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Agrardialog pocht auf Augenhöhe in Gesprächen mit dem Handel

Der Lebensmitteleinzelhandel will nur noch in einem Gesprächsformat mit der Landwirtschaft verhandeln. Die Teilnehmer des Agrardialogs fürchten um ihren Einfluss in der neuen Koordinationszentrale.

Lesezeit: 5 Minuten

Der Handelsverband Lebensmittel (BVLH) will seine bisher mit dem Agrardialog geführten Gespräche mit der Landwirtschaft in die neu geschaffene Koordinationszentrale Handel-Landwirtschaft überführen. "Der verbreitete Eindruck, der LEH zieht sich mir nichts dir nichts aus dem Agrardialog zurück, ist falsch. Der LEH hat bereits frühzeitig angekündigt, dass eine Überführung des Agrardialogs in die Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL) geplant ist“, teilt der BVLH gegenüber top agrar mit. Der BVLH habe das Ziel, „alle erarbeiteten Inhalte auf der neuen Plattform zu erhalten und weiterzuentwickeln“, heißt es weiter.

Agrardialog will nicht in der Koordinierungszentrale unter gehen

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Die Ankündigung, nun ernst zu machen mit der Überführung der Gespräche, sorgt unter den Teilnehmern des Agrardialogs aus der Landwirtschaft für Besorgnis und Verärgerung. Sie fürchten um ihren Einfluss in den Gesprächen in der neu geschaffenen Koordinationszentrale Handel-Landwirtschaft, berichten mehrere Teilnehmer gegenüber top agrar. Noch für den heutigen Montag kündigen sie eine gemeinsame Stellungnahme an, mit Bedingungen, die sie an die Teilnahme an der Koordinierungszentrale knüpfen. Im Laufe dieser Woche gibt es mehrere Gespräche zwischen den Teilnehmern des Agrardialogs und der neuen Koordinierungszentrale.

Gemeinsamer Ansatz der Landwirtschaft bisher nicht gelungen

Anfang September hatten der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Handelsverband Deutschland (HDE) die Koordinierungszentrale Handel-Landwirtschaft offiziell als Verein gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch der BVLH, der gemeinsam mit einzelnen Handelsunternehmen den Gesprächsfaden mit dem Agrardialog in den vergangenen Monaten aufrecht gehalten hatte. Zuvor war es nicht gelungen, die beiden Dialogformate in einen gemeinsamen Ansatz zu integrieren.

LsV will allein weiter machen

Die Skepsis unter den Landwirten des Agrardialogs, mit ihren Interessen und Ergebnissen nun in der Koordinierungszentrale unter zu gehen, ist groß. „In vielen hundert ehrenamtlichen Stunden wurden in den letzten Monaten klare Leitbilder und Zukunftsvorstellungen ausgearbeitet und in den vergangenen Wochen auch ganz klar konkretisiert. Immer mit dem unbeirrten Ziel, möglichst zeitnah finanzielle und strukturelle Verbesserungen für die einheimische Landwirtschaft zu schaffen“, formulieren es die Sprecher von LSV Deutschland, in einer Pressemeldung. Zudem kündigt LSV an, „an dieser strukturierten Arbeit wird der LSV Deutschland auch zukünftig festhalten und das Gesprächsformat im Zweifel auch ohne Beteiligung des Handels fortführen und ausbauen“. Die ebenfalls am Agrardialog beteiligten Freien Bauern werfen dem Deutschen Bauernverband vor, mit dem Aufbau der Koordinationszentrale, den für bessere Preise kämpfenden Bauern in den Rücken gefallen zu sein.

Entscheidungsstrukturen der Koordinierungszentrale hinterfragt

Die Mitglieder der Koordinationszentrale hatten in den vergangenen Wochen öffentlich ihren Willen, den Agrardialog zu integrieren, bekräftigt. „Wir wollen die Anschlussfähigkeit des Agrardialogs“, sagte der Geschäftsführer der Koordinationszentrale Nienhoff gegenüber top agrar. Auch bisherige Übereinkünfte aus dem Agrardialog mit Handelsvertretern sollten sich in der neuen Plattform wieder finden können, so Nienhoff weiter. Den Teilnehmern des Agrardialogs stößt allerdings auf, in der neuen Koordinationszentrale die Präsidenten des HDE, des DBV und des DRV gemeinsam mit Geschäftsführer Nienhoff bereits eine möglicherweise unumgängliche Mehrheit bilden könnten. Dort bliebe für die Teilnehmer des Agrardialogs nur ein überstimmbarer Platz, heißt es.

LEH ruft Landwirte auf, sich aufeinander zu bewegen

Der LEH pocht hingegen auf eine gemeinsame Plattform. „Dem LEH geht es jetzt vor allem um eines: Wie führen wir die Strukturen und die Ergebnisse so zusammen, dass wir künftig alle gemeinsam konstruktiv und auf Augenhöhe miteinander sprechen“, heißt es beim BVLH. Die Landwirte ruft er auf, sich aufeinander zu bewegen. „Dafür brauchen wir von allen Seiten eine Bereitschaft. Der LEH ist dazu bereit“, lautet der offizielle Apell des BVLH.

Gespräche mit dem Kartellamt nötig

Nach den Bauernblockaden vor Zentrallagern zu Beginn des Jahres hatten sich Aktive von LsV Deutschland, dem Bund deutscher Milchviehalter (BDM), der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und den Freien Bauern sowie LsV Original unter Moderation der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) mit Vertretern des Handels vom BVLH und von den Einzelunternehmen Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Kaufland im Agrardialog ausgetauscht. Dabei gab es die drei Arbeitsgemeinschaften Rind/Milch, Schwein und Herkunftskennzeichnung. Teilnehmer berichten, dass es weitgehende Zugeständnisse des Handels gegeben habe, die auch Preisaufschläge für bestimmte Umwelt- und Tierwohlleistungen umfasst hätten. Auch Gespräche mit dem Kartellamt hätte es dazu bereits gegeben, heißt es.

Ostendorff fordert Moderation seitens der Politik

Der Agrarsprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, hält es indes für notwendig, dass sich die Politik in die Debatte einmischt. „Die Politik muss diesen Prozess moderieren und organisieren“, sagte er gegenüber top agrar. Die Politik könne als „Unbeteiligter“ von allen Teilnehmern Ergebnisse einfordern, begründete er seinen Vorschlag. „Dass die Politik sich einen schlanken Fuß macht, das ist falsch“, sagte er. Es sei auch in der Verantwortung der Politik, „dass das Bauernsterben aufhört“, sagte Ostendorff.

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