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topplus ISN-Schlachthofranking 2022

Schlachthöfe verzeichnen massiven Einbruch bei den Schlachtzahlen

Die großen Schlachtkonzerne müssen auf die sinkenden Schlachtzahlen reagieren. Einige Unternehmen strukturieren sich bereits um.

Lesezeit: 5 Minuten

In den deutschen Schlachthöfen kamen 2022 insgesamt 4,8 Mio. bzw. 9,2 % weniger Schweine an den Haken als noch im Vorjahr. Das ist der stärkste Einbruch der Schlachtzahlen seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1993. Bereits seit sechs Jahren sind die Zahlen rückläufig und der Trend dürfte sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen. So die Ergebnisse des Schlachthofrankings 2022 der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN).

Zunehmende Konzentration der Schlachtbranche

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Auch die größten Schweineschlachtbetriebe mussten im vergangenen Jahr zum Teil erhebliche Rückgänge bei den Schlachtungen hinnehmen. In der Summe betrug das Minus bei den Top-10-Betrieben aber nur 8,2 %, während die übrigen Betriebe ein Minus von 13,4 % verzeichneten. Der Marktanteil der Top-10-Betriebe am Gesamtmarkt liegt deshalb mitterweile bei 82 %. Trotz der hohen Marktdynamik gab im Vergleich zu 2021 es jedoch kaum Positionsveränderungen im Top-10-Ranking.

An der Spitze des Rankings steht weiterhin Tönnies mit 14,79 Mio. Schweineschlachtungen. Trotz 1,2 Mio. bzw. 7,5 % weniger Schlachtungen weniger als im Vorjahr, konnte Tönnies seinen Anteil am Gesamtmarkt steigern und liegt mittlerweile bei 31,4 %. Aufgrund der Marktentwicklung habe Tönnies die Schlachtungen vor allem an den Standorten in Sögel und Weißenfels deutlich reduziert. Im März 2023 teilte das Unternehmen außerdem mit, die Exportabteilung in Weißenfels wegen der Ausfuhrsperren in Folge der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu schließen.

Westfleisch bleibt zweitgrößtes Schlachtunternehmen

Auf Platz zwei liegt Westfleisch mit 6,51 Mio. Schlachtungen im Jahr 2022. Das waren etwa 750.000 bzw. 10,3 % weniger als noch im Vorjahr. Bereits im Oktober 2021 hatte Westfleisch seinen Standort in Gelsenkirchen geschlossen. Die entfallenden Schlachtungen konnten nur teilweise von den anderen Standorten kompensiert werden. Insgesamt verfügt das Unternehmen damit nun über einen Marktanteil von etwa 13,8 %.

Die deutlichsten Rückgänge bei den Schlachtzahlen unter den Top-10-Betrieben verzeichnete das niederländische Schlachtunternehmen Vion. Das Minus zum Vorjahr betrug 1,2 Mio. bzw. 17,1 % Schweine Der Marktanteil schrumpfte auf 12,3 %. Vion liegt damit auf Platz drei der größten deutschen Schlachtunternehmen. Anfang 2023 gab das Unternehmen bekannt, seinen Zerlegebetrieb in Holdorf (Niedersachsen) zu schließen

Danish Crown schlachtete mehr Schweine

Danish Crown konnte seine Schlachtzahlen hingegen steigern. Mit 3,03 Mio. Schweinen wurden ca. 90.000 bzw. 2,9 % mehr geschlachtet als im Vorjahr. Der dänische Konzern liegt damit auf Platz vier des Ranking.

Anfang 2023 gab jedoch auch Danish Crown Veränderungen bekannt. Der Zerlegebetrieb in Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern) wurde geschlossen und die Grobzerlegung auf den Standort in Essen/Oldenburg konzentriert. Zwei Wochen später kündigte das Unternehmen an, die Schlachtungen in Essen/Oldenburg bis Mai um knapp 40 % zu reduzieren.

Kleinere Schlachthöfe behaupten sich verhältnismäßig gut

Auch der Schlachtbetrieb Manten konnte seine Schlachtungen um 4,1 % steigern und in die Top-10 aufsteigen. Insgesamt konnten sich die Unternehmen auf den Plätzen 5 bis 10 unter den schwierigen Marktbedingungen verhältnismäßig gut behaupten. Böseler Goldschmaus (Platz 6), Steinemann (8.) und Simon-Fleisch (10.) verzeichneten allesamt nur Rückgänge von weniger als 6 %.

Tummel (7.) konnte nach eigenen Angaben seine Schlachtzahlen aus dem Vorjahr halten. Bei Müller Fleisch (5.) entwickelten sich die Schlachtzahlen mit einem Minus von etwa 10 % ähnlich wie der Gesamtmarkt.

Stärkste Rückgänge in Niedersachsen

Betrachtet man die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern, gab es besonders große Rückgänge in Niedersachsen. Hier wurden im vergangenen Jahr mit etwa 1,8 Mio. bzw. 10,8 % weniger Schweine als 2021 geschlachtet. In Nordrhein-Westfalen gingen die Schlachtungen um 1 Mio. Schweine bzw. 5,7 % zurück. Auffällig ist auch die Abnahme der Schlachtungen in Sachsen-Anhalt von 4,6 Mio. auf 3,4 Mio. (-24,6 %).

Lediglich in Hessen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern nahmen die Schweineschlachtungen zu: Prozentual fielen diese in Hessen und Sachsen mit plus 31,2 % bzw. plus 16,9 % zwar recht groß aus. In absoluten Zahlen verbergen sich dahinter allerdings gerade einmal Steigerungen um 120.000 bzw. 30.000 Schweine pro Jahr.

Lebendimporte nehmen wieder etwas zu

„Nachdem die Schlachtstatistiken im Jahr 2021 noch durch den Schweinestau 2020/2021 verzerrt waren, zeigen die Zahlen für 2022 nun das volle Ausmaß der Krise in der Schweinebranche“, kommentiert ISN-Marktanalyst Klaus Kessing die Zahlen: Fast alle Schlachtunternehmen mussten 2022 empfindliche Rückgänge bei den Schlachtzahlen hinnehmen. Grund dafür sind die sinkenden Schweinebestände in Folge der Krise.

Wegen der geringen Angebotsmenge im Inland importieren einige Schlachtunternehmen nun wieder mehr Schweine. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1,23 Mio. Schweine aus dem Ausland in den deutschen Schlachtbetrieben geschlachtet. Das waren etwa 6,6 % mehr als im Vorjahr.

Weitere Rückgänge erwartet

Die Zahlen aus dem aktuellen Schlachthofranking dürften noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, prognostiziert die ISN. Denn die Schlachtunternehmen sind weiterhin mit hohen bzw. weiter steigenden Ausgaben für beispielsweise Energie, Transport, Verpackungsmaterial oder Personal konfrontiert. Auch die höheren Einkaufspreise für Schlachtschweine als Folge des knappen Angebots spielen laut ISN eine wichtige Rolle. Darüber hinaus belasten die anhaltenden ASP-bedingten Exportsperren das Fleischgeschäft.

Hinzu komme das veränderte Konsumverhalten der Verbraucher. Neben den steigenden Lebensmittelpreisen gehe der Trend zu einer fleischärmeren Ernährung. Insgesamt sank der Schweinefleischkonsum pro Kopf in den vergangenen zehn Jahren um etwa ein Viertel von 38,7 kg im Jahr 2012 auf 29 kg im Jahr 2022.

Markenfleischprogramme als Chance?

Für ISN-Marktanalyst Klaus Kessing scheint eine weitere Konsolidierung in der Schlacht- und Verarbeitungsbranche daher unausweichlich. Abzuwarten bleibe, ob einige Schlachtunternehmen die Veränderungen am deutschen Markt zu ihren Gunsten nutzen können.

„Wir nehmen durchaus eine zunehmende Wettbewerbsrelevanz von Markenfleischprogrammen mit Schweinen aus höheren Haltungsformstufen wahr“, erläutert Kessing. Ob das allerdings bei hoher Inflation und sinkender Kaufkraft der Verbraucher auch Optionen für die breite Masse sein können, werde sich zeigen.

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