Mehr Auflagen, weniger Prämie

EU-Agrarreform: Die GAP ab 2023 im Überblick

Die deutsche Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik steht in weiten Teilen. Welche Regelungen gelten ab 2023?

Damit hatte kaum noch jemand ­gerechnet: In einer ganz großen Koalition haben sich CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne noch unter der alten Bundesregierung auf die Umsetzung der EU-Agrarreform in Deutschland geeinigt. Aktuell verhandeln die Bundesländer im Bundesrat über letzte Änderungen an den Verordnungen zur Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

150 bis 160 € pro Hektar

Bis zum neuen Jahr kann es also noch zu kleineren Änderungen an den GAP-Verordnungen kommen. Schon jetzt ist klar: Die Basisprämie wird auch ab 2023 den größten Anteil an der För­derung ausmachen. In Deutschland können Landwirte dann mit einer Basisprämie in Höhe von 150 – 160 €/ha rechnen (Übersicht 1).

4 % Stilllegung

Wer Prämienempfänger bleiben will, muss künftig mehr für Umwelt- und Klimaschutz tun als bisher. Unter dem Schirm der „erweiterten Konditiona­lität“ fasst die EU ab 2023 die Auflagen der Cross Compliance und des Greenings zusammen und geht an einigen Stellen über sie hinaus.

Unter anderem sollen Landwirte 4 % ihrer Ackerflächen als nichtproduktive Flächen vorhalten. Diese Flächen müssen die Betriebe stilllegen und ab dem Ernetezeitpunkt der Vorkultur „der Selbstbegrünung“ überlassen. Eine Begrünung über eine Aussaat schlossen die Länder im Bundesrat in der Mehrheit aus.

Landschaftselemente können sie anrechnen lassen. Darüber hinaus dürfen Landwirte auch künftig kein umweltsensibles Dauergrünland umbrechen. Ausgenommen sind Landwirte, deren Betriebsfläche zu mehr als 75 aus Dauergrünland besteht oder zur Produktion von Ackerfutter dient. Auch Betriebe mit einer Betriebsfläche, die kleiner als 10 ha ist, fallen nicht unter die Stilllegung.

Zusätzlich gilt eine Mindestbodenbedeckung von Ackerflächen im Winter. Weiterhin gilt ab 2023 ein verpflichtender Fruchtwechsel auf Ackerflächen. Ausgenommen sind Betriebe mit weniger als 10 ha Ackerland und Landwirte mit mehr als 75 % Grünlandanteil sowie einer Ackerfläche von weniger als 50 ha. Auf höchstens der Hälfte des Ackerlands eines Betriebes kann ein Fruchtwechsel auch durch den Anbau einer Zwischenfrucht oder die Begrünung infolge einer Untersaat in einer Hauptkultur erbracht werden.

Entlang von Gewässern sind Landwirte dazu verpflichtet, 3 m breite Pufferstreifen anzulegen, auf denen sie keine Pflanzenschutz- oder Düngemittel ausbringen dürfen. Für gewässerreiche Regionen sind Ausnahmen im Gespräch. Da, wo Randstreifen durch die Dünge- oder der Pflanzenschutzverordnung vorgeschrieben sind, bleiben diese erhalten.

Attraktive Öko-Regeln?

Ab 2023 steht den deutschen Landwirten rund 1 Mrd. € aus dem Budget der GAP für freiwillige, einjährige Umweltmaßnahmen, die sogenannten Öko-Regelungen, zur Verfügung. Sie gelten als die große Neuerung der EU-Agrar­reform. Landwirte sollen damit die ­gekürzten Direktzahlungen aufbessern können. Wer beispielsweise statt 4 künftig 5 % seiner Ackerflächen stilllegt, bekommt die zusätzliche Stilllegung mit 1 300 €/ha als Öko-Regelung entlohnt. Für die Anwendung einer fünfgliedrigen Fruchtfolge mit 10 % ­Leguminosenanteil sieht die GAP-­Verordnung 30 €/ha Ackerfläche vor. Übersicht 2 zeigt die weiteren, vom Bundeskabinett der alten Bundesregierung geplanten, Prämienhöhen.

Forscher der Fachhochschule Soest haben im Auftrag des Deutschen Bauernverbandes ein Gutachten vorgelegt, in dem sie die Kosten für bestimmte Öko-Regelungen berechnet haben. Das Ergebnis: Vor allem auf Gunststand­orten liegen die Kosten oft weit über der vom Bund geplanten Vergütung.

Für Landwirte, die Weidetiere halten, gibt es künftig gekoppelte Prämien für Mutterkühe, -schafe und -ziegen. Pro Mutterkuh setzt das Landwirtschaftsministerium rund 78 € für das An­tragsjahr 2023 an. Für Mutterschafe und -ziegen gibt es pro Tier gut 35 €.

Im Gegensatz zur Basisprämie wächst die Junglandwirteförderung deutlich. Die EU macht den Mitgliedstaaten die Vorgabe, 3 % der Mittel aus der ersten Säule für Junglandwirte zur Verfügung zu stellen. Das resultiert in einer Prämie von ca. 115 €/ha für maximal 120 ha für Landwirte unter 40 Jahren.

Was kommt in Säule zwei?

Während der Bund das Gerüst für die erste Säule der GAP nun aufgestellt hat, blicken Landwirte und ihre Inte­ressenvertreter gespannt auf die künftigen Agrar-, Umwelt- und Klimamaßnahmen der zweiten Säule. Hierfür sind die Bundesländer zuständig. Die Hoffnung vieler Landwirte: Dass die Angebote deutlich lukrativer ausfallen als die für die Öko-Regelungen.


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