#grueneVier - gegen den Hunger

Landwirte starten Protestaktion gegen 4 % Flächenstilllegung der GAP

Bauer Willi und LSV rufen dazu auf, grüne Vieren aufzustellen, um gegen die 4 % Stilllegungspflicht zu protestieren. Landwirte kündigen damit öffentlich den „zivilen Ungehorsam" an.

Angesichts des Ukraine-Krieges wird die geplante Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wieder auf den Prüfstand gestellt. Hinterfragt wird insbesondere die ab 2023 geltende Pflicht zur Stilllegung von 4 % der landwirtschaftlichen Fläche. Für Willi Kremer-Schillings, bekannt als Bauer Willi, ist das „angesichts der kommenden vorhersehbaren Hungerkrise in vielen armen Ländern der Welt ein nicht erklärbarer Wahnsinn“ und ruft daher zu einer Protestaktion auf: #grueneVier - gegen den Hunger

Wir Landwirte kündigen hiermit öffentlich den zivilen Ungehorsam an!“

„Wir Landwirte kündigen hiermit öffentlich den zivilen Ungehorsam an, indem wir uns an diese Vorschrift nicht halten werden. Wir werden gegen das Gesetz auf all unseren Ackerflächen somit illegal Lebensmittel anbauen. So lange, bis sich die Ernährungssituation wieder normalisiert hat“, schreibt er auf seinem Blog.

Grüne Vieren als Symbol aufstellen

Die teilnehmenden Landwirte werden auf ihren Feldern eine grüne Vier aufstellen und beispielsweise ihre Fahrzeuge damit kennzeichnen. Es soll als äußeres Zeichen und als Hinweis an die EU-Kommission gelten, die Flächenstilllegung zeitweise auszusetzen.

Auch bäuerliche Organisationen, Lebensmittel-Verarbeiter und alle Mitbürger seien herzlich aufgerufen, sich an dieser Aktion zu beteiligen und das Zeichen zu verwenden. Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit.

Für jeden Hektar eine Spende von 150 €

Landwirte würden mit der Aktion ihre Verantwortung wahrnehmen, die aufziehende Hungersnot, die vor allem die Ärmsten betrifft, so weit wie möglich abzumildern. „Verhindern werden wir es wohl nicht können“, so Bauer Willi. „Wir werden aber für jeden Hektar, den wir vorsätzlich und ungesetzlich für Lebensmittel und Nahrung bearbeiten, den Betrag der zukünftigen EU-„Einkommensgrundstützung“ von 150 € an das Konto des UN World Food Programme spenden.

Auch der Verein Land schafft Verbindung verkündigte, die Aktion unterstützen zu wollen. Sie rufen ihre Kollegen dazu auf, sich daran zu beteiligen.

Zum Hintergrund: Die beschlossene EU-weite Flächenstilllegung würde bedeuten, dass die Ackerflächen von Österreich, Niederlanden, Belgien, Portugal und Luxemburg zusammen ab diesem Herbst nicht mehr genutzt werden dürfen. Das sind zusammen rund 4,22 Mio. Hektar oder 6 Mio. Fußballfelder, so Bauer Willi. Mit dem Durchschnitts-Ertrag der EU von 6,1 t/ha Weizen könnten auf dieser Fläche 25,7 Mio. t Weizen bereitgestellt werden. Der Importbedarf von Ägypten, Marokko, Tunesien, Algerien und Äthiopien beträgt zusammen pro Jahr 28,5 Mio t, so die Rechnung des Agrarbloggers.


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