Bauerntag

Rukwied: „Wir müssen von innen heraus wieder stärker werden“

Bauernpräsident Rukwied stellt sich morgen zur Wiederwahl. Im top agrar-Interview spricht er darüber, was der Verband aus den Bauernprotesten gelernt hat und wie er sich in der Agrarpolitik aufstellt.

top agrar: Sie kandidieren erneut für das Amt des Bauernpräsidenten. Wie wollen Sie den Berufsstand wieder einen?

Rukwied: Meines Erachtens sind wir im Deutschen Bauernverband mit seinen 18 Mitgliedsverbänden geeint. Die Stimmung in der Landwirtschaft ist seit längerer Zeit angespannt. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat im letzten Jahr der Vorschlag zum Aktionsprogramm Insektenschutz in Verbindung mit den ständigen Diskussionen um die Düngeverordnung und die Tierschutznutztierhaltungsverordnung. Das alles hat die Demonstrationen ausgelöst und Land schafft Verbindung (LsV) auf den Weg gebracht. Wir haben im Deutschen Bauernverband und in den Landesverbänden umgehend den Kontakt zu LsV gesucht und dort, wo es gewünscht war, auch unterstützt. Derzeit sind wir uns mit der Spitze von LsV im guten Austausch und bei vielen Einschätzungen und politischen Positionen weitgehend deckungsgleich.

Hat der Bauernverband an mancher Stelle ein Vakuum zu den Landwirten an der Basis gelassen, in das nun andere stoßen?

Rukwied: Das sehe ich nicht so. Es ist zu keiner Zeit ein Vakuum entstanden. Wir sind ein Verband, der von unten nach oben aufgebaut ist. Nachdem das Aktionsprogramm Insektenschutz veröffentlicht wurde, haben wir massiv dagegengehalten. Wenn ein DBV-Präsident von einem Offenbarungseid des Bundeslandwirtschaftsministeriums spricht, dann ist das schon ein deutliches Zeichen. Das war der klare Angriff und die Ansage, dass die Vorgehensweise inakzeptabel ist. Wir sind jetzt ein Jahr weiter und kommunizieren mittlerweile über WhatsApp-Gruppen und vieles mehr. Wir im Verband müssen von innen heraus wieder stärker werden und unsere Kommunikationswege weiter ausbauen. Wir hatten da Verbesserungsbedarf, aber wir haben einiges auf den Weg gebracht und arbeiten weiterhin intensiv daran.

Dennoch werden die Gruppen bunter und die Töne schriller. Wie stehen Sie zu Symbolen wie Schwert und Pflug?

Rukwied: Das lehne ich absolut ab. Ich habe vollstes Verständnis für den Unmut und die Verärgerung meiner Berufskollegen. Die Entscheidungen, die getroffen wurden, die Tierschutznutzierhaltungsverordnung, der Vorschlag für das Aktionsprogramm Insektenschutz, die Volksbegehren, Düngeverordnung, lassen Fachlichkeit vermissen. Ich bin überzeugter Demokrat und Europäer und ich halte nichts davon Symbole zu verwenden, die historisch belastet sind. Da müssen wir uns distanzieren, weil wir sonst unsere Reputation verlieren.

Wie wird die zukünftige Zusammenarbeit mit LsV aussehen?

Rukwied: Der Deutsche Bauernverband muss noch intensiver von unten nach oben arbeiten. Wir werden uns weiterhin mit LsV Vertretern treffen und uns austauschen. Wir schauen auch, wie wir die besten Nachwuchskräfte in die Verbandsarbeit integrieren können und wie diese sukzessive Führungsaufgaben übernehmen können.

Schon im letzten Jahr haben Sie sich dafür ausgesprochen, dass der Bauernverband „jünger und weiblicher“ werden soll. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um diesem Ziel näherzukommen?

Rukwied: Die Landesbauernverbände sollen erfassen, wo und an welcher Stelle Frauen bei ihnen Verantwortung tragen. Diese Damen wollen wir dann einladen und, wenn es Corona zulässt, in einer Präsenzveranstaltung einen Tag mit den weiblichen Führungskräften in den Austausch gehen. Die Vizepräsidenten und ich selbst werden dabei sein. Wir wollen diskutieren, welche Vorstellungen die Kolleginnen haben und welche Ansatzpunkte sie sehen, damit wir sie besser integrieren können. Der erste Schritt ist der intensive Austausch mit den schon aktiven Frauen im Bauernverband, um dann mit ihnen gemeinsam weitere Schritte gehen zu können.

Ihre Amtszeit als europäischer Bauernpräsident vor wenigen Wochen geendet. Wie zufrieden sind Sie mit dem Erreichten?

Rukwied: Die satzungsgemäße Amtszeit von zwei Jahren wurde 2019 auf einstimmigen Wunsch der Mitglieder um ein Jahr verlängert. Damit habe ich schon eine Zufriedenheit mit meiner Arbeit gespürt. Ich habe die Interessen aller europäischen Bauernverbände vertreten und war in den Mitgliedstaaten, um sie mit einzubinden. Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Es ist gelungen, in der Zeit einen Vorschlag für den mittelfristigen Finanzrahmen auf den Weg zu bringen, der Stabilität bedeutet. Im letzten halben Jahr sind wir mit...

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