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DLG Unternehmertage: Wie kommen Schweinehalter aus der Dauerkrise?

Beim Forum Schweinehaltung auf den DLG Unternehmertagen in Würzburg haben zwei Schweinehalter die Entwicklungskonzepte für ihre Betriebe vorgestellt.

Lesezeit: 4 Minuten

Das Forum Schweinehaltung auf den DLG-Unternehmertagen in Würzburg stand am vergangenen Dienstag unter dem Motto „(Kein) Schwein gehabt? Konzepte für den Dauerkrisenmodus“. Der Vorsitzende des DLG Ausschuss Schwein, Jörg Bauer, erklärte per Videobotschaft, dass die Schweinehalter in Deutschland trotz Rekord-Schweinepreisen momentan weiterhin rote Zahlen schreiben.

Andre Holke, Teamleiter Unternehmensberatung Veredelung West bei der Landwirtschaftskammer NRW untermauerte diese Einschätzung: „Bei den hohen Futter- und Energiekosten bräuchten wir eigentlich 2,30 € pro kg SG um die Festosten zu decken“. Die Liquidität sei auf vielen Höfen mittlerweile stark strapaziert und die Finanzreserven aufgebraucht. Wenn zusätzlich der Hofnachfolger fehle oder hohe Investitionen durch die Änderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung anstünden, sei ein mittelfristig geplanter Ausstieg für viele Betriebe mittlerweile eine Option, erklärte er den Zuhörern im Saal und vor den Bildschirmen.

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Raus aus den Sauen, raus aus dem Hamsterrad?

Den Ausstieg aus der Sauenhaltung hat Landwirt Peter Seeger aus Otzberg in Südhessen bereits 2020 gewagt. Bis dahin hatte er zusammen mit seiner Frau Kathrin noch 800 Sauen im geschlossenen System gehalten. „Das Image der Schweinehaltung wurde zunehmend schlechter. Gleichzeitig hatten wir mit Vermarktungsschwierigkeiten durch die Afrikanische Schweinepest und gestiegenen Kosten durch die Corona-Pandemie zu kämpfen“, berichtete Seeger von der Situation damals. Von der Politik fühlte er sich ebenfalls zunehmend im Stich gelassen. „Die tägliche Belastung ist letztendlich zu groß geworden. Wir wollten raus aus dem Hamsterrad“, so der Landwirt.

Zusammen mit ihren drei Kindern besuchte das Ehepaar einen Coach, um die Zukunft des Betriebes und die Wünsche aller Beteiligten für eine Hofübergabe zu besprechen. Gemeinsam als Familie sei dann der Entschluss gefallen, die Sauen nach und nach nicht mehr zu besamen. Die mentale Unterstützung durch den Coach während dieser emotionalen Entscheidungsphase empfand die Familie als sehr hilfreich, wie Kathrin Seeger aus dem Publikum berichtete.

Die tägliche Belastung ist letztendlich zu groß geworden. Wir wollten raus aus dem Hamsterrad“ - Peter Seeger

Durch das schrittweise Abstocken der Sauenherde konnte die Familie die Liquidität des Betriebs verbessern. Einen erst 2009 gekauften Sauenstall außerhalb des Stammbetriebs konnten sie an einen anderen Landwirt veräußern, der das Gebäude zum Pferdestall umbauen möchte. Was Peter Seeger nun in seiner neu gewonnen Zeit neben dem Ackerbau anpacken möchte, weiß der Landwirt noch nicht. „Im Moment suchen wir nach Einkommensalternativen. Weil unser Betrieb in einem relativ urbanen Gebiet liegt, sehe ich dafür gute Chancen“, erklärte er. Chancen möchte er durch seinen Ausstieg auch anderen Schweinehalter bieten: „Wir machen Platz für diejenigen, die mit der Schweinehaltung noch weiter machen wollen oder müssen“.

Mehr Wertschöpfung durch mehr Tierwohl?

Einen anderen Weg hat Junglandwirtin Gesa Langenberg aus Drentwede in Niedersachsen eingeschlagen. Vor einigen Tagen sind die ersten Ferkel in ihren frisch umgebauten Auslaufstall mit 440 Plätzen eingezogen. Den alten Stall mit Teilspalten aus den 70er Jahren hat die Landwirtin innerhalb von neun Monaten gemäß der Kriterien für die Haltungsform 4 umgebaut. Den Schweinen stehen nun 1,5 m²/Tier zur Verfügung. Im Inneren befindet sich ein Liegebereich mit Stroheinstreu. Im Auslauf schließt sich zunächst ein Fressbereich auf Spalten und ganz außen der Kotbereich mit „Schweinetoilette“ an. „Mir war es wichtig Tier- und Umweltschutz miteinander zu verbinden. Deswegen habe ich mich für eine Kot-Harn-Trennung entschieden, um die Emissionen zu reduzieren“, erklärte Gesa Langenberg.

Mir war es wichtig Tier- und Umweltschutz miteinander zu verbinden." - Gesa Langenberg

Um das Projekt zu realisieren hat sie über 1.000 € pro Platz investiert. Bei den heutigen Baukosten wäre der Umbau sicherlich noch teurer geworden, gab sie zu. „Damit sich der Tierwohlstall wirtschaftlich rentiert, benötige ich 40-50 € mehr pro Mastschwein. Ich bin schließlich Unternehmerin und darf auch meinen eigenen Arbeitslohn nicht vergessen“, erklärte Langenberg den Zuhörern. Auch die Kosten und den Zeitaufwand für das Marketing dürfe man nicht unterschätzen, lautet ihre Erfahrung. „Tierwohlschweine vermarkten sich nicht von selbst. Die Arbeit geht für mich gerade erst richtig los“, berichtete die Junglandwirtin. Kommunikation und Transparenz ist dabei aus ihrer Sicht das A und O um den Kunden den Mehrwert ihrer Schweine zu erklären und so einen Mehrerlös zu erzielen.

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