Bauernproteste

Bauernverband fordert einen „Deutschland-Bonus“ vom Handel

Nach den Bauernprotesten tut sich weiter was. Der Bauernverband schlägt einen "Deutschland-Bonus" für heimische Lebensmittel vor. Am Freitag soll es ein Treffen der Handelsriesen mit LsV geben.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) und all seine Landesbauernverbände haben am Mittwoch ein gemeinsames Forderungspapier vorgelegt, das an die vier großen Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (Aldi, Lidl, Rewe, EDEKA) gerichtet ist. Es fordert diese auf, die Beziehungen zwischen Handel und der deutschen Landwirtschaft langfristig und grundsätzlich zu verändern. „Die mangelnde Wertschätzung der Arbeit der deutschen Bauern seitens des LEH muss endlich ein Ende haben. Dauerniedrigpreispolitik hat keine Zukunft und gefährdet bäuerliche Existenzen“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Vermarktungsunternehmen sollen "Deutschland-Bonus" weiter reichen

Kernforderung des DBV ist ein "Deutschland-Bonus" für Lebensmittel, die aus der heimischen Landwirtschaft kommen. Dieser müsse über die Vermarktungsunternehmen an die Landwirtschaft vollständig weitergereicht werden, heißt es in dem Forderungspapier. Heimische Lebensmittel würden in der Regel mit deutlich höheren Standards erzeugt als Produkte aus dem Ausland, schreibt der DBV zur Begründung. „Diese Qualität muss ein anderes Preisschild haben“, sagte Rukwied.

Weniger Billigpreis Werbung und langfristigere Lieferbeziehungen

Der Deutsche Bauernverband fordert die Lebensmittelhändler außerdem auf, sich zu einem Verhaltenskodex zu verpflichten, indem beispielsweise die Ausrichtung der Verbraucherkommunikation nicht nur auf niedrige Preise ausgerichtet ist. Auch eine Selbstverpflichtung zum Aufbau langfristiger und verlässlicher Liefer- und Vertragsbeziehungen müsse Bestandteil sein, heißt es.

Aldi und Lidl stellen sich mit Vorschlägen nach vorne

Der Verhaltenskodex für den Handel ist bereits seit dem Gespräch der Handelsriesen mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Wochenende im Gespräch. Aldi hatte sich dazu bereits öffentlich bekannt. Der Konkurrent Lidl hatte am Dienstag eine Ombudsstelle für die Landwirtschaft angeregt. Diese könnte zukünftig zielgerichtet auf vergleichbare Konflikte reagieren und die Marktpartner in einen schnellen direkten Austausch bringen, argumentierte Lidl.

Klöckner will Verhandlungen für Verhaltenskodex moderieren

Landwirtschaftsministerin Klöckner will den freiwilligen Verhaltenskodex für die gesamte Wertschöpfungskette – vom Landwirt über die verarbeitende Industrie bis zum Handel - erreichen. Sie sei zuversichtlich, dass unter Moderation des Agrarministeriums ein Verhaltenskodex zwischen Handel und den Bauern möglich ist, sagte sie gestern im Bundestag. Sie regte außerdem an, dass Verbraucher schon auf der Verpackung erkennen können sollen, welcher Anteil des Preises an den Handel geht und welcher den Bauern zugutekomme. Mitte November hatte Klöckner die deutsche Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken (UTP) präsentiert. Sie muss noch vom Bundestag beraten werden und soll Mitte 2021 in Kraft treten. Die neuen Regeln betreffen aber bisher mehr die Obst- und Gemüseproduzenten als die Fleisch- und Milcherzeuger.

Treffen von LsV und LEH am Freitag

Nach zahlreichen Protestaktionen vor LEH-Zentrallagern nehmen die Landwirte seit dem Wochenende insbesondere die Dispositionszentren von dem Discounter Aldi in Beschlag. In einem neuen Video ruft LsV-Sprecher Andresen die Landwirte jedoch dazu auf, bis Freitag auf weitere Blockierungsaktionen zu verzichten. Denn LsV Deutschland als auch eine Gruppe von Landwirten aus Cloppenburg sitzen am Freitag mit Vertretern von Aldi Nord & Süd, Edeka, Lidl und Rewe zusammen. In der Diskussionsrunde soll es insbesondere um „kurzfristige Preisforderungen“, aber auch um eine Neustrukturierung der Handelsbeziehungen gehen.


Die Redaktion empfiehlt

Aldi will zeitnah mit Bauernvertretern über die Idee eines "FairTrades für die heimische Landwirtschaft" sprechen. Dabei soll es auch Förderung höherer Qualitätsstandards gehen.

Das Bundeskabinett hat heute eine Gesetzesänderung verabschiedet, die zu faireren Handelsbeziehungen in der Lebensmittelkette führen soll. Wieviel sie Landwirten helfen wird, ist umstritten.


Diskussionen zum Artikel

von Wilhelm Grimm

Der Bauernverband wird kreativ.

"Deutschland Bonus", daraus lässt sich werbemäßig was machen. Ich musste auch erst eine Weile überlegen.

von Helmut Dorn

Was für eine Blitzidee des Bauernverbandes,

sowas wird eine Nullnummer, denn das würde schon mal die EU als Wettbewerbsverzerrung nicht zulassen, weil denen nicht interessiert, ob wir nach deutschen Produktionsstandart schon mal höhere Kosten haben wie sonst in der EU und in der Welt.

von Gerd Schuette

Nicht nur in D werden die Bauern zugunsten der Globaliesierung geopfert

www.deutschlandfunkkultur.de/indische-bauern-in-not-bedroht-von-corona-und.979.de.html?dram:article_id=487361

von Wilhelm Grimm

Wir müssen auch jeden Tag eine Rakete zünden,

irgend was wird schon hängen bleiben. Und über die Insekten von Schulze reden wir mal einen Tag nicht. Und die Öffentlichkeit erfährt so nebenbei, dass heimisches Fleisch besser ist und weniger CO2 verursacht und was sonst noch alles. Ideen und eine Vorwärtsstrategie muss her, egal wie.

von Hans Nagl

Deutschland Bonus?

Was hatten wir nicht schon alles. GVO Bonus, QM Bonus, QS Bonus, 2Tages Abholung Bonus, usw. Aber jetzt kommt der Deutschland Bonus.

von Dr. Willi Billau

Alter Miesepeter!

Wenn alle Bauernorganisationen am gleichen Strang ziehen, ist jetzt die einmalige Gelegenheit, eine Spannengerechtigkeit einzuklagen. Die UTP-Richtlinie der EU hat die Steilvorlage dazu geliefert. Der LsV hat mit seinen Spontanreaktionen Druck aufgebaut und Öffentlichkeit hergestellt. Es ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Ach was...?

Dann sind wir auf dem Weg ausgelistet zu werden, jedes Jahr ein Stückchen mehr, denn es werden die Billigprodukte aus Kimbukto daneben, oder darunter liegen! Das diese vielleicht noch mehr Marktanteile gewinnen, musss jeden einleuchten. Wir haben nur die unmittelbare Frische und ... mehr anzeigen

von Josef Fischer

Wenn ich mir die Kommentare so durchlese

dann würde ich mich als Vertreter des Handels so richtig freuen. Die Bauern, die zuerst groß demonstrieren und blockieren, hauen sich hier in den Kommentaren die Köpfe ein. Lasst uns endlich als Bauern zusammenstehen, nur dann gewinnen wir. Sonst wird auch dieser Erfolg der hier ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Zusammenarbeit ?

Das haben wir noch nie gekonnt.

von Martin Siekerkotte

Hallo

Der DBV hat nichts u Garnichts zu melden waren auf keiner Demo dabei ihr bleibt in Berlin u bringt dort die Kohle in den 5 Sterne Hotels durch Schmal u Stürz sind schon da und die halten auch die schnauze sonst seid ihr als nächstes dran

von Bernd Müller

Völlig unangebracht!

von Peter Guhl

Moderatorin Klöckner???

Hat sich die Ministerin den falschen Arbeitsplatz ausgesucht? Politik sollte sich grundsätzlich aus Märkten raushalten. Politik hat aber die Pflicht, die Rahmenbedingungen für einen wirklich fairen Wettbewerb festzulegen! Und immer wenn ganz klar zu erkennen ist, dass es zu großen ... mehr anzeigen

von Gerd Mersmann

Falsche Lorbeeren

Jetzt will der Bauernverband die Früchte ernten die LSV und andere gesät haben. Meiner Meinung nach sollten die verhandeln,die die Handelsriesen zu kleinen Zugeständnissen bewegt haben,denn sie wissen am besten wo der Schuh drückt.

von Wilhelm Grimm

Lasst dieses dämliche Imponiergehabe.

von Bruno Stauf

Preise wie vor 30 Jahren, ein Armutszeugnis für den DBV!

Der DBV war doch nie für bessere Preise für seine Bauern. Er hat doch immer mit der Politik gekuschelt, und um Almosen gebettelt. Hätte er mehr für bessere Preise gekämpft wären die Verbände wie ABL, BDM, Freie Bauern, und LSV nie entstanden. Warum beteiligt sich der DBV nicht am ... mehr anzeigen

von Anton Heukamp

Nicht alles zerreden

schon bevor es besprochen wurde. Die Strategie finde ich grundsätzlich gut, z. B. 4XD beim Schweinefleisch und Geflügel, Zuschläge für deutsche Kartoffeln, Milchprodukte etc.. Vielleicht eine Chance den Handel in die Pflicht zu nehmen. Die Verarbeiter (Molkereien, Schlachter...) ... mehr anzeigen

von Bernhard ter Veen

ist ja schon mal was

aber nicht die richtige Adresse... hätten die besser an DMK und Tönnies und all die Verarbeiter und Zwischenhändler geschickt... Da fehlt doch die Solidarität mit uns Landwirten... Aber auch gerade da sitzen ja auch die Verbandsfunktionäre mit am Tisch... Wes Brot usw...

von Christian Bothe

Treffen?

Genau Sie sagen es richtig H.ter Veen.Falsche Adresse und die Verarbeiter fehlen.Hoffentlich wird das kein Eigentor LsV ( bin ja Unterstützer vom LsV)...DBV will Bonus? Klingt ja wie eine Subvention durch den LEH.Auch das scheint mir problematisch! Mal sehen,was wird?

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