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Ernte 2023: Lohnt sich das Einlagern von Getreide?

Die Ernte 2023 läuft bei sommerlichem Wetter nach Plan. Doch in der Vermarktung stochern viele Ackerbauern noch im Nebel. Welche Chancen bietet die angelaufene Saison?

Lesezeit: 4 Minuten

Unser Autor: Jan Peters, Peters Agrardaten GmbH

Das ist Nichts für schwache Nerven. Egal ob neue Gerste oder alt­erntigen Weizen: Nach dem langen Sinkflug der Getreidepreise trauern viele Erzeuger noch den verpassten Chancen aus 2022 hinterher. Doch seit dem vorläufigen Tiefpunkt Ende Mai (Matif-Weizen: 218 €/t) hat sich der Markt etwas erholt und eröffnet neue Chancen.

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Aktuell macht sich jedenfalls der sonst übliche Erntedruck kaum bemerkbar. Im Gegenteil: Wetterextreme in wichtigen ­Anbauregionen der Welt und die russischen Schikanen halten die Preise auf Trab. Ackerbauern und -bäuerinnen fragen sich angesichts wechselhafter Preise zu Beginn der neuen Saison 2023/24, welche Richtung die Preise nun einschlagen?

Vorräte „bedrohlich“ knapp

Üblicherweise geben die Angebots- und Nachfragedaten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) die Richtung vor. Die globalen Ernteerwartungen 2023/24 wurden am 12. Juli im Vergleich zum Vormonat herabgesetzt.

Im Mittleren Westen, aber auch in großen Teilen Europas war es im Frühsommer zu trocken, und die Niederschläge Anfang Juli konnten dies nur teilweise auffangen. Demnach ernten die Landwirte weltweit jetzt 797 Mio. t Weizen, während das USDA den Verbrauch bei knapp 800 Mio. t sieht.

Die Endbestände würden demnach um 1,5 % auf etwa 266 Mio. t schrumpfen. Damit sinken die Vorräte im vierten Jahr in Folge auf ein Niveau, das von Händlern inzwischen als bedrohlich bezeichnet wird. Das Bild einer weltweit eher knappen Versorgung mit Weizen verfestigt sich durch weitere Prognosen:

  • So schätzt der Internationale Getreiderat (IGC) die weltweite Weizenerzeugung sogar auf nur 786 Mio. t.
  • Auch gehen viele Analysten noch immer von recht hohen Getreideernten in der Ukraine aus. Wir rechnen hingegen mit einer um 40 % niedrigeren Ernte.
  • Für Deutschland erwartet der Deutsche Bauernverband (DBV) nun eine Getreideernte von 40,9 Mio. t (Vorjahr: 43,6 Mio. t).

Russische Exporte boomen

Fundamental spricht somit vieles für ein knappes Weizenangebot 2023/24. Was die Preise sowohl an der Terminbörse als auch am Kassamarkt deckelt, ist aber der aggressive russische Export.

Die Weizen­ausfuhren Russlands erreichten nach agrarfax-Informationen in der Saison 2022/23 einen Rekordwert von 48,5 Mio. t (Vorjahr 33 Mio. t). Das ist fast ein Viertel des globalen Weizenhandels.

Zum Vergleich: Die EU-27 lag im vergangenen Wirtschaftsjahr bei 18 % und die USA nur bei 11 %. Klar ist: Die Welt braucht den russischen Weizen, auch wenn die größten Mengen in wenigen Ländern wie Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien landen. Aktuell verlangsamt sich der Getreideexport allerdings, weil die russische Ernte nur schleppend voranschreitet und die Restmengen der alten Ernte überschätzt wurden.

Nadelöhr Konstanza

Ob und wie stark sich die Verknappung in den kommenden Wochen und Monaten auswirkt, hängt aber vor allem von den politischen Machtspielen Russlands ab. Sollte Moskau die ukrainischen Exporte über Odessa dauerhaft blockieren, werden hohe Versicherungsprämien und lange Wartezeiten die Frachtraten enorm hochtreiben. Alternativen wie der nächstgelegene Hafen im rumänischen Konstanza werden dann noch wichtiger.

Seit Kriegsbeginn ging ein Drittel der ukrainischen Getreideexporte über diesen Schwarzmeerhafen. Die Ware gelangt per Bahn und Binnenschiffen zur Donaumündung. Im Vergleich zu Odessa ist der Weg über Konstanza schon jetzt fast ein Viertel preiswerter. Kein Wunder also, dass in den ersten fünf Monaten dieses Jahres der Hafen 12 Mio. t Getreide umgeschlagen hat – ein Plus von 21 % gegenüber dem Vorjahr.

Doch Konstanza wird zunehmend zum Nadelöhr. Trotz Optimierung platzt der Hafen aus allen Nähten, weil auch Rumänien selbst dieses Tor zum Weltmarkt braucht.

Futtergerste gefragt

Solche logistischen Probleme kennen deutsche Ackerbauern glücklicherweise nicht. Dennoch sind auf dem hiesigen Markt die Handelsaktivitäten bisher etwas gelähmt. Ein Grund dafür ist, dass vergleichsweise wenige Landwirte Preise und Mengen vor der Ernte festgemacht haben. Etliche haben zudem ihre Düngemittel „zu früh“ zu hohen Preisen gekauft und tun sich nun schwer mit dem Verkauf.

Händler berichten, dass sich zumindest die Umsätze bei Gerste durch die Ernte beleben. Anbauer profitieren von einer regen Nachfrage der Spanier nach deutscher Ware. Dort gab es dürrebedingt erhebliche Ertragseinbrüche. Die Gersten-Qualitäten sind in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Während die Landwirtschaft im Westen und Süden Deutschlands eher zufrieden ist, lassen Erträge und Qualitäten im Norden zu wünschen übrig. Doch insgesamt fallen die Erträge mit 6 bis 9 t je ha leicht überdurchschnittlich aus.

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