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Trendwende auf dem Getreidemarkt: Wie Landwirte jetzt reagieren sollten

Wenige Wochen vorm Erntestart sind die Preise für Weizen, Gerste und Co. nach dem langen Sinkflug endlich angezogen. War das ein Strohfeuer oder kommt nun die Trendwende?

Lesezeit: 6 Minuten

Das hat bei vielen Analysten und auch bei Landwirten, die noch Reste ihrer Ernte 2022 vermarkten mussten oder über Vorverkäufe nachdachten, für Fragezeichen gesorgt: Bis Ende Mai standen die Getreidekurse und -erzeugerpreise weiter unter Druck und sackten teils auf das Niveau vor dem russischen Überfall auf die Ukraine ab.

Zum Monatswechsel wendete sich dann das Blatt, und die Weizen-, Mais- und Rapskurse zogen spürbar an: An der Terminbörse Matif legte der vordere Weizen binnen weniger Tage um rund 20 €/t zu, Raps stieg sogar um rund 40 €/t und notierte zuletzt mit 425 €/t wieder deutlich über der wichtigen 400 €-Marke. Was sind die Gründe für den plötzlichen Kurswechsel, und wie sollte man als Ackerbauer jetzt reagieren?

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SCHNELL GELESEN

Der Ukrainekrieg hat die Getreidemärkte weiter fest im Griff.Fast jede Nachricht lässt die Kurse ausschlagen.

Ob sich die Ernteprognosen in Europa und Deutschland erfüllen, ist angesichts verbreitet hoher Temperaturen und Trockenheit längst nicht sicher.

Die Getreidepreise könnten davon profitieren und eine Einlagerung vonTeilen der Ernte kann sich lohnen.

Kurse wieder im Plus

Die hohen Weizenexporte aus Russland setzten in den vergangenen Monaten den Markt immer wieder unter Druck. Im Mai wurden rund 3,8 Mio. t Getreide aus Russland exportiert (Vj. 1,2 Mio. t). Mitte Mai drückte die ­Verlängerung des Getreideabkommens über ukrainische Exporte durchs Schwarze Meer die Kurse an der Matif und am Kassamarkt weiter ins Minus. Für die zeitweise Trendwende und steigende Kurse sorgten dann ab Anfang Juni vor allem drei Ereignisse:

  • Infolge der Zerstörung des Kachowka-Staudamms in der Südukraine zogen die internationalen Getreidekurse kurzzeitig deutlich an. Der Damm war eine wichtige Quelle für die Bewässerung im Süden von Cherson und auf der Halbinsel Krim. Wie groß die Verluste in Bezug auf die Weizenproduktion tatsächlich sein werden, war zuletzt aber noch nicht abzusehen.
  • Meldungen über Verzögerungen in der Umsetzung des Schwarzmeer-Getreideabkommens treiben die Getreidepreise in Paris zusätzlich. Im Mai sollen laut Angaben der UN lediglich 33 Schiffe aus den ukrainischen Häfen ausgelaufen sein – halb so viel wie im Vormonat.
  • Die weitere Zukunft des Getreideabkommen war zuletzt ebenfalls wieder offen. Russland sollte in diesem Zusammenhang der Transit von gasförmigem Ammoniak ans Schwarze Meer gewährt werden. Die Zerstörung der dafür vorgesehenen Pipeline dürfte die Verhandlungen nicht vereinfachen.

Die genannten Punkte haben an den Getreidemärkten für Nervosität gesorgt und die Kurse zeitweise und stark steigen lassen. Bei Redaktionsschluss ruderten die Kurse wieder leicht zurück. Dafür rückte die Ernte 2023 stärker in den Fokus. In Deutschland sorgte die erste heiß-trockene Wetterphase des Jahres verbreitet für Ertragssorgen.

Erfüllen sich die Ernteprognosen?

Global gesehen waren Anfang Juni die Aussichten auf gute Ernten auf der Nordhalbkugel relativ optimistisch. Jedoch mehrten sich die Meldungen über fehlende Niederschläge in Nordeuropa und der Ukraine. Das Beratungsunternehmen APK-Inform warnte bereits von möglichen Einbußen beim ukrainischen Getreide. Der Winterweizen befinde sich aktuell zwar noch verbreitet in gutem Zustand, doch das anhaltend trockene, heiße Wetter könnte Auswirkungen auf die Erträge haben.

Aus den USA wurden zuletzt günstige Prognosen für die Weizenernte in den Vereinigten Staaten gemeldet. Im „Corn Belt“ litt der junge Mais dagegen unter andauernder Trockenheit und Hitze, sodass zuletzt nur 64 % der Bestände in gutem bis ausgezeichnetem Zustand waren (Vorjahreszeitpunkt: 73 %). Bei Redaktionsschluss waren aber Niederschläge für den Mittleren Western der USA angekündigt, was prompt Druck auf die Kurse in Chicago auslöste.

Aus China kommen derweil kurstreibende Meldungen, die aber naturgemäß mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor belegt sind: Massive Niederschläge (angeblich ein Zehnjahres-Rekord) in der größten Anbauregion für Weizen Henan lassen dort nicht nur die Sorgen um erhebliche Ernteeinbußen wachsen, sondern verbreitet auch die abreifenden Bestände auf dem Halm keimen. Zwischen 10 bis 20 Mio. t Getreide sollen von Auswuchs betroffen und damit für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet sein. Insgesamt könnte Chinas Weizenernte um bis zu 30 Mio. t kleiner ausfallen als bislang prognostiziert (ca. 137 Mio. t). Wie zuverlässig die Schätzungen aus Peking sind, ist oftmals nicht sicher.

Für heimische Getreideanbauer dürfte der Blick auf Europa und Deutschland kurz vorm Erntestart entscheidender sein.In Europa gehen die aktuellen Schätzungen von durchschnittlichen bis guten Ernten aus. Der EU-Dachverband des Getreidehandels Copa-Cogeca rechnete zuletzt optimistisch mit einer knapp 5 % größeren Getreideernte in der EU-27 und erwartete rund 277 Mio. t EU-Getreide. Bei Gerste und Hartweizen wird mit einem Rückgang von 2,3 % bzw. 7,1 % gegenüber dem Vorjahr gerechnet, während die Analysten für Weichweizen eine Erntemenge von 128 Mio t voraussagen (+ 2,8 %).

Aus Frankreich kamen zuletzt Meldungen, dass 91 % der Weichweizen-Bestände mit gut bis ausgezeichnet bewertet werden. Dies war zwar ein Rückgang von zwei Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche, jedoch insgesamt immer ein deutlich besserer Wert als zum Vorjahreszeitpunkt, als nur rund zwei Drittel der französischen Weizenbestände in diese Kategorien fielen.

Deutsche Ernte auf Vorjahreshöhe?

Mitte Juni waren allerdings auch aus Frankreich zunehmend Nachrichten über Trockenheit und Hitze in den Getreideanbaugebieten in der Nordhälfte des Landes zu vernehmen. Für Deutschland ging der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) zuletzt weiter von einer Getreideernte in Höhe von 43,3 Mio. t aus. Das würde dem Vorjahresniveau entsprechen.

Laut DRV-Marktexperte Guido Seedler stellte sich die Wasserversorgung der Getreidebestände Ende Mai noch insgesamt gut bis befriedigend dar. Aber auch in Deutschland nahmen zuletzt in immer mehr Regionen die Sorgen über die Frühsommertrockenheit zu. Insbesondere im Nordosten ist seit April zu wenig Regen gefallen. Ob es zu verbrei­teten Qualitäts- oder Ernteeinbußen kommt, werden die nächsten Wochen zeigen.

Nicht vorschnell verkaufen

Die Preise für Weizen hatten sich zuletzt auf dem Niveau von vor Februar 2022 eingependelt. Am Kassamarkt blieben die Handelsaktivitäten wenige Wochen vor der Ernte ruhig. Vor allem die Mischfutterindustrie wartete auf die neue Ernte und handelte Getreide weiterhin meist „von der Hand in den Mund“. Futtergerste wurde dagegen teilweise noch gut nachgefragt, wobei sich dies auch regional sehr unterschiedlich gestaltete.Auch die neue Ernte wurde von Käufern zuletzt nur sehr moderat nachgefragt. Nicht nur die Ertragsmengen sind unklar, noch größere Fragezeichen gibt es bei den Qualitäten: Die Witterung im Juni wird entscheiden, ob sich die Ernteerwartungen bestätigen und ob bessere Qualitäten verfügbar sein werden.

Aus jetziger Sicht ist auch nicht ausgeschlossen, dass noch Ware aus der alten Ernte überlagert wird, allerdings regional unterschiedlich.Momentan empfehlen Händler, die Wettersituation in der Ukraine und Nordeuropa abzuwarten. Sollte es bei dem Niederschlagsmangel bleiben, dürften die Preise anziehen. Viele Analysten raten aus diesem Grund nicht zu Vorverkäufen.

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