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topplus "Schnitzel oder Tofu"

Warum die Zukunft des Fleischkonsums nicht von Veganern bestimmt wird

Die Tierwohldiskussion vergisst zu oft die Lebensrealität vieler Menschen in Deutschland und könnte deshalb scheitern, sagt der Kulturwissenschaftler Prof. Gunther Hirschfelder im "Blick von außen".

Lesezeit: 3 Minuten

Tierwohl steht ziemlich hoch im Kurs. Im öffentlichen Raum, in den Medien und im Internet: Von überall schallt ein lauter Ruf nach optimalem Tierschutz, gesundem Leben und freiwilligem Verzicht. Wer in diesen Chor einstimmt steht immer auf der richtigen Seite – wer kann schon etwas gegen eine bessere Welt haben? Diese Stimmung stellt die Politik vor eine schwierige Aufgabe, denn sie muss der Mehrheit gefallen und gleichzeitig die Wirklichkeit gestalten.

Unter dieser Prämisse ist die Aufgabe unmöglich. Beim Streit um das Tierwohl und das „richtige“ Essen geht es nämlich nicht nur um Mitgeschöpf und Ernährung. Vielmehr handelt es sich um eine Stellvertreterdiskussion. Die Gesellschaft des globalen und digitalen 21. Jahrhunderts ist nicht mehr nach Schicht und Klasse organisiert; vielmehr sind die Lebensstile prägend, und der wichtigste Lebensstil ist die Ernährung. Essen ist Symbol und Leitnarrativ, Schnitzel oder Tofu sind Bekenntnisse. Über Tiere sprechen und Tiere essen – das sind für viele eben zwei Paar Schuhe. Deshalb ist der Fleischverbrauch in den letzten zehn Jahren auch nur um circa 16 % gesunken.

So unterschiedlich sind die Verbraucher

Fünf Gruppen lassen sich identifizieren. Erstens: Überzeugte Vegetarier und Veganer; moralisch-ethisch motiviert, jung, akademisch, urban, weiblich. Für sie ist Fleisch Symbol für Weltzerstörung und Tierleid. Anders halten es die Angehörigen der zweiten Gruppe. Ihnen ist die Ethik egal. Energieintensiver Lebenswandel, Fleisch aus Uruguay oder Garnelen aus Argentinien. Da heißt es dann: „Ich nehme mir, was ich will.“

Noch größer ist die dritte Gruppe, die Überforderten: Zu viel Informationen über Landwirtschaft und vor lauter Alltagssorgen keine Aufmerksamkeit, das zu verarbeiten. Die Folge: Resignation und ein Konsummuster, bei dem Fleisch weiterhin eine große Rolle spielt. Gleich groß dürfte die vierte Gruppe der Un-Informierten sein. Viele Migrierte oder auch deutsche Bildungsferne wissen kaum etwas von den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Umwelt, und das bewährte Fleisch wird gekauft, wenn es preisgünstig ist (also ziemlich oft). Der fünfte Typ, die moderate Mitte, das ist nur noch ein Drittel der Bevölkerung. Da sehen wir leicht sinkenden Konsum, aber auch Akzeptanz für höhere Preise.

Politik darf nicht belehren

Politik hat nur Erfolg, wenn sie nicht belehrt und erkennt, dass die Konsumenten gute strukturelle Gründe für ihr Verhalten haben und auch die demokratisch verbriefte Freiheit zu essen was sie wollen.

Und die Zukunft? Fleisch wird teurer, der Konsum wird entdemokratisiert. Die Hälfte der Bevölkerung will durchaus am hohen Fleischkonsum festhalten. Daher werden wir größere Preissensibilität und Toleranz bei Qualität, Nachhaltigkeit und Tierwohls sehen. Knapp ein Drittel bleibt bei der bisherigen Nachfrage, will aber mehr Nachhaltigkeit und Tierwohl. Und jeder Fünfte wird massiv gegen Fleischproduktion vorgehen. Aber die Skandalisierung von Fleischproduktion und Tierhaltung wird nachlassen. Andere Themen rücken eben nach vorne: Verteidigung, Wirtschaft, Energie, Biodiversität.

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