verantworten einen eigenen Betriebszweig.

Immer wieder nachjustieren

Etwa die Hälfte der Frauen in unserer Umfrage fühlt sich gut abgesichert. Die meisten, die diese Aussage treffen, haben sich vor ihrem 35. Geburtstag erstmals mit dem Thema auseinandergesetzt. Frauen, die sich ihrer Absicherung erst später, mit über 50 Jahren, gewidmet haben, sind nur noch in 11 % der Fälle mit dem Ergebnis zufrieden. Der Anteil derer, die sich gar nicht mit dem Thema befasst haben, ist eher gering (5 %).

Oft sind es größere Lebensereignisse wie der Eintritt ins Berufsleben, eine Hochzeit oder die Hofübernahme, die die Frauen dazu bewegen, sich mit ihrer finanziellen Vorsorge zu beschäftigen. Spätestens in der Familienphase betrifft die eigene Absicherung dann nicht mehr nur einen selbst, sondern auch die anderen Hofbewohner. Generell gilt es, stetig zu hinterfragen, worauf man im Fall der Fälle dringend zurückgreifen können muss.

Zum Glück hat mein Ehrenamt mich früh auf die Problematik gestoßen."
Eine Umfrageteilnehmerin

In puncto Absicherung ist auch der Einfluss der Eltern nicht zu unterschätzen. Das bekräftigt auch Landfrauenpräsidentin Petra Bentkämper: „Geld ist kein Tabu-Thema! Wir müssen als Vorbilder vorangehen. Zeigt Euren Kindern mal, wie das funktionieren kann.“

Und dennoch: Selbst wenn die eigenen Eltern in jungen Jahren die Weichen gestellt haben, ist es nicht leicht, immer wieder zu überprüfen, ob man die soziale Absicherung anpassen sollte. Was bremst dabei? 65 % unserer Befragten gaben an, dass der Kopf zu voll ist mit anderen Dingen. Ebenso scheuen viele vor dem Zeitaufwand (53 %) und der Bürokratie (38 %) zurück.

Informationschaos

Wie die Frauen sich im Hinblick auf Altersvorsorge und Vermögensaufbau informiert haben, ist vielfältig. Auch Fragen zum Ehevertrag, dem Testament oder dazu, wie sie ihr Privatvermögen im Betrieb absichern, sind sie unterschiedlich angegangen: Unabhängig vom Partner ließen sich 27 % der Frauen beraten. Die Hälfte sprach mit dem Vertreter ihrer Versicherung, 40 % mit ihrer Hausbank. Bücher oder eigene Recherchen im Internet bezogen 44 % in ihre Überlegungen ein. Lediglich ein Zehntel nahm eine sozioökonomische Beratung in Anspruch, schaute also, welche sozialen und wirtschaftlichen Komponenten auf dem Hof gemeinsam betrachtet werden sollten.

Das ganze Geld fließt in den Betrieb; die Frauen werden nicht richtig abgesichert."
Eine Umfrageteilnehmerin

Dagegen stehen 32 % der Frauen, die sich ein 1:1-Coaching in Fragen der Absicherung wünschen – ein Angebot, das es so längst gibt. Dieses ist sogar speziell auf die Belange der Landwirtschaft gemünzt. Anne Dirksen, sozioökonomische Beraterin bei der Landwirtschaftskammer in Niedersachsen, bietet genau das an: „Ich bin seit über 30 Jahren Beraterin. In Niedersachsen können wir die Frauen und alle anderen Hofbewohner in jeder Lebensphase begleiten. Teuer oder zeitintensiv ist das nicht.“ Zufrieden mit der Beratung waren drei Viertel unserer Umfrageteilnehmerinnen. Vereinzelt haben Gespräche mit dem Steuerberater des Hofes oder dem Bank- bzw. Versicherungsvertreter zu Unmut geführt.

Zudem gilt es zu bedenken: Ein Angebot wie das in Niedersachsen gibt es nicht in jedem Bundesland. Deshalb fordern auch die Landfrauen, die sozioökonomische Beratung in der Landwirtschaft bundesweit auf- und auszubauen. Denn soziale Absicherung stärkt auch die Position der Frauen. So kritisieren laut der in diesem Frühjahr veröffentlichten Studie zur sozioökonomischen Situation von Frauen auf den landwirtschaftlichen Betrieben viele verheiratete Frauen, dass ihr Anrecht auf ein Altenteil nicht von ihrer erbrachten Arbeit für den Betrieb abhängt, sondern an das Bestehen der Ehe gekoppelt ist. Das ist eine Ungerechtigkeit, die vielen Männern oft gar nicht bewusst ist. Auch deshalb schlägt der Landfrauenverband vor, das Thema in Berufsschulen und im Studium verpflichtend auf den Lehrplan zu setzen. „Daneben sind Kurse wie der zur Agrarbürofachfrau ein optimaler Rahmen, die Frauen zu sensibilisieren“, sagt ­Petra Bentkämper.

Meinem Mann wollten sie überversichern – und was, wenn ich ausfalle?!"
Eine Umfrageteilnehmerin

Anne Dirksen geht einen Schritt weiter: „Für mich gehört es zur unternehmerischen Verantwortung, darüber nachzudenken, was passiert, wenn etwas im Leben nicht glatt läuft. Alle Welt redet von Risikomanagement und Preisabsicherung. Würden sich die Menschen auf den Höfen über ihre Vorsorge so viele Gedanken machen wie über den Kauf des nächsten Schleppers oder die Einrichtung eines neuen Laufstalls hätten wir womöglich weniger Probleme.“

Baukastenprinzip

Die Beraterin identifiziert vor allem ein Testament, das die Ehefrau begünstigt, und eine Risikolebensversicherung als wichtige Säulen der eigenen Absicherung. In unserer Umfrage gaben 33 % der Frauen an, ein eigenes Testament zu haben. 43 % sagten zudem, dass ihr Partner ein Testament hat, das sie im Todesfall auch tatsächlich begünstigt.

In Fragen der Absicherung auf beide Partner bzw. alle Hofbewohner zu schauen, ist wichtig. Die Frauen reißen im Ernstfall eine große Lücke in die Betriebsabläufe. Eine eigene Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Unfallversicherung können dann schnell zum wichtigen Puffer werden.

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