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Petra Bentkämper, warum sind so wenig Frauen auf dem Land politisch aktiv?

Frauen haben in der Kommunalpolitik Seltenheitswert. Was hemmt sie, gerade auf dem Land politisch aktiv zu werden? Eine Spurensuche mit Petra Bentkämper.

Lesezeit: 4 Minuten

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im "Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben".

Ein regelrechtes Superwahljahr steht in den Startlöchern: Am 9. Juni findet die Europawahl statt. 2024 stehen zudem in drei Bundesländern Landtags- sowie in neun Bundesländern Kommunalwahlen an.

„Und in eben dieser Reihenfolge sinkt die politische Repräsentation von Frauen“, bringt es Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, auf den Punkt. „Je kommunaler die Ebene, je ländlicher die Region, desto weniger sind Frauen politisch aktiv.“

Zahlen aus dem Gleichstellungsatlas des Bundesfamilienministeriums untermauern dies: Der Anteil der Bürgermeisterinnen liegt bei lediglich 9%, der der Landrätinnen bei 11,2%. Der Frauenanteil in den kommunalen Vertretungen auf Kreisebene und den kreisfreien Städten stagniert seit den 1990ern bei rund 30%. In den Stadträten liegt er mit 30 bis 43% etwas höher.

Unwucht bei Care-Arbeit

„Der“ Hemmschuh für kommu­nalpolitisches Engagement von Frauen ist laut Bentkämper eine altbekannte Unwucht: Die unterschiedliche Verteilung von Care-Arbeit – der unbezahlten Sorge­arbeit. Männer verbringen pro ­Woche knapp 21, Frauen knapp 30 Stunden mit Haushalt, Kinderbetreuung oder Pflege.

Politisches Engagement auf kommunaler Ebene geschieht jedoch meist ehrenamtlich – zusätzlich zur Erwerbs- und Care-Arbeit. Für Frauen wird Engagement so viel stärker zur Vereinbarkeitsfrage. „Auf dem Land spitzt sich das noch zu“, sagt Bentkämper. „Ich muss die Kinder fahren, mein Arbeitsplatz ist vielleicht weit weg.“

Petra Bentkämper im Podcast "Schnack, Land, Fluss"

Das ganze Gespräch von Landfrauenpräsidentin Petra Bentkämper und Redakteurin Marit Schröder können Sie kostenfrei als Podcast hören. In der aktuellen ­Folge „Schnack, Land, Fluss“ blickt Bentkämper auch auf ihren eigenen Werdegang zurück: Gab es Situationen, in denen an sie als Frau andere Bewertungsmaßstäbe angelegt wurden?

Petra Bentkäpmer zu Gast im Podcast "Schnack, Land, Fluss"

Und noch ein Punkt ziehe bei Frauen stärker als bei Männern: Netzwerke und informelle Gespräche entstünden oft im Anschluss an die Gemeinderatssitzung am Stammtisch. „Frauen müssen dann aber häufig nach Hause, weil sie noch Dinge zu erledigen haben.“

Doch nicht nur das. An die ohnehin schon ungleich verteilte Care-Arbeit werden laut Bentkämper auch unterschiedliche Maßstäbe gelegt. Sie beobachtet in Online-Konferenzen vielfach folgendes Bild: Schleicht sich bei der Mutter ein Kind herein, heißt es schnell: „Oh, das hat sie jetzt aber nicht im Griff.“ Ein komplett anderes Bild zeige sich dagegen bei den Vätern. „Männern wird in solchen Situationen eher Anerkennung für Betreu­ung und Vereinbarkeit ent­gegengebracht“, sagt Bentkämper. „Da kräuseln sich einem schon manchmal die Nackenhaare!“

Das Private wird bewertet

Andere Maßstäbe bemerkt Bentkämper nicht nur vor dem Com­puterbildschirm. „Frauen werden grundsätzlich anders bewertet“, sagt sie. „Wie sitzt die Frisur, wie passt der Hosenanzug? Hat sie etwa zugenommen? Wovon zeugen ihre Augenringe?“ Kurzum: „Das Private wird bei Frauen stärker mitbewertet als bei Männern.“ Auf dem Land verschärfe sich dies nochmals. „Man ist viel nahbarer“, so Bentkämper. Eigentlich ein riesen Pfund des Landes: Die Nähe zu den Mitmenschen, ihren Themen, Sorgen und Problemen. Man sei, so die Landfrauenpräsidentin weiter, aber auch selbst ständig präsent und so schärfer den Meinungen, Blicken und Bewertungen anderer ausgesetzt als in größeren Städten. „Das Pfund ,jeder kennt jeden‘ kann so auch zum Hemmschuh werden.“

Trotz – oder gerade wegen – aller Hemmschuhe ermutigt Bentkämper Frauen, sich kommunalpolitisch zu engagieren: „Man kann ­etwas bewegen – direkt vor Ort! Es nützt nichts, nur meckernd am Rand zu stehen.“ Und: „Wenn wir Frauen uns nicht um frauenpolitische Dinge kümmern – wer soll es bitte machen? Wir können doch nicht auf die Männer warten!“

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