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Netzwerktreffen Milch

Auch im klimaneutralen Deutschland hätte die Milchviehhaltung ihren Platz

Selbst wenn Deutschland sich als klimaneutral ausrufen sollte, hätte die Rinderhaltung ihren Platz. Allerdings bräuchten die Landwirte Fördergelder, um die Milchproduktion klimafreundlich umzubauen.

Lesezeit: 5 Minuten

Milchkühe stehen in der klimapolitischen Debatte oft am Pranger. Daher ist es wichtig, mehr Synergien für eine klimafreundlichere Milcherzeugung in Deutschland zu schaffen. Das war Ziel einer Tagung von Thünen-Institut und Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) am 22. und 23. November in Braunschweig. 120 Teilnehmer aus Wissenschaft, Beratung, Molkereien, Verarbeitung, Handel und Verbänden waren dabei.

Bei dem Netzwerktreffen Milch wurde deutlich, dass die Kuh voraussichtlich auch in einem klimaneutralen Deutschland weiterhin ihre Berechtigung haben wird. Analysen zeigen, dass die notwendige Umsetzung von Klimaschutz für die Betriebe mit unterschiedlichen finanziellen Auswirkungen verbunden ist.

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Die Teilnehmenden erwarten, dass dafür Finanzierungsmöglichkeiten durch die aufnehmende Hand, aber auch durch die Politik gefunden werden. Trotz der aktuellen Fokussierung auf den THG-Fußabdruck zeigte sich aber auch, dass die anderen Nachhaltigkeitsdimensionen Berücksichtigung finden müssen.

Zwar lieferten die Diskussionen keine abschließenden Antworten auf die großen Fragen der Branche, etwa zur weiteren Standardisierung von Klimabilanzen, wohl aber viele Anknüpfungspunkte für weitere Gespräche. Jeder einzelne Teilnehmer ist jetzt in der Verantwortung, die geknüpften Gesprächsfäden aufzunehmen und im Sinne einer gemeinsamen Antwort weiterzuspinnen. „Die vielen positiven Rückmeldungen zur Veranstaltung bestätigen uns in dem gewählten Format eines bundesweiten Austausches. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass die direkte Einbindung der praktischen Milcherzeuger auf regionaler Ebene notwendig ist“, so Katrin Agethen vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft.

Große Unterschiede zwischen den Betrieben

Maria Bystricky (Agroscope) zeigte mit ihrem Vortrag, dass für eine Klimabilanzierung vor allem die Zielsetzung ausschlaggebend sei. Sie betonte die Notwendigkeit einer soliden methodischen Grundlage einer Ökobilanz, aber auch die damit verbundenen Herausforderungen. Je nach Zielsetzung und gewählten Systemgrenzen würden sich die Ergebnisse unterscheiden. Falls eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen unterschiedlichen Unternehmen gewünscht sei, ist eine Harmonisierung des methodischen Ansatzes erforderlich.

Anne Ahrend (Thünen-Institut für Betriebswirtschaft) und Vanessa Karger (LfL) zeigten mit ihrer Analyse zweier typischer Betriebe, dass jeder Betrieb ein eigenes Set an Möglichkeiten hat und es stark vom Betrieb abhängt, ob potenzielle Klimaschutzmaßnahmen Geld kosten oder sogar einsparen. Sie betonten, dass Betriebe Unterstützung brauchen, um das für sie passende Set an Maßnahmen herauszuarbeiten.

Annette Freibauer (LfL) zeigte anschaulich, dass die Kuh auch in einem klimaneutralen Deutschland weiterhin ihre Berechtigung haben wird. Während sie heute über die Ackernutzung auch Nahrungskonkurrent für den Menschen ist, könnte sie künftig eher als schließendes Glied des Nährstoff-Kreislaufs und als Grünlandverwerter gebraucht werden. Damit würden auch regionale Veränderungen einhergehen und Anpassungen im Produktionssystem notwendig.

Vertiefte Diskussion in vier Workshops

In vier Workshops konnten die Teilnehmenden intensiv verschiede Fragestellungen rund um Klimabilanzierung und Klimaschutzmaßnahmen diskutieren.

Workshop 1 beschäftigte sich mit der Frage „THG-Fußabdruck und weitere Umweltwirkungen – wohin geht die Reise?“ Die Gruppe arbeitete heraus, dass für die Milchproduktion neben dem Klimaschutz weitere Nachhaltigkeitsdimensionen an Bedeutung gewinnen werden. Dies gelte insbesondere für die Vermeidung von Flächenkonkurrenz zwischen Mensch und Tier, den Schutz der Biodiversität und das Schließen von Nährstoffkreisläufen.

Die Teilnehmenden machten deutlich, dass viele Klimaschutzmaßnahmen auch positive Umweltwirkungen mit sich brächten, etwa wenn Ressourcen effizienter genutzt würden. Die Umsetzung dieser Maßnahmen seien der erste Schritt auf dem Weg zu nachhaltigem Klimaschutz.

Workshop 2 ging der Frage nach, wie milcherzeugende Betriebe zur Umsetzung von mehr Klimaschutzmaßnahmen motiviert werden können und welche Rolle dabei die einzelnen Stakeholder in der Wertschöpfungskette Milch einnehmen können. Dabei ging es explizit um nicht-finanzielle Anreize.

Die Teilnehmenden diskutierten kontrovers die lenkenden und unterstützenden Möglichkeiten des Lebensmitteleinzelhandels und der Industriekunden und unterstrichen dabei die Bedeutung der einzelbetrieblichen Beratung und der Molkereien.

Insgesamt beurteilten die Teilnehmenden die Wirkung nicht-finanzieller Anreize jedoch als begrenzt und betonten, dass substanzielle Erfolge im Klimaschutz nicht ohne finanzielle Anreizsysteme zu realisieren seien.

Der Frage nach finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten gingen die Teilnehmenden in Workshop 3 nach. Die Klimaschutzmaßnahmen wurden entsprechend ihrer ökonomischen Folgen für die Betriebe gruppiert. Dabei wurden Maßnahmen identifiziert, die das Management des Betriebes betreffen und deren Umsetzung als zeitaufwendig und beratungsintensiv gilt.

Hier sahen die Teilnehmenden die Molkereien bzw. auch den Lebensmitteleinzelhandel und/oder die Verarbeitungsindustrie in der Verantwortung, die Betriebe auch finanziell zu unterstützen.

Eine weitere Gruppe von Maßnahmen kann zu langfristigen Einkommenseinbußen für Milchviehbetriebe führen (z. B. kleine Biogasanlagen, Moorwiedervernässung). Hier sahen die Teilnehmenden die Politik in der Verantwortung, flankierende Maßnahmen zu etablieren. Im Anschluss wurden bestehende Fördermechanismen aus der Wertschöpfungskette und der Politik gesammelt und potenzielle zukünftige Instrumente diskutiert.

In Workshop 4 wurden die unterschiedlichen Datenquellen unter die Lupe genommen. Dabei wurden die unterschiedlichen Nutzungsziele dieser Daten eingebracht: Labeling, Emissionsberichterstattung, Unternehmensziele. Die Teilnehmenden zeigten, dass auf dem Weg zu einer gemeinsameren Nutzung größere Anstrengungen und vor allem (politischer) Wille erforderlich ist, Standards zu setzen und Prozesse zur Erhebung und Auswertung von Daten zu vereinheitlichen.

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