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topplus Gespräche mit dem Handel

Agrardialog steht vor einer Richtungsentscheidung

Die Gespräche zwischen Handel und Landwirtschaft bleiben kompliziert. Der Handel will den Agrardialog in die Koordinationszentrale überführen. Doch das Misstrauen ist weiterhin groß.

Lesezeit: 5 Minuten

Die landwirtschaftlichen Mitglieder im Agrardialog stehen vor einer Richtungsentscheidung. Anfang der Woche wollen sie festlegen, wie sie sich nach dem Seitenwechsel des Lebensmitteleinzelhandels verhalten. Vergangene Woche hatten die am Agrardialog teilnehmenden Händler unmissverständlich klar gemacht, dass sie den Agrardialog verlassen und die Zukunft für die Gespräche in der Koordinationszentrale sehen.

„Die am Agrardialog teilnehmenden Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen Aldi Nord/ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, Lidl und REWE sowie der BVLH bekennen sich klar zu einer Überführung des Agrardialogs in die Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL)“, hatte der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) die Position des LEH zusammengefasst.

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LEH will Agrardialog in die ZKHL rüber ziehen

In der vom Deutschen Bauernverband (DBV), Deutschen Raiffeisenverband (DRV) und vom Handelsverband Deutschland (HDE) gegründeten Koordinationszentrale ist der BVLH bereits Mitglied. Nun will er auch die landwirtschaftlichen Vertreter des Agrardialogs dahin mitziehen. „Der befristete Agrardialog hat gute und fachlich konstruktive Arbeit geleistet, die sich bestens in der ZKHL fortführen lässt“, heißt es in dem Schreiben des BVLH.

Und er übt auch zeitlichen Druck aus: „Die Dringlichkeit und Relevanz der Themen fordert dort ihre zügige Weiterbearbeitung“, schreibt der BLVH. In den bisherigen Arbeitsgruppen des Agrardialogs soll es nun nur noch Abschlusspapiere über den verhandelten Sachstand geben, die dann an den Leiter der ZKHL Hermann-Josef Nienhoff übergeben werden sollen.

LsV bisher nicht bereit in die ZKHL zu gehen

Die landwirtschaftlichen Verbände und Gruppen im Agrardialog trifft die LEH-Entscheidung nicht unvorbereitet aber an einem empfindlichen Punkt. Der Widerstand gegen die ZKHL und das Misstrauen gegenüber dem Bauern- und Raiffeisenverband ist weiterhin groß. „Der LEH sagt, er wolle mit allen Bauern sprechen, das wird er mit der ZKLH nicht erreichen“, sagt der Sprecher von Land schafft Verbindung (LsV) Deutschland, Anthony Lee gegenüber top agrar.

In der jetzigen Form und Verfassung sei der Agrardialog nicht bereit, in das neue Haus von DBV und DRV rüber zu wandern, so Lee weiter. Dies sei nur möglich, wenn sich alle Organisationen „in der Mitte treffen“, sagt Lee.

Präsenztreffen von Agrardialog und ZKHL in Vorbereitung

Derweil sondieren andere landwirtschaftliche Mitglieder des Agrardialogs bereits ein Präsenztreffen mit dem ZKHL-Geschäftsführer Nienhoff für Ende Oktober, in dem es um Konditionen für eine Zusammenarbeit gehen könnte. Doch auch hier ist man noch sehr vorsichtig. „Wir haben unsererseits ein Konzept erarbeitet, um eine Zusammenarbeit mit allen Parteien der Wertschöpfungskette zu ermöglichen. Darüber werden wir nun mit der ZKHL diskutieren und weiterhin Lösungen für unsere Berufsgruppe innerhalb der Wertschöpfungskette vorantreiben“, heißt es in einer Mitgliederinformation der Landwirtschaftsseite des Agrardialogs vom 7. Oktober, das top agrar vorliegt.

Nur eine „paritätische Beteiligung aller, insbesondere der Verbändegemeinschaft, und eine demokratische Entscheidungsfindung ist für uns die weitere Diskussionsgrundlage“, heißt es weiter. Bisher gehen die Mitglieder des Agrardialogs davon aus, dass die Zusammenarbeit aus dem Agrardialog in der ZKHL nicht umgesetzt werden könne. Die vom Agrardialog erarbeiteten Ergebnisse könnten in der aktuellen Organisationsstruktur der ZKHL „nicht effizient“ weitergearbeitet werden, heißt es in dem Mitgliederschreiben.

Kartellamt prüft Agrardialogkonzept Milch

Derweil prüft das Bundeskartellamt ein Konzept der Arbeitsgruppe Milch aus dem Agrardialog, berichten Teilnehmer. Darin geht es um Musterverträge für das Stufenverhältnis Landwirt-Molkerei-LEH sowie einen Preisindex, der die Kostenentwicklung der Landwirte berücksichtigen soll.

Die Absprachen könnten kartellrechtlich möglich sein, wenn es um „höhere Ziele“ wie Tierwohl oder Umweltstandards gehe. Vorbild seien die Absprachen, die bereits innerhalb der Initiative Tierwohl (ITW) praktiziert würden, umschreibt es ein Befürworter aus dem Agrardialog.

Koordinationszentrale will ins Arbeiten kommen

Die Mitglieder der Koordinationszentrale gehen davon aus, dass es eine gemeinsame Plattform unter ihrem Dach geben wird. „Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Weg finden mit den Vertretern, die im Agrardialog sind“, sagt ZKHL-Geschäftsführer Nienhoff gegenüber top agrar. „Wir wollen nach vorne und ins Arbeiten kommen“, so Nienhoff weiter. Der Druck aus dem Markt auf die Landwirtschaft sei so groß, dass keine Zeit mehr verloren gehen dürfe.

Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit dem Agrardialog ist für Nienhoff, dass die Teilnehmer mittel- und langfristig in den ZKHL Verein eintreten. Aus Sicht von Nienhoff bewege sich der neue Verein auch ständig und sei an einer Aufnahme der Agrardialog Teilnehmer interessiert. „Wie soll es denn auch anders gehen“, fragt Nienhoff.

Freie Bauern machen LEH Vorwürfe

Schärfer als die Gemeinschaft des Agrardialogs äußern sich die Freien Bauern. „Nach acht Monaten konstruktiver Zusammenarbeit und Ergebnissen, die die Stellung der heimischen Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette deutlich verbessert hätten, scheuen die Konzerne die praktische Umsetzung der Vorschläge“, sagt Peter Guhl von den Freien Bauern, der in der Arbeitsgruppe Milch am Agrardialog mitgewirkt hat.

„Wenn die Händler jetzt heucheln, dieses Projekt lasse sich auch über die Koordinationszentrale voranbringen, so verkennen sie dabei das Grundinteresse der Verarbeiter an billigem Rohstoff“, begründet Guhl seine Ablehnung, sich einer vom Bauernverband dominierten Struktur unterzuordnen.

Drohung von neuen Bauernblockaden

Die Drohung von den Bauern, im Herbst und Winter wieder auf die Schlepper zu steigen und vor den Handelshäusern zu demonstrieren oder Zentrallager zu blockieren, kursiert seit Tagen. „Das Ringen um bessere Erzeugerpreise muss weitergehen – wenn nicht mit, dann künftig wieder gegen den Einzelhandel“, sagt Guhl von den Freien Bauern dazu.

Auch der LsV-Sprecher Lee geht von Bauernprotesten aus. „Proteste und Demonstrationen sind möglich“, sagt er.

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