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Schuss nach hinten

Landwirtsverein lud Ampelpolitiker von Faschingsball aus - AfD durfte aber kommen

Aus Protest gegen die Agrarpolitik der Regierung hat der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung Ingolstadt-Eichstätt Politiker der Ampel vom Faschingsball ausgeladen, die AfD durfte aber kommen.

Lesezeit: 3 Minuten

Am Samstag fand im Festsaal des Ingolstädter Stadttheaters der Landwirtschaftsball statt. Rund 1.000 Gäste waren laut BR dabei. Der regionale Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) Ingolstadt-Eichstätt hat jedoch bei den Ehrengästen aussortiert.

Sind traditionell Vertreter der Parteien im Bezirk-, Land- und Bundestag eingeladen, so waren dieses Mal nur Vertreter der CSU, der Freien Wähler und auch der AfD unter den Ehrengästen – die Politiker von SPD und FDP wurden ausgeladen; von den Grünen hatte niemand zugesagt.

Beitrag zu Bauernprotesten

Der vlf-Vorsitzende Karl-Heinz Bittl versteht die Ausladung als Protest gegen die Politik der Ampel-Koalition in der Bundesregierung. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er, dass der vlf so seinen Teil zu den Bauernprotesten beitrage. "Wir dachten, dass dann die Vertreter die teilweise berechtigte Verärgerung an die Parteioberen weitergeben", begründet er die Entscheidung.

Dass die Aktion so große Wellen schlägt, damit habe man nicht gerechnet. Seit dem Ball haben er und die Zweite Vorsitzende, die beide das Amt ehrenamtlich ausüben, eine Flut an Reaktionen bekommen, so der BR weiter. Neben positiven Rückmeldungen gebe es auch negative samt Anfeindungen.

Politiker lehnen diese Form des Protests ab

Die anwesenden konservativen Politiker zeigten sich von der Ausladung der anderen Parteien überrascht. Der CSU-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der CSU Ingolstadt, Alfred Grob, distanziert sich von dieser Geste. Er könne die Beweggründe der Landwirte sehr gut verstehen, die mit der Politik der Ampel unzufrieden sind. "Ich kann aber weniger gut nachvollziehen, dass gesellschaftliche Ereignisse wie Faschingsbälle genutzt werden, um Politik zu machen. Sicherlich wird es nächstes Jahr wieder Einladungen für alle Mandatsträger geben."

Auch Jakob Schäuble, Kreisvorsitzender der FPD Ingolstadt, kann den Unmut der Bauern verstehen. Er hält den Vorfall dennoch für nicht tragbar. Schließlich bevorzuge hier ein Verband Ehrengäste der AfD. "Einer Partei, die in drei Bundesländern als gesichert rechtsextrem gilt, gegenüber Vertretern von Parteien, die fest zur Verfassung stehen. Ich halte das für einen Fehler und biete aber das konstruktive Gespräch weiter an", so Schäuble.

Christian De Lapuente, Kreisvorsitzender der SPD Ingolstadt, nennt den Vorfall "eine neue Grenze", die ihn an das "schwärzeste Kapitel der deutschen Geschichte" erinnere: "Wer ein falsches Parteibuch hat, wird ausgegrenzt. Das darf sich nicht wiederholen."

Alle Vertreter der Ampel-Parteien verweisen auch darauf, dass längst nicht alle Bauern die Entscheidung des regionalen Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung gutheißen.

Ballbesucher zwischen den Stühlen

Gemischte Reaktionen gab es laut BR bei den Ballbesuchern. Zitiert wird ein entsetzter Landwirt, der die Ausladung von Parteien, die die demokratische Mitte vertreten, als nicht duldbar bezeichnet. Vor allem, wenn gleichzeitig die AfD auf der Gästeliste stehe. Im Berufsstand würde bereits darüber diskutiert, ob der Vorstand zurücktreten müsse.

Mit der AfD wolle man nichts zu tun haben, stellt auch der Kreisobmann im Bauernverband Eichstätt Ingolstadt, Johannes Scharl, klar. Dass der Frust unter den Landwirten groß sei, bestätigt er. Ausladungen wie beim Ball am Samstag hält er aber nicht für das richtige Mittel, um die Verärgerung zu zeigen. Die Landwirte stünden immer für den Dialog zur Verfügung.

Das man grundsätzlich miteinander reden muss, sieht auch der kritisierte vlf-Vorsitzende Bittl ein. Er versichert: Die Ausladung beim Ball war eine einmalige Aktion, einfach nur um ein Signal zu senden, um erhört zu werden. Zur Jahresversammlung am Freitag seien nun wieder Vertreter aller Parteien eingeladen.

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