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Rindermast hat Zukunft – aber wie?

Die Schlachterlöse für Jungbullen und Färsen sind auf ordentlichem Niveau. Das ist gut so, aber welches Potenzial hat die Rindermast langfristig?

Lesezeit: 6 Minuten

Unser Autor: Franz Langgartner, BBV Marktberichtstelle

Auf den ersten Blick ist die Welt für Rindermäster in Ordnung. In den vergangenen beiden Jahren ging es mit den Preisen kräftig nach oben: Jungbullen (U3) kosteten im Jahr 2022 im Durchschnitt ca. 5,10 €/kg SG und zeitweise wurden mit knapp 6 € je kg SG sogar neue Höchststände erreicht.

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Zum Vergleich: In den zehn Jahren zuvor dümpelten die Preise für Jungbullen und Färsen meist zwischen 3,20 und 4,00 €/kg SG (Handelsklassen U3) – eigentlich viel zu wenig für die meisten Mäster. Ist der aktuelle positive Preistrend somit der Beginn einer rosigen Zukunft in der Rindermast?

Kosten steigen deutlich

So einfach ist es nicht, denn die Erlöse sind nur die halbe Wahrheit. Gleichzeitig sind die Kosten für Betriebs- und Futtermittel sowie die Baukosten ebenfalls deutlich gestiegen. Wer heute einen konventionellen Bullenstall baut, muss bei Erlösen von unter 5 € pro kg SG erst gar nicht anfangen zu rechnen. Ob sich die Rindermast künftig rechnet, ist daher eine sehr betriebsindividuelle Frage und hängt von gesamtwirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Trends ab.

Weltweiter Wachstumsmarkt

Angebot und Nachfrage am globalen Rindfleischmarkt bilden dabei den Ausgangspunkt für eine umfassende Potenzialanalyse. Demnach liegt der weltweite Rindfleischverbrauch im Jahr 2022 bei rund 73,1 Mio. t und ist seit 2020 moderat um rund 3 % angestiegen. Die wachsende Weltbevölkerung sowie die höhere Kaufkraft in den Schwellenländern treiben die Rindfleischnachfrage.

In China nahm beispielsweise die Nachfrage so deutlich zu, dass Importeure mittlerweile mehr Rindfleisch als Schweinefleisch einführen. Global zieht die Rindfleischproduktion im Gleichschritt mit. Die Erzeugung wächst dabei vor allem in Südamerika, insbesondere in Brasilien. Für die europäische Produktion hat das weltweite Wachstum gleich zwei Vorteile: Es ergeben sich einerseits Absatzchancen. Andererseits lässt der Importdruck bei uns nach, weil die Südamerikaner bevorzugt Rindfleisch nach Asien liefern.

EU schrumpft

In Europa geht die Rindfleischproduktion hingegen zurück. Mit derzeit etwa 6,7 Mio. t wird der Verbrauch von 6,3 Mio. t aber weiterhin übertroffen. Auch in Deutschland verringert sich die Rindfleischerzeugung seit Jahren stetig. 2021 erzeugten deutsche Tierhalter demnach noch rund 1,1 Mio. t Rindfleisch, was etwa 100.000 t unter dem Verbrauch liegt und einem Selbstversorgungsgrad von 97 % entspricht.

Der Abwärtstrend ist auch in den Bestandszahlen abzulesen, die auf nur noch rund 11 Mio. Rindern gefallen sind. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Was erfreulicherweise bisher kaum schrumpft, ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Rindfleisch in Deutschland. In den vergangenen Jahren lag er recht stabil bei rund 10 kg je Einwohner.

Ausblick Verbrauch

Ob der Verbrauch auch weiterhin das Niveau halten kann, ist nicht sicher. Während global die Rindfleisch erzeugenden Länder auch künftig vor allem die Ernährungssicherheit und niedrige Produktionskosten im Blick haben, setzt man in Deutschland mittlerweile einen anderen Fokus. Tierhaltung und Fleischverzehr werden bei uns kontrovers diskutiert.

Meldungen über Kantinen oder Kindertagesstätten, die auf Fleisch zunehmend verzichten bzw. es sogar verbieten wollen, sind beispielhaft für die öffentliche Diskussion. Fakt ist aber auch: Trotz des Trends hin zum geringeren Fleischverzehr will eine überwiegende Mehrheit der Verbraucher nicht grundsätzlich auf Fleisch verzichten.

Klimadebatte

Das ist einerseits beruhigend. Andererseits verhindert es nicht, dass in der Landwirtschaft die Themen Klimaschutz und Tierwohl immer wichtiger werden. Immerhin führen Wissenschaft und auch Teile der Gesellschaft die Debatte um „Rindfleischerzeugung als Klimakiller“ zuletzt etwas differenzierter. Demnach ist für viele Experten die Tierhaltung ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Zudem liefert sie regionale Produkte („Fleisch der kurzen Wege“) und kann somit durchaus in der Klimaschutz-Diskussion punkten.

Tierwohl beim Konsum?

Gleiches gilt im Prinzip auch beim Thema Tierwohl. Die Rinderhaltung steht zwar bisher nicht im Fokus der öffentlichen Kritik, wird sich aber dennoch weiterentwickeln. Die Verbraucher ernähren sich bewusster und wollen zumindest teilweise wissen, wie Lebensmittel produziert wurden. Auch deshalb reagieren Konsumenten auf Schlagworte wie „Massentierhaltung“ und „Billigfleisch“ zunehmend sensibel.

Experten sind sich einig, dass Fleischverzehr in unserer Gesellschaft nur akzeptiert wird, wenn es an hohe Tierwohlstandards geknüpft ist. Wirtschaft und Politik reagierten darauf mit der „Initiative Tierwohl“ bzw. mit einem Plan für eine staatliche Haltungsformkennzeichnung. Letzteres ist in der Umsetzung jedoch noch so vage, dass es als Grundlage für unternehmerische Entscheidungen nicht ausreicht. Klar ist aber: Die Rahmenbedingungen für die Rinderhaltung werden sich verändern.

Knackpunkt beim Umbau der Tierhaltung ist die Finanzierung. Die Verbraucher honorieren den höheren Aufwand an der Ladentheke bisher leider nicht, sondern kaufen – anders als es Umfragen erwarten lassen – vor allem günstig ein.

Inflation bremst Rindfleisch

Erschwerend hinzu kommt aktuell die hohe Inflation, die die Kaufkraft schwächt, sodass Haushalte noch preisbewusster einkaufen. 2022 spiegelt sich das in der Fleischnachfrage der Privathaushalte bereits wider. Für das vergleichsweise teure Rindfleisch wird sogar der deutlichste Rückgang bei der Fleischmenge von ca. 11 % beobachtet. Die Absätze im Außer-Haus-Verzehr sind bei diesen Zahlen allerdings nicht berücksichtigt.

Marktexperten sehen in der aktuellen Kaufzurückhaltung beim Rindfleisch aber ein vorübergehendes Phänomen. Der Trend hin zu Tierwohl und mehr Regionalität ist durch die Krise nicht verschwunden. Das sehen im Übrigen auch die Lebensmittelhändler (LEH) genauso und halten an ihren Plänen fest, ab 2030 nur noch die Haltungsformstufen 3 und 4 im Frischfleischsortiment zu listen.

Hohe Investitionen nötig

Für die Tierhalter ist das ein Dilemma. Denn in den höheren Haltungsstufen setzt der LEH Außenklima und Auslaufmöglichkeiten voraus, die in der Rinderhaltung meist nur mit erheblichen baulichen Veränderungen umzusetzen sind. Wer will sich bei so unklaren Vorgaben und fehlender Planungssicherheit, auf das finanzielle Abenteuer Stallumbau oder sogar -neubau einlassen? Kein Wunder also, dass aktuell kaum jemand investiert. Selbst das Interesse an der Initiative Tierwohl bzw. QM+ ist unter Rinderhaltern gering, obwohl hierfür nur geringe Investitionen nötig wären.

Kein Königsweg

Für die Vermarktung gibt es vor diesem Hintergrund aktuell keinen Königsweg, sondern eher betriebsindividuelle Wege:

  • Vor allem im Süden gibt es zumindest die regionalen Qualitätsprogramme wie z. B. Geprüfte Qualität Bayern, die kleinere Zuschläge ohne große Investitionen ermöglichen.
  • Nicht zu vernachlässigen ist die traditionelle Vermarktung von Schlachtrindern über das Metzgerhandwerk. Der regionale und qualitätsbetonte Absatz kann sowohl für die Fleischerei als auch für den Rindermäster eine verlässliche Partnerschaft darstellen.
  • Der LEH setzt wegen der sinkenden inländischen Rinderbestände mittlerweile verstärkt auf langfristige Vertragsprogramme, um Qualität und Rohstoff zu sichern. Für den einen oder anderen Bullenmäster kann auch das die nötige Planungssicherheit geben.
  • Als spezielle Form der Rindermast ist die Fleischrinderzucht und Mutterkuhhaltung zu sehen. Die Vermarktung von Fleisch aus extensiver Haltung bzw. spezieller Rassen, wie z. B. Angus- oder Wagyu-Rindern, bietet in der Direktvermarktung oder Bauernhof-Gastronomie weiterhin Chancen, jedoch sind die betrieblichen und persönlichen Anforderungen hoch.
  • Neue Chancen für die Rinderhaltung ergeben sich in Kombination mit anderen Betriebszweigen wie zum Beispiel mit Biogas (BGA). Die anfallende Rindergülle bzw. der Festmist ist bei BGA-Betreibern sehr begehrt. Synergieeffekte bei der Nutzung des Fahrsilos bzw. Güllelagers liegen auf der Hand und verbessern die Wirtschaftlichkeit auf beiden Seiten.

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