Provokation

Edeka-Chef: Agrarwende zu spät, Landwirtschaft setzt auf billiges Fleisch

Edeka-Chef Markus Mosa fordert angesichts des Ukraine-Kriegs einen Umbau der Landwirtschaft. Die Agrarwende komme zu spät und die Landwirtschaft setze lieber auf billiges Fleisch.

Auf der Arbeitstagung der Mittelständischen Lebensmittel-Filialbetriebe (MLF) äußerte sich der Edeka-Chef Markus Mosa zur aktuellen Agrarpolitik. Diese sei in Deutschland „seit Jahren in der Sackgasse“. Die „Pattsituation zwischen Politik und Lobbyisten" führe dazu, dass die Agrarwende zu spät komme. Die Mittel der Initiative Tierwohl seien nicht vollständig abgerufen worden, „weil die Landwirtschaft lieber auf billiges Fleisch und Export setzt“, schreibt die Lebensmittel Zeitung (LZ). Mosa betonte, dass er kein Vegetarier sei. Für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch benötige man jedoch drei Kilogramm Getreide. „Das muss man sich in diesen Zeiten vor Augen führen“, so Moser gegenüber der LZ.

Finanzinvestoren wollen aus aktuellen Situation Geld machen

Bei den explodierenden Getreidepreisen handele es sich nach Mosa um reine Spekulation. Rohstoff- und Nahrungsmittelspekulanten würden das große Geschäft wittern. Das seien Finanzinvestoren, die massiv in Rohstoffe investieren, „und das sind auch Staaten, die versuchen, aus der aktuellen Situation Geld zu machen". Dabei lägen in den Lägern in verschiedenen Ländern die Ernten mehrerer Jahre. „Der Wegfall einer Ernte aus Russland oder der Ukraine führt nicht dazu, dass das Getreide irgendwo knapp werden könnte."

WLV & ISN: Mosa brüskiert Landwirtschaft

Die veröffentlichten Angriffe von Edeka-Chef Mosa gegen die deutschen Tierhalter und den Bauernverband werden vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) als maßlos und in der Sache unberechtigt zurückgewiesen. Dazu WLV-Präsident Hubertus Beringmeier, der im Deutschen Bauernverband zugleich Sprecher für die Schweinehalter ist: Ich weiß nich, „ob ich lachen oder weinen soll. Edeka drückt über internationale Einkaufsverbünde jeden Tag knallhart die Preise. Sich jetzt zu erregen, ist eine Unverschämtheit und eine haarsträubende Heuchelei, die tief blicken lässt. Angesichts solcher Äußerungen halte ich weitere Verhandlungen der Landwirtschaft mit dem Lebensmitteleinzelhandel im Rahmen der Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL) für sinnlose Zeitverschwendung.“

Wer im Glashaus sitzt, Herr Mosa, sollte nicht mit Steinen werfen" - ISN

„Wer im Glashaus sitzt, Herr Mosa, sollte nicht mit Steinen werfen", meint die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Denn gerade das Unternehmen Edeka und seine Großhandelstochter Edeka-Foodservice hätte die ISN in der Vergangenheit häufiger wegen Billigangeboten bei Schweinefleisch aus anderen Herkunftsländern und dem harten Verhandeln mit seinen Lieferanten kritisiert. "Und übrigens hat Herr Mosa wohl vergessen, dass in der Vergangenheit lange Wartelisten für Landwirte entstanden waren, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen wollten und dass viele Schweinehalter trotz bereits getätigter Investitionen gar nicht teilnehmen konnten."


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