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Kühe tragen ihr eigenes „Dach“

Kalte Temperaturen machen Rindern nichts aus – ihr Fell isoliert. Nasse Witterung ist bei Haltung unter freiem Himmel jedoch herausfordernd. Tipps für Landwirte, die Tiere im Winter draußen halten.

Lesezeit: 4 Minuten

Schnell gelesen

Kühe haben dichtes Fell und können ganzjährig draußen gehalten werden – auch bei winterlichen Temperaturen.

Eine trockene Liegefläche ist entscheidend für den Witterungsschutz. Ein Dach erleichtert das Management, ist aber nicht zwingend nötig.

Das genaue Beobachten der Tiere ist ausschlaggebend. Bei kranken Rindern müssen Landwirte schnell reagieren.

Während der kalten Jahreszeit wechseln viele Mutterkuhherden von der Weide in den Stall. Doch sie können den Winter auch bei Frost auf der Weide verbringen. So sind die 100 Uckermärker-Kühe der Lehr- und Versuchsanstalt Groß Kreutz in Brandenburg ganzjährig draußen. Detlef May ist für die Herde verantwortlich und hat festgestellt: „Tiere lernen, sich an die Witterung anzupassen. Zum Beispiel, dass sie sich bei Ostwind mit dem Kopf in den Wind stellen.“ Doch was braucht es, um Kühe auch im Winter auf der Weide zu halten?

Auf 6 bis 8 m2 trocken liegen

„Es bieten sich vor allem grundwasserferne Standorte an“, erklärt Detlef May. Dort ist das Risiko von Trittschäden geringer. Vor allem Grünlandnarben leiden schnell unter Trittbelastung im Winter. Dann sollten die Tiere auf einen Ackerstandort wechseln.

„Unsere Kühe stehen von Dezember bis Mitte April auf begrünten Äckern mit Gras und Getreide (insgesamt 25 bis 30 ha). Das bietet in der ersten Zeit noch Futter und im Frühjahr, wenn die Tiere auf die Weide wechseln, beackern wir den Boden für die Maisaussaat“, so May. In der Brandenburger Region regnet es jährlich etwa 500 mm/m2, die sandigen Böden haben 28 bis 30 Bodenpunkte.

Um den kalten Temperaturen zu trotzen, ist eine trockene Liegefläche unverzichtbar. Laut § 3 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung brauchen Tiere ausreichend Schutz vor widrigen Witterungseinflüssen. Ein Dach als Unterstand ist laut May dafür nicht zwingend nötig. Entscheidend ist, dass Rinder trockenes Fell haben, nur dann isoliert es gut. „Kühe tragen ihr Dach quasi selbst mit sich herum“, sagt er. Kälte macht den Tieren nichts aus. Ist das Fell jedoch nass und feucht, verlieren sie Körperwärme. „Wenn Rinder liegen, sind etwa zwei Drittel der Körperoberfläche bedeckt, das schützt vor Kälte und Wind, solange die Liegefläche trocken ist!“

Nesting-Score als Richtwert

Der Nesting-Score beurteilt die Tiefe der Einstreu und kommt vor allem in der Kälberhaltung zum Einsatz. Die Skala reicht von 1 bis 3 und funktioniert wie folgt:

- Beine der Kälber unbedeckt

- Beine der Kälber teilweise bedeckt

- Beine fast vollständig bedeckt

Auch bei Mutterkühen können Landwirtinnen und Landwirte das System anwenden, um die Einstreuqualität der Liegefläche zu prüfen. „Ein Wert von 2 ist empfehlenswert, um den Tieren ausreichend Schutz bei Kälte und nasser Witterung zu bieten“, sagt Detlef May.

Das Team der Versuchsanstalt streut mehrere Liegebereiche mit Stroh ein, sodass sich Matratzen bilden. Diese müssen groß genug sein, damit auch rangniedere Tiere liegen können. Jede Kuh hat 6 bis 8 m2 Platz.

Bei Schnee müssen Liegeflächen zeitig nachgestreut werden. „Wir haben uns technologisch der Witterung angepasst. Ein Dach kann für andere Betriebe wirtschaftlicher sein, ist für unsere Mutterkuhhaltung allerdings zu teuer. Unser System ist aus ökonomischer und tiergesundheitlicher Sicht aktuell am besten für uns“, so May.

Vor Wind und Nässe Schützen

Die Liegeflächen dienen gleichzeitig als Futterplatz. Zweimal wöchentlich stellen Mitarbeitende Rundballen mit Heu von Naturschutzflächen darauf. Das Heu deckt den Erhaltungsbedarf der tragenden und trockenstehenden Tiere. „Die Kühe suchen sich das Beste aus den Ballen heraus“, sagt May. Futterverluste werden anschließend Teil der Liegematte. Die Strohmatratzen binden zudem Nährstoffe und werden im Frühjahr auf umliegenden Feldern zerstreut.

Südliche Regionen in Deutschland und Höhenlagen erfordern mehr Einstreu und energiereicheres Futter. Ab -30 bis -40 °C ist die Draußenhaltung problematisch. Im schlimmsten Fall kann es zu Erfrierungen kommen.

Als Windschutz dienen Hecken und Bäume zwischen Feldern. Die Hauptwindrichtung bei der Brandenburger Herde ist Westen. Dort stehen Heu- bzw. Strohmieten, um die kühle Luft zu brechen, und Hecken aus Schlehen und Sanddorn. Die Ballen sind pyramidenförmig gestapelt, vier Reihen übereinander. Sie sind mit Vlies bedeckt und mit Strom umzäunt, damit sich die Kühe nicht daran scheuern.

Tiere Beobachten!

Rinderhaltende müssen den Parasitendruck im Blick behalten: Haben die Tiere Haarlinge, entstehen kahle Stellen, die nicht isolieren. „Gutes Beobachten ist ausschlaggebend“, betont May. Kranke Tiere, beispielsweise mit Fieber, suchen sich einen feuchten Platz, um ihre Körpertemperatur zu senken. Wichtig ist, schnell zu reagieren: Sie brauchen energiereicheres Futter und lahme Tiere mehr Einstreu.

Fast kein Tier der Groß Kreutzer Herde erkrankte im Winter der vergangenen Jahren. Detlef May ist sicher: „Wir dürfen die Tiere nicht überfordern und müssen ihren Ansprüchen gerecht werden. So kann es im Winter auch draußen funktionieren.“

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