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Dadurch zeigen Kälber, dass es ihnen gut geht

Auch in der Aufzucht ohne Kontakt zur Mutter fühlen sich Kälber wohl, zeigt eine Untersuchung an der Hochschule Neubrandenburg.

Lesezeit: 8 Minuten

Fühlen sich Tiere in der modernen Nutztierhaltung wohl? Das bezweifeln viele Nicht-Landwirte. Zumindest wird es in Medien oft so dargestellt. In der Milcherzeugung hinterfragen sie besonders kritisch die Trennung von Kuh und Kalb bzw. die Aufzucht ohne Mütter.

Tatsächlich steckt in der Kälberaufzucht oft noch viel Potenzial für das zukünftige Milchrind. Positiv wirken sich beispielsweise höhere Tränkemengen oder langsameres Absetzen aus. Daher wurde an der Hochschule Neubrandenburg zusammen mit einem landwirtschaftlichen Betrieb untersucht, ob sich Kälber wohlfühlen können, wenn sie ohne Kontakt zur Mutter aufwachsen.

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Schnell gelesen

Das Verhalten von Kälbern in der Aufzucht ohne Mutter hat die Hochschule Neubrandenburg analysiert.
Auch ohne Mutter zeigten die Tiere art­typisches Sozialverhalten, Tagesrhythmus, Tränkeaufnahme oder Spielverhalten, was auf Wohlbefinden hindeutet.
Weicht das Verhalten von dem ­beschriebenen „Normalverhalten“ ab, ist dies Hinweis auf mögliche Probleme. Die Ursachen sollten gesucht werden.
Bis zur siebten Woche sollten ­Kälber mindestens 80 % ihrer aktiven Zeit spielen und sich bewegen.

Ziel und Ergebnis ist ein Ethogramm für das „Normalverhalten in der mutterlosen Aufzucht“ von Kälbern. Dies dient als Maßstab für eine tiergerechte Haltung und Fütterung. Abweichungen davon deuten auf Probleme hin, deren Ursachen hinterfragt werden müssen.

Verhalten beobachtet

Das Verhalten der Kälber haben Kameras durchgehend vom Einstallen der ersten Tiere bis zum Ausstallen der letzten aufgezeichnet. Ausgewertet wurde das Verhalten von 13 Kälbern aus fünf Durchgängen. Die Tiere standen in einer Gruppenbox mit Abrufstation. Die Ergebnisse hat das Forscherteam mit dem in der Wissenschaft dokumentierten Verhalten von Kälbern in freilebenden Mutterkuhherden verglichen.

Übersicht 1: Der Tagesrhythmus von Kälbern

Die Verhaltensanalyse zeigt, dass schon sehr junge Kälber eine ausgeprägte Tagesrhythmik entwickeln (Übersicht 1). Von Mitternacht bis etwa 6 Uhr morgens wechseln lange Ruhe- mit kurzen Wachphasen, in denen die Kälber Kot und Harn absetzen oder Tränke und/oder Futter aufnehmen. Häufig liegen sie anschließend wieder auf demselben Platz ab, von dem sie aufgestanden sind. Von 6 bis 24 Uhr sind die einzelnen Aktivitäts- und Ruhephasen deutlich kürzer.

Zum Ruhen wählen die jungen Rinder geschützte Plätze an der Wand und in Ecken aus. So machen sie es auch auf der Weide, wenn sie neben Büschen und Sträuchern oder im hohen Gras Schutz suchen. Häufig beriechen und belecken die Kälber bereits liegende Tiere, bevor sie sich neben sie legen. Gerne liegen sie neben bekannten Tieren und suchen Körperkontakt. Dies gehört zum natürlichen Sozialverhalten. Junge Kälber ruhen täglich 14 bis 18 Stunden. Im Schnitt dauert eine Ruhephase am Tag 30 bis 45 Minuten und in der Nacht 60 bis 180 Minuten. Vormittags und abends sind die Ruhezeiten etwas kürzer als in der Mittagszeit.

Natürlich Abtränken

Das Saugen eines Kalbes an einer Tränkestation entspricht in Bezug auf ­die Körperhaltung, Kopfstöße und Schwanzbewegungen sowie der Anzahl von vier bis fünf Mahlzeiten pro Tag dem natürlichen Saugverhalten. Die einzelnen Mahlzeiten waren an der Tränkestation mit jeweils vier bis sechs Minuten jedoch kürzer als beim Saugen an einer Kuh. Eine Erhöhung des Saugwiderstandes kann die Dauer verlängern. Eine natürliche Geschwindigkeit liegt bei etwa 0,2 l pro Minute. Dies wurde in der muttergebundenen Aufzucht ermittelt und wird als Optimum für die Tränke mit Automaten empfohlen. Umgerechnet sind das 5 bis 7 Minuten pro l Milch.

Beim Absetzen schränkt eine Mutterkuh zunächst das Säugen ihres Kalbes ein, indem sie es unterbricht. Später erlaubt sie es gar nicht mehr und wehrt das Kalb ab. Nach ein bis zwei Wochen gibt das Kalb jeden Saugversuch auf und ist entwöhnt.

Zu berücksichtigen ist aber, dass die Kälber dann schon fünf Monate alt sind. In der klassischen Kälberaufzucht in Milchviehbetrieben werden Kälber wesentlich früher abgesetzt. Im Interesse des Tierwohls sollte die Tränkeperiode daher deutlich über den 95. Tag hinaus verlängert werden.

Zu Empfehlen ist ein allmähliches Abtränken. Das führt zu weniger Besuchen ohne Tränkeaufnahme (Blindbesuche) ohne die Beifutteraufnahme zu beschränken. Während bis zur siebten Lebenswoche nur kurze Fressperioden von maximal 3 Minuten beobachtet werden, fressen Kälber ab der achten Lebenswoche häufiger und ausdauernder. Dies ist auch der Fall, wenn langsam, über einen längeren Zeitraum abgetränkt wird. Oft stehen dann alle Tiere einer Gruppe längere Zeit gemeinsam an Raufe oder Trog.

Besaugen ist normal

Während der Tränkephase kann das gegenseitige Besaugen von Kälbern zu einem lästigen Problem werden. Die Verhaltensbeobachtung zeigt, dass einzelne Tiere ein extrem ausgeprägtes Saugbedürfnis zeigen, das sich auch mit höchsten Tränkeanrechten nicht befriedigen lässt. Saugattrappen werden angenommen, können das Besaugen aber nicht verhindern. Denn das Saugen an anderen Tieren als der Mutter gehört zum natürlichen Verhalten von Herdentieren. Betrifft dies nur wenige Kälber kann es toleriert werden. Einzelne, extrem saugende Kälber, deren Mütter ebenfalls als Besauger bekannt sind, sollten von der Zucht ausgeschlossen werden. Dieses Verhalten ist erblich.

Wenn Kälber oft zusammen spielen, neugierig und gesund sind, ist das ein Zeichen dafür, dass es ihnen gut geht.

Kälber sind Herdentiere und pflegen intensive soziale Kontakte, beriechen und belecken sich gegenseitig, spielen zusammen und ruhen dicht beieinander. Das spielerische Hornen beginnt bereits ab der zweiten Lebenswoche. Rangauseinandersetzungen werden vor dem Absetzen aber nicht beobachtet. Jungtiere haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Bewegung. Sie laufen, springen und galoppieren oft zusammen und animieren sich gegenseitig. Besonders intensiv ist dies in den Abendstunden.

Spielen zeigt Wohlbefinden

Als Spielzeug bevorzugen Kälber bewegliche Gegenstände, die sie zum Schwingen bringen können. Diese werden beleckt, besaugt oder beschnuppert, oft von mehreren Kälbern gleichzeitig. Es ist vorteilhaft, das Spielzeug in einem Bereich der Box anzubringen, in dem die Kälber hauptsächlich laufen und wo zufälliges Anstoßen an die frei hängenden Geräte zum Spielen anregt.

Bewegungen, Spielen und alle Beschäftigungen, die nicht mit der Nahrungsaufnahme zu tun haben, lassen sich zu „sonstigen Aktivität“ zusammenfassen. Daran lässt sich das Wohlbefinden von Kälbern beurteilen. Ihr Anteil an der aktiven Zeit sollte bis zur siebten Lebenswoche im Tagesdurchschnitt mind. 80 % betragen (Übers. 2). Beim Abtränken verringert sich der Anteil von Bewegungs- und Spielverhalten wegen der zunehmenden Beifutteraufnahme, sollte aber noch immer mindestens 60 % der aktiven Zeit umfassen.

Übersicht 2: Zufriedene Kälber spielen den Großteil der Zeit

Das Spielverhalten ist also ein Indikator für das Wohlbefinden von Jungtieren. Die Beobachtungen von mutterlos aufgezogenen Kälbern im Vergleich zu denen in der Mutterkuhhaltung zeigen: Kälbern kann es auch ohne die Aufzucht mit der Mutter gut gehen. Sie zeigen dies, indem sie lange und ausgiebig ruhen, häufig und intensiv zusammen spielen, gesund und neugierig sind.

Für und Wider

Aufzucht ohne Mutter – was bedeutet das?

In der Aufzucht ohne Mutter können Kälber nicht alle Verhaltensweisen ausleben. In erster Linie betrifft dies die Mutter-Kind-Beziehungen, die so nur in der Mutterkuhhaltung möglich sind. Selbst in der muttergebundenen Aufzucht werden die Kälber nur zum Saugen oder über einige Stunden zur Mutter gelassen. Die Kontaktzeiten können Kuh und Kalb nicht frei wählen.

Gleichzeitig entsteht aber eine Bindung zwischen Kuh und Kalb, was beim Absetzen bei den Kälbern zum Trennungsschmerz führt. Bei einer frühzeitigen Trennung ist dies nicht der Fall, weil die Prägung der neugeborenen Kälber auf ihre Mutter über mehrere Tage erfolgt. Auf der Weide bleibt das Kalb deshalb die ersten drei bis vier Tage von der Herde isoliert. Kühe hingegen entwickeln bereits nach einem kurzen Kontakt eine starke mütterliche Bindung. Bei einer späteren Trennung von ihrem Kalb löst dies Stress aus.

Andererseits haben Untersuchungen gezeigt, dass auch eine Aufzucht mit eingeschränktem Kontakt zur Mutter in den ersten zwölf Wochen Auswirkungen auf das spätere Verhalten haben kann. Möglicherweise kann dies zu einer verbesserten sozialen Kompetenz bei Milchkühen führen.

Tränkeplan

Frühestens ab Tag 50 abtränken

An der Hochschule Neubrandenburg wurde in einem mehrjährigen Projekt untersucht, wie die Kälberaufzucht gestaltet werden muss, um langlebige, leistungsfähige Milchkühe aufzuziehen. Es wurde unter anderem ein Tränke- und Beifutterplan erarbeitet.

Dieser sieht ein Angebot von mindestens 12, besser 14 l Milchaustauschertränke oder Vollmilch bis zum 49. Lebenstag vor. Das Abtränken erfolgt langsam, sodass die Kälber frühestens am 95. Lebenstag abgesetzt werden. Die Abtränkgeschwindigkeit sollte 0,3 l pro Tag nicht überschreiten.

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