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Dieser Futterzusatzstoff soll die Methanemissionen bei Rindern senken

Der Futterzusatzstoff Bovaer soll die Methanemissionen bei Rindern senken. Doch wie ist der wissenschaftliche Stand? Dr. Martin Hünerberg von der Uni Göttingen hat sich mit dem Thema beschäftigt.

Lesezeit: 3 Minuten

Dieser Beitrag erschien zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Der zootechnische Futterzusatzstoff Bovaer soll die Methanemissionen bei Kühen senken. Wie funktioniert das, Herr Dr. Hünerberg?

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Hünerberg: Methan wird in den Vormägen von Wiederkäuern durch Archaeen gebildet. Das sind Mikroorganismen, die ähnlich klein sind wie Bakterien und ihre Energie aus der Bildung von Methan gewinnen. Das läuft in mehreren Schritten ab an denen jeweils unterschiedliche Enzyme und Coenzyme beteiligt sind.

Der Wirkstoff in Bovaer heißt 3-Nitrooxypropanol (NOP). NOP ist in der Lage, den vorletzten Schritt der Methanbildung zu hemmen: Es blockiert ein Enzym, das für die Bildung von Methan unbedingt notwendig ist. Methan kann dann nur eingeschränkt gebildet werden und es sind insgesamt viel weniger Archaeen im Vormagen zu finden.

Wie wirkt sich Bovaer auf Tier und Umwelt aus?

Hünerberg: Bovaer schränkt die Methanbildung im Pansen ein. Methan ist ein sehr starkes Treibhausgas. Es ist 28-mal klima­schädlicher als die gleiche Menge Kohlen­dioxid. Eine relativ geringe Absenkung der weltweiten Methanemission hat somit einen stark positiven Effekt auf das Klima. Auf die Tiere, denen Bovaer gefüttert wird, hat es keinen Einfluss, wenn es in der vorgesehenen Dosierung gefüttert wird.

Also können Landwirte das Produkt ohne Bedenken in der Fütterung einsetzen?

Hünerberg: Im Prinzip ja. Bovaer ist seit 2022 in der EU als Futtermittelzusatzstoff zugelassen. Um diese Zu­lassung zu bekommen, muss jeder Zusatzstoff umfangreiche Tests durchlaufen – zuerst im Labor und dann auch in praktischen Versuchen.

Gibt es Studien zur Fütterung über längere Zeiträume?

Hünerberg: Ja, es gibt Studien, in denen Bovaer über Monate gefüttert wurde. Daten zur Fütterung über mehrere Laktationen oder die gesamte Lebens­spanne von Rindern bzw. Kühen kenne ich nicht.

Gibt es Vor- oder Nachteile?

Hünerberg: Der „einzige“ Vorteil ist die Absenkung der Methanemissionen um etwa 30 %. Ein kleinerer Nachteil ist, dass es sich um einen synthetisch hergestellten Zusatzstoff handelt. Für Biobetriebe ist er somit nicht zugelassen.

Was gilt es bei der Fütterung zu beachten?

Hünerberg: Wichtig ist, Bovaer kontinuierlich zu füttern. Sobald es nicht mehr in der Ration ist, steigen die Methanemissionen wieder. Es ist sinnvoll, Bovaer in einer Voll-TMR einzusetzen, dann nehmen die Rinder es kontinuierlich über den ganzen Tag auf.

Halten Sie es für realistisch, dass die Fütterung vom Markt honoriert wird?

Hünerberg: Die zusätzlichen Kosten, die durch den Einsatz von Bovaer entstehen, werden nicht durch eine höhere Leistung ausgeglichen. Insofern ist ein höherer Erlös pro Kilogramm Milch momentan der einzige Weg, die zusätzlichen Kosten zu decken. Ich denke schon, dass es einen Teil von Verbrauchern gibt, die bereit sind, etwas mehr für klimafreundlich erzeugte Milchprodukte auszugeben. Wie viele Menschen das sind und wo die finanzielle Schmerzgrenze liegt, kann ich nicht sagen.

Alternative Wege der Finanzierung wären, den Einsatz von Methan­senkern direkt zu subventionieren oder in den Emissionsrechtehandel einzubeziehen. Beides sehe ich momentan nicht in Deutschland. Daher bleibt nur der Versuch, die Mehrkosten direkt über einen höheren Milchpreis zu kompensieren. Man kann von den Landwirten, die aktiv Klimaschutz betreiben, nicht erwarten, die Mehrkosten vollständig selbst zu tragen.

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