Ärger im Ahrtal

Fluthelfer Markus Wipperfürth weist Kritik zurück

Lohnunternehmer Wipperfürth erlangte durch seine Hilfe an der Ahr große Bekanntheit. Als „Besatzer“ stehen er und ein weiterer Unternehmer nun in der Kritik. Wir haben mit Wipperfürth gesprochen.

Markus Wipperfürth war einer der ersten Helfer nach der Flutkatastrophe an der Ahr und ist seither der wohl bekannteste. Mit seiner enormen Reichweite in den sozialen Medien hat er viele weitere Helferinnen und Helfer motiviert. Hunderte, wenn nicht tausende haben sich auf den Weg in die von der Flut zerstörten Orte in NRW und Rheinland-Pfalz gemacht.

Vor allem in den ersten Wochen nach der Flut koordinierte Wipperfürth die Hilfsarbeiten rund um die Orte Altenahr und Walporzheim – mit seinem Handy und mithilfe seiner 450.000 Anhänger auf Facebook. Besonders etliche Landwirte konnte der Lohnunternehmer aus der Nähe von Köln dazu bewegen, mit schwerem Gerät anzurücken – top agrar begleitete einige von ihnen. In den Wochen nach der Flut beklagte Wipperfürth immer wieder eine schlechte Koordination vonseiten der örtlichen Verwaltung.

Fluthelden als „Besatzer“?

In Medienberichten des Nachrichtenportals t-online sowie der Rhein-Zeitung aus Koblenz wird nun Kritik an Wipperfürth und an Wilhelm Hartmann laut. Der selbsternannte „Azubi“ Hartmann ist ein Gartenbau-Unternehmer aus dem hessischen Fulda, der ebenfalls seit Tag eins an der Ahr anpackt. Von „Besatzern“ und zu starker Einflussnahme ist nun die Rede. Die beiden Fluthelden und die betreffenden Journalisten leisten sich derweil Wortgefechte via Facebook und Co. Woher kommt der Ärger an der Ahr?

Fakten geschaffen

Die Vorwürfe gegen Wipperfürth und Hartmann teilen sich in zwei Kategorien.

Der erste Vorwurf: Die beiden ließen sich mittlerweile von geschäftlichen Interessen leiten. Sowohl Wipperfürth als auch Hartmann hätten mittlerweile bezahlte Aufträge an der Ahr angenommen. Hartmann habe Wohncontainer ohne Absprache mit den lokalen Behörden direkt am Ahrufer aufsetzen lassen. Um die Finanzierung ist ein Streit entbrannt. Gleiches galt für ein großes Zelt, das sich als Umschlagplatz für Baumaterialien etabliert hat. Der Fortbestand des Zeltes ist mittlerweile an anderer Stelle gesichert.

Haben die Fluthelfer Shitstorms ausgelöst?

Der zweite Vorwurf wiegt ebenfalls schwer: Laufe etwas nicht so, wie es Wipperfürth und Hartmann passe, würden beide ihre enorme Anzahl an Abonnenten in den sozialen Medien nutzen, um öffentlich Druck auf politische Entscheider auszuüben. Das gipfelte in öffentlichen Shitstorms auf ehrenamtliche Kommunalpolitiker. Wipperfürth und Hartmann schürten Unverständnis und schafften es immer wieder, alle Helfer als Zielscheibe von Kritik darzustellen, wenn vor allem sie gemeint sind, so t-online.

Wipperfürth weist Kritik zurück

Gegenüber top agrar weist Wipperfürth die Vorwürfe zurück: Die Einnahmen aus einem Online-Shop und Facebook-Werbung seien komplett an die Flut-Opfer gegangen. „Im Rahmen von Facebook-Werbung habe ich gut 200.000 € eingenommen. Vom Online-Shop kommen nochmal 175.000 € dazu. Abzüglich Steuern ist dieses Geld komplett den Flutopfern zugutegekommen. Da bin ich absolut transparent und die Zahlen lagen dem Online-Portal sogar vor“, sagte Wipperfürth am Donnerstag gegenüber top agrar.

Bereichern wolle er sich nicht. „Ich bin da, um zu helfen“, sagt er im Gespräch mit top agrar. Allein sein schwarzer Fendt-Traktor, der zum Symbol für die Hilfe der Landwirte geworden ist, habe seit Juli ca. 1100 Stunden im Ahrtal geleistet – davon 600 unentgeltlich. Wenn er sich an öffentlichen Ausschreibungen beteilige, laufe das nach dem üblichen Vergabeverfahren.

Fendt 724

Wipperfürths Fendt im Einsatz am Ahrufer in Walporzheim (Bildquelle: Kockerols)

Von Berichterstattung geschockt

Der Bericht auf dem Nachrichtenprotal t-online hätte Wipperfürth auf dem Weg in den Urlaub überrascht. Auch das Wort „Besatzer“ macht ihn fassungslos. „Da denke ich an die Situation in der Ukraine oder sonst was“, zeigt sich Wipperfürth entsetzt. Mittlerweile hat er einen bekannten Kölner Medienanwalt eingeschaltet.

„Hier im Ahrtal kommt uns nach wie vor ausschließlich Dank entgegen. Die Leute haben regelrecht Angst, dass wir Helfer hier abziehen“, weist er den Besatzer-Vorwurf zurück. Einzelne Akteure wollen ihn und Hartmann „mundtot machen“, fürchtet der Lohnunternehmer aus dem rheinischen Pulheim.

Auf Distanz zu „Extremisten“

Unter seinen 450.000 Facebook-Anhängern gebe es auch schwarze Schafe. „Aber im Internet weise ich immer wieder auf die Nettiquette hin. Kommentare von Extremisten lösche ich auf meiner Seite“, stellt er klar. Für deren Verhalten gegenüber anderen Akteuren im Netz könne er nichts. Ohnehin überwiegt für Wipperfürth das Gute in seiner Online-Community. Tausende Menschen seien seinen Aufrufen an die Ahr gefolgt: „Mittlerweile haben wir Baumaterialien im Wert von über 5 Mio. € über das von Wilhelm Hartmann initiierte Baustoffzelt vermitteln können.“

Wie weiter an der Ahr?

Sein Engagement an der Ahr will Wipperfürth fortsetzen. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden, den Betroffenen und anderen Helfern plant er, das Ahrtal zu begrünen. Sowohl mit einer Grassämaschine als auch mit Blumen. Darüber hinaus sollen 75 große Bäume vom Niederrhein ins Ahrtal gebracht werden. „Dazu brauchen wir noch einmal Landwirte mit Strohanhängern“, erklärt Wipperfürth. „Die Lieferung soll im Konvoi geschehen. Das wird eine tolle Aktion - auch für die Landwirtschaft“, ist sich Wipperfürth sicher.


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