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Was kann der neue Zuchtwert für Futtereffizienz?

Was lange währt, wird endlich gut: Auf deutscher Basis gibt es nun einen Zuchtwert für Futtereffizienz. Wie setzt er sich zusammen und welche Bullen punkten?

Lesezeit: 4 Minuten

Stellen Sie sich vor: Zwei Ihrer Holsteins stehen vor Ihnen im Stall. Beide sind in der ersten Laktation und fressen dieselbe Menge Futter. Dennoch gibt ein Tier täglich 5 kg mehr Milch als das andere. Ein Grund dafür kann in der Genetik liegen: Rind A setzt Futter wahrscheinlich effizienter in Milch um als Rind B.

Seit der Zuchtwertschätzung im April gibt es für dieses Merkmal endlich den Zuchtwert Futtereffizienz – abgekürzt RZFE. Endlich, weil viele andere Länder wie Skandinavien, die USA, die Niederlande und Kanada bereits seit Jahren einen solchen Zuchtwert haben.

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Woher stammen die Daten?

Der RZFE soll den Input (Futter) ins Verhältnis zum Output (Milch bzw. Fleisch) setzen und bezieht sich auf den produktiven Lebenszeitraum einer Kuh. Für die Berechnung bilden laut Dr. Christin Schmidtmann von den Vereinigten Informationssystemen Tierhaltung (vit) drei Parameter die Basis:

  • Futteraufnahme,

  • energiekorrigierte Milch (ECM)

  • Veränderung des Körpergewichts.

Wegen dieser nötigen Daten hat die erste Ausweisung des RZFE so lange gedauert. Denn sie müssen möglichst vom gleichen Tier stammen, was eigentlich nur auf Versuchsbetrieben machbar und zudem sehr teuer und aufwendig ist. Doch über den internationalen Austausch im „Resilient Dairy Genome Project“ kommen genügend Daten zusammen. Diese stammen von ca. 15.000 typisierten Kühen aus Deutschland, den USA, Kanada, Dänemark, Spanien und der Schweiz mit phänotypischen Infos. Sie wurden mindestens wöchentlich, teilweise täglich erfasst.

Eingespartes Futter

Wie futtereffizient eine Kuh ist, drückt der sogenannte „Feed Saved“ aus, angegeben in kg. Er beschreibt die Differenz der erwarteten und der tatsächlichen Futteraufnahme. Doch wie lässt sich die erwartete Futteraufnahme herleiten? Christin Schmidtmann erklärt: „Wir errechnen zunächst, wie viel kg Trockensubstanz (TS) eine Kuh benötigt um 1 kg ECM und 1 kg Körpergewicht zu bilden.“ Das funktioniert so:

  • 1 kg TS einer hochleistenden Ration für Holsteinkühe enthält im Mittel 7,0 MJ NEL.

  • Für 1 kg ECM braucht es 2,9 MJ NEL und demnach 0,4 kg TS.

  • Für 1 kg Körperzuwachs benötigt eine laktierende Kuh 31,5 MJ NEL bzw. 4,5 kg TS.

Eine Kuh mit 8.000 kg kann genauso effizient sein wie eine Kuh mit 12.000 kg Milch.“
Dr. Christin Schmidtmann

Mit diesen standardisierten Werten lässt sich der Feed Saved – also kg eingespartes Futter – errechnen. Dabei können unterschiedliche Kombinationen von Milchleistung, Körperzuwachs und Futteraufnahme zu verschiedener oder auch gleicher Futtereffizienz führen. „Eine hohe Milchleistung spricht nicht automatisch für Effizienz“, erklärt sie. „Eine Kuh mit 8.000 kg kann genauso effizient sein, wie eine Kuh mit 12.000 kg Milch.“ Eine vielleicht sogar wichtigere Kenngröße ist laut der Expertin der Körperzuwachs: „Effiziente Tiere sollen ihre Energie nicht aus Körperreserven generieren. Deshalb beziehen wir die Gewichtsveränderung ein.“

Wie futtereffizient züchten?

Aktuell hat der Zuchtwert Futtereffizienz eine Sicherheit von rund 40 %. „Das ist gut, aber noch deutlich unter der Sicherheit von anderen Zuchtwerten, die häufig bei über 70 % liegt“, sagt Schmidtmann. Der RZFE ist auf einer Relativskala angegeben. Ein Wert von 100 entspricht dem Populationsmittel. Eine Standardabweichung von 12 Punkten gleicht etwa 247 kg eingespartem Futter je Laktation.

Doch wie lässt sich der RZFE züchterisch verbessern? „Gut“, sagt die Expertin. Denn er verhält sich neutral zu anderen Zuchtwerten (siehe Übersicht). „Das macht es leicht, auf Futtereffizienz zu züchten, ohne andere Merkmale zu beeinflussen.“ Besonders positiv ist, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Gesundheitsmerkmalen wie dem RZGesund und dem RZFE gibt.

Nach der April-Zuchtwertschätzung zeigt sich aber auch: Besamungsbullen erfüllen die ganze Bandbreite. Zwischen den 10 % besten und schlechtesten Bullen nach RZFE liegen 23,3 Punkte, die 1.739 kg eingespartem Futter entsprechen. Dennoch zeigen diese Bullen nur geringe Unterschiede in den Hauptmerkmalen sowie dem RZG und dem RZ€. „Daher ist es sinnvoll, künftig auf ­Futtereffizienz zu selektieren“, sagt Schmidtmann. Als K.-o.-Kriterium sollte man es jedoch nicht betrachten.

Langfristig soll der RZFE im Gesamtzuchtwert einen Platz finden. „Perspektivisch könnte es schon im Laufe von 2025 so weit sein“, so Christin Schmidtmann. Auch im wirtschaftlichen Zuchtwert RZ€ soll er mit bis zu 20 % in die Berechnung einfließen.

Über das Bulli-Portal vom vit lassen sich schwarz- und rotbunte Top-Bullen nach RZFE bei den funktionalen Merkmalen rangieren. Für aktuelle Vererber geben Sie als zusätz­lichen Filter einen Mindest-RZG von 125 an.

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