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topplus Mit 6 Praxistipps von Lesern

So gehen die top agrar-Leser mit Rückschlägen um

Viele Zuschriften machen Mut, trotz Rückschlägen weiterzumachen. Andere zeigen, wie sehr Landwirte unter Druck stehen. Hier Ergebnisse und Tipps aus der Umfrage zur Fehlerkultur in der Landwirtschaft.

Lesezeit: 6 Minuten

Zuerst einmal die positive Nachricht: Die Mehrheit von 77% der top agrar-Leser reagiert auf Rückschläge, Fehlinvestitionen und gescheiterte Projekte auf dem eigenen Betrieb anscheinend gelassen. Abgefragt haben wir unter dem Stichwort „Fehlerkultur in der Landwirtschaft", wie Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter zum Beispiel beim Aufbau neuer Betriebszweige und Standbeine mit Rückschlägen umgehen.

Die Antwortmöglichkeit „Wer Neues probiert, macht eben Fehler. Das ist normal und daraus kann man lernen" war die mit Abstand meist angeklickte Option. 77% der insgesamt 1.080 Teilnehmenden klickten auf topagrar.com und im Sozialen Netzwerk instagram diese Antwort an.

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Immerhin 10% der Umfrageteilnehmer sieht die Verantwortung für Fehler hingegen beim einzelnen Mitarbeiter. "Wer was verbockt, muss dafür die alleinige Verantwortung übernehmen" blieb knapp die am wenigsten angeklickte Antwortmöglichkeit.

"Schuster, bleib bei deinem Leisten" - nach diesem Motto versuchen 13% der Befragten offenbar von vornherein Fehler zu vermeiden, indem sie nur tun, was sie gut können. So klickten diese Leser an "Wir bleiben lieber gleich bei dem, was wir gut können, und vermeiden damit Fehler."

Zur Umfrage

Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Sie muss vor dem Hintergrund gelesen werden, dass Befragte manchmal die Antwort anklicken, von der sie denken, dass sie „erwünscht" ist.

Neben dem ungefähren Meinungsbild, das die Multiple-Choice-Fragen abbilden, geben also gerade die persönlichen Zuschriften tiefere Einblicke (siehe unten).

10% haben nach Rückschlag „genug von Experimenten"

Bei der zweiten Frage „Haben Sie mal ein neues Standbein aufgebaut, das Sie wieder einstampfen mussten?" unterscheiden sich die Erfahrungen der Befragten weniger deutlich voneinander. Auf drei von vier Antwortmöglichkeiten fallen jeweils rund 30% der noch 836 Umfrageteilnehmer. Am auffälligsten ist noch, dass 10% nach einem gescheiterten Versuch, ein neues Standbein aufzubauen, nun „genug von Experimenten" hat.

6 Tipps von top agrar-Lesern im Umgang mit Fehlinvestitionen

Die top agrar-Umfrage bot neben den Multiple-Choice-Antworten die Möglichkeit, sich (ggf. anonym) an die Redaktion zu wenden und von seinen persönlichen Erfahrungen mit Rückschlägen zu berichten. Hier erhielten wir sowohl Mut machende Beispiele als auch bewegende Geschichten von Betriebsleitern, die nach einem Invest in ein neues Standbein nun unter finanziellem Druck stehen. Die besten Tipps finden Sie hier:

Tipp 1: Abwarten

Mehrere Leser waren sich einig darüber, dass neue Ideen und Standbeine, aber auch in Eigenregie umgebaute Maschinen sowie innovative Ackerbautechniken Zeit brauchen. Ein Ackerbauer ermutigt beispielsweise in seiner E-Mail, „nicht gleich wieder zurückzurudern", wenn es auf Anhieb nicht gleich klappt. Der Landwirt habe z.B. seine Bewässerungstechnik selbstständig weiterentwickelt, „was erst nicht ganz rund lief und wie immer viel Zeit gekostet hat". Aber dann habe es sich im Laufe der Jahre weiter verbessert - und heute habe er ein Patent darauf angemeldet.

In einer anderen Zuschrift berichtete ein Obstbauer aus dem alten Land darüber, dass er einen hohen fünfstelligen Betrag in eine sogenannte Clubapfelsorte investiert habe, die erst gehypt wurde, sich dann aber als Flop erwies. Doch bevor er die Fläche rodet, umveredelt oder neu pflanzt, „warte ich erstmal noch ein, zwei Jahre ab".

Tipp 2: Langsam und kostengünstig herantasten

Bei neuen Nischenkulturen rät ein Leser aus Niedersachsen, sich erstmal langsam heranzutasten. Er schreibt: „Ich versuche mich am Anfang immer erstmal kostengünstig selbst zu mechanisieren", auch wenn das vielleicht auf andere improvisiert wirken könnte. Auch Märkte, bzw. die Beziehung zu neuen Abnehmern müsse man langsam aufbauen, schreibt er.

Tipp 3: Auch bei Trendkulturen: Vermarktung vorher klären

Mehrere Zuschriften erreichten uns zum Thema Kichererbsen. Dass diese Proteinlieferanten im Trend liegen, bestreitet niemand. Aber der reine Trend reicht offenbar nicht für den Aufbau eines erfolgreichen Standbeins, berichtet ein Landwirt aus Baden-Württemberg. Er schreibt, dass der Anbau auf 3ha „super" gelang. Aber dass die Ware nach zwei Jahren trotzdem im Kuhmagen landete. „Trotz Bio und Regional Trallala", so der Landwirt. Ernährungstrends können eine Chance sein. Aber Landwirte sollten die Vermarktung der Trendkulturen vorher in trockenen Tüchern haben oder sie zumindest nicht unterschätzen und viel Zeit dafür einplanen, so die einhellige Meinung der top agrar-Leser, die sich gemeldet haben.

Tipp 4: Sich des Risikos von vornherein bewusst sein

Ein knallharter Tipp erreicht uns ebenfalls aus Niedersachsen. Ein Landwirt schreibt: Wer „von vorn herein eine Risikoentscheidung" trifft, muss sich des Risikos eben auch bewusst sein und bleiben. Wenn es nicht klappt, müsse man „eben wieder von vorne anfangen".

Tipp 5: Positiv bleiben, neu versuchen

Ein Tierhalter aus dem Landkreis Vechta macht allen Mut, positiv zu bleiben und weiterzumachen. „Immer offen für Neues bleiben", schreibt er. Diesen Tipp möchten wir unkommentiert weitergeben.

Tipp 6: Lästermäuler ignorieren

Nicht zuletzt müssen sich innovative Landwirtinnen und Landwirte vielleicht auch ein dickeres Fell zulegen. Das wird aus der Zuschrift eines Ackerbauers aus Niedersachsen deutlich. Er schreibt: „Das Problem ist nicht das Scheitern. Ich stehe dazu, nicht alles richtig gemacht zu haben. Aber die Marktbegleiter zerreißen sich doch ganz gut die Mäuler." Er rät dazu, sich da raus zu halten und „die Ohren auf Durchzug zu stellen".

... unruhige Nächte - alles aufgeben?

Die Mehrheit der persönlichen Zuschriften berichtete tatsächlich mit einer gewissen Gelassenheit über die Rückschläge. Aber einige Zuschriften zeigten auch, wie sehr landwirtschaftliche Unternehmer derzeit unter Druck stehen. Nicht jeder Betrieb hat ein Polster, Experimente zu machen. Einmal in finanziellem Zugzwang, ist oftmals kein Spielraum für Neues mehr da.

So berichtete ein Landwirt aus Norddeutschland beispielsweise, dass er sich ein neues Standbein mit der Direktvermarktung von Kartoffeln aufgebaut habe - was auch „sehr gut läuft". Aber sein Budget scheint derart eng gestrickt zu sein, so dass er aufgrund von Ernteverlusten ggf. den Kartoffelroder abgeben muss. „Das fällt mir sehr schwer und ich habe sehr unruhige Nächte", schreibt der Landwirt. „Um ehrlich zu sein, spiele ich mit dem Gedanken, alles aufzugeben". Nach erneuter Kontaktaufnahme seitens der top agrar-Redaktion stellte sich heraus, dass keine Beratungs- oder Kooperationsangebote in Betracht gezogen wurden. „Vonseiten der Banken und des Steuerberaters kommt auch nichts", schreibt der Landwirt.

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