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Naturprodukt unerwünscht

Schafwolle ist nichts mehr wert – Wollhändler Sturm voll bis unters Dach

Bei der Schafschur zahlen die Tierhalter seit einigen Jahren drauf - Wolle ist nichts mehr wert. Wohl dem, der überhaupt noch ein paar Cent bekommt. Und den Verarbeitern gehts nicht besser.

Lesezeit: 3 Minuten

Früher war der Verkauf der Schafwolle für die Schäfer noch Haupteinnahmequelle. Heute muss man dagegen schon suchen, um einen Abnehmer zu finden, der überhaupt noch etwas zahlt.

Landwirt Henning Hinz aus Westerhever (Kreis Nordfriesland) berichtet gegenüber dem NDR, dass er heutzutage noch 30 ct/kg bekommt. Für die 5 kg-Wolle eines Schafes also 1,50 €. Der Scherer nimmt pro Tier aber schon 3 €, es ist also ein Minusgeschäft. Trotzdem muss die Wolle seiner 2.000 Mutterschafe einmal im Jahr ab.

Die 10.000 kg Wolle im Jahr, die dabei anfallen, hat bis jetzt die Firma Friedrich Sturm GmbH angekauft - einer der größten Wollhändler Deutschlands. Aber seit September sind die drei Lager voll. "Noch ein Kilo mehr und das Dach wäre weggeflogen", sagt Gesellschafter John Rainer Semmelhaack dem NDR bei einer Besichtigung in Tönning. Irgendwann sei Feierabend. Man habe schon alle Ressourcen und externe Lager genutzt.

Wollgeschäft lohnt sich nicht mehr

Gegenüber dem NDR berichtet Wollhändler Semmelhaack, der auch mit Tierhäuten und -fellen handelt, dass er schon seit Jahren nicht mehr von der Wolle leben könne, wenn er nicht noch weitere Standbeine hätte. "Das Wollgeschäft ist seit mindestens drei Jahren hochgradig defizitär", sagt er. "Der Lkw kostet, die Presse kostet, der Strom kostet, der Mitarbeiter kostet. Und selbst den Minimumerlös, den die Kosten ausmachen, können wir heute nicht mehr erwirtschaften." Denn der Markt für deutsche Schafswolle ist fast komplett zum Erliegen gekommen.

Als Naturprodukt sei Wolle etwas kompliziert in der Verarbeitung. Fast Fashion schüttele sich, wenn sie Naturwolle sehen. Denn für die Massenherstellung braucht es uniforme Produkte. Aber jedes Schaf ist anders, und die Lieferketten für Wolle sind extrem lang. China, das größte Wollverarbeitungsland für die Textilindustrie, hat deshalb seit rund fünf Jahren immer weniger Wolle aus Deutschland gekauft. Während Corona kam der Handel dann durch den Lockdown ganz zum Erliegen. Neben Kunstfasern machen feinere Wollarten aus Übersee der deutschen Schafswolle immer mehr Konkurrenz. Merinowolle aus Neuseeland oder Australien wird immer beliebter, erklärt er dem Sender.

Wolle als Abfallprodukt

Schafhalter Hinz hat noch Glück, dass er überhaupt noch Geld bekommt. Viele bekommen für ihre Wolle mittlerweile gar nichts mehr. Kleinere Halter müssen die Wolle sogar schon kostenpflichtig entsorgen.

In Nordrhein-Westfalen etwa berichtet ein Halter gegenüber top agrar, dass er seine Wolle nach der Aufgabe eines regionalen Wollsammlers nur noch beim Recyclinghof entsorgen konnte – kostenpflichtig natürlich. Zwei Jahre durfte er sie auf den Bioabfallhaufen werfen, bis auch das 2023 nicht mehr ging. Der Weiterverarbeiter hatte sich beschwert, dass die Häcksler verstopfen. So blieb nur der Weg über den Restmüll.

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