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Schweinemast: Kilos kosten Kohle

Übergewichte bringen bei hohen Preisen mehr, als das Futter kostet? Dieser Irrglaube kostet Schweinemäster viel Geld.

Lesezeit: 6 Minuten

Dieser Artikel erschien zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Teure Ferkel auf mehr Schlachtgewicht verteilen – nach diesem Motto haben viele Mäster die Liefergewichte erhöht. Bei Preisen von über 2 € und moderaten Futterkosten „wachsen die Schweine ins Geld“, sind sich die meisten sicher.

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Berater Bernd Westerfeld hat andere Erfahrungen gemacht. Der Vermarktungsexperte der Landwirtschaftskammer NRW wertet viele Schlachtabrechnungen mithilfe des IQ-Agrar-Portals aus (Details dazu im Kasten). Seine Schlussfolgerung: Übergewichte gehen richtig ins Geld! Die zusätzlichen Kilos bringen kaum Indexpunkte – nach hinten sogar Verschlechterungen.

0,996 IXP – zu schwer

Anhand eines Beispiels demons­triert Westerfeld den Effekt. Mäster Meier (Name geändert) hat Anfang Oktober eine Partie von 343 Schweinen abgeliefert. Im Schnitt erreicht die Gruppe 0,996 IXP/kg, wie Übersicht 1 zeigt. Auf den ersten Blick ein ordentlicher Wert.

Doch wird das Bild durch die rotgefärbten Säulen in Übersicht 2 getrübt. Nur 77 % der Schweine sind im optimalen, grüngefärbten Gewichtsbereich der Preismaske gelandet. Jedes fünfte Schwein ist übergewichtig. Mit einem Schlachtgewicht (SG) von 98,14 kg hat Meier sich zu spät von seinen Schweinen getrennt.

Zudem sind auch Schweine im grünen Bereich nicht vor Abzügen sicher. Sind Schinken oder Lachs zu leicht oder zu schwer, ist der Bauch zu fett oder zu mager, verteilt die Preismaske Abschläge.

Deshalb checkt der versierte Berater sofort die wichtigste Kennzahl, die „Differenz zur Notierung“. Dies ist ein guter Gradmesser für die Sortierqualität.

Top Partien sind besser

Meiers Schweine liegen 0,9 Cent/kg unter der VEZG-Notierung. Gar nicht so schlecht, könnte man denken – bis der Blick auf die rechte Spalte in Übersicht 1 fällt, wo die Ergebnisse der 25 % Top-Partien des Schlachttags aufgelistet sind.

Diese haben mit einem Plus von 1,7 Cent/kg abgeschnitten. Hätte Meier die Sortierung genauso gut hinbekommen, hätte er zum einen 301 € Abzüge für die eigene Partie vermieden, zum anderen Zuschläge von 563 € einstreichen können. Unterm Strich hätte die 343er-Partie dann 864 € mehr gebracht.

Die blaue Linie der Grafik in Übersicht 2 zeigt, wo das Problem liegt: Die Schweine über 100 kg „versauen“ den Schnitt. Mit jedem zusätzlichen Kilo steigen die Abzüge.

Um herauszufinden, wo genau Meier den Schlussstrich beim Gewicht ziehen muss, sortiert Bernd Westerfeld die gesamte Partie in Kiloschritten. Die Ergebnisse der 14 Schlachtgewichtsklassen sind in Übersicht 3 dargestellt, ebenso die Gruppensummen der Über-, Unter- und Optimalgewichte.

40 € Verlust pro Tier

Die sechs Untergewichte haben knapp 14 Cent/kg unter Notierung abgeschnitten. Das ergibt einen Gesamtschaden von 66 €.

Ab einem Schlachtgewicht von 86 kg erzielen die Schweine im Schnitt über 1 IXP/kg. Das Klassifizierungsergebnis verbessert sich im optimalen Gewichtsbereich von knapp 90 IXP auf 101,15 IXP. Bei 101,4 kg SG ist das Maximum erreicht. Ab 107 kg SG geht es abwärts mit den IXP/Tier.

Wie stark die Abzüge für Übergewicht, zu schwere Teilstücke und zu fette Bäuche zu Buche schlagen, zeigt die Spalte „Differenz zur Notierung“ in Übersicht 3.

Die beiden schwersten Schweine liegen gut 35 Cent/kg unter der Notierung. Das summiert sich zu einem Verlust von 41,22 €/Schwein. Die zwei Schweine mit 111,6 kg SG erlösen bei einem Basispreis von 2,20 €/IXP lediglich 221 €. Genauso viel bekommt Meier für 29 Schweine aus der Gewichtsklasse 100 bis 101 kg – die aber 11 kg leichter sind. Insgesamt bringen die 71 Übergewichte durch die Abzüge 753 € weniger als bei Bezahlung nach Notierung.

Futter verschwendet

Zusätzlich schlagen die Futterkosten zu Buche. Für 1 kg zusätzliches Schlachtgewicht sind bei 80 % Ausschlachtung 1,25 kg Lebendgewicht notwendig. Bei einer Futterverwertung von 3,5 im Endmast­bereich verbraucht das Schwein 4,4 kg Futter. Multipliziert mit einem Preis von 28 €/dt Endmastfutter, entstehen Futterkosten von 1,25 €/kg SG. Die Rechnung geht nur auf, wenn sich die Klassifizierung um 0,55 IXP verbessert bei einem Basispreis 2,20 €/IXP.

Den Kipppunkt beim Gewicht erreichen Meiers Schweine mit 101,5 kg. Mit jedem weiteren Kilo verschlechtert sich das Klassifizierungsergebnis.

Ab jetzt genauer wiegen

Dem erfahrenen Berater ist klar: „Auch bei bester Sortierung bekommt man nicht alle Tiere ins Gewichtsoptimum.“ Aber es ist lohnend, sich möglichst dicht heranzutasten, wie die Ergebnisse der Top-25-Betriebe zeigen.

Auf das Bauchgefühl sollte man sich angesichts der komplexen Preismasken nicht verlassen, sondern die moderne Technik nutzen. „Doch bringt die beste Auswertung nur etwas, wenn sie konsequent umgesetzt wird“, mahnt der erfahrende Kammerberater. Neben Verbesserungen bei Fütterung und Genetik ist für Westerfeld das Wiegen schlachtreifer Schweine und rechtzeitiges Anmelden der Partien die erste Wahl: „Damit kann man direkt bei der nächsten Partie greifbare Erfolge verbuchen!“

Schweine in der Warteschleife

Seit die VEZG-Notierung sinkt, stockt der Schweineabsatz. Die Schlachthöfe schieben Partien vor sich her – zum Schaden der Mäster. Abzüge wegen zu schwerer Teil­stücke, zu fetter Bäuche und zu ­hoher Schlachtgewichte sind vorprogrammiert.

Zwar scheint der schlimmste Stau überwunden. Doch in den vergangenen Wochen waren Übergewichte oft nur schwer zu vermeiden. Der Ratschlag, die Schweine leichter zu vermarkten, kommt Mästern dann wie ein schlechter Witz vor.

Doch zeigt die Schlachtstatistik, dass Mäster ihre Schlachtschweine in diesem Jahr generell zu schwer abgeliefert haben – unabhängig von der Marktlage. Die 11,5 Mio. Schweine, die in NRW bis Mitte Oktober geschlachtet worden sind, haben durchschnittlich 98,06 kg gewogen. Dieser Wert streute zwischen 97,5 und 98,5 kg in 38 von 41 Wochen.

Das heißt: Viele Mäster verschenken Erlös und haben zudem höhere Futterkosten. Wenn die Schweine wieder flotter abgeholt werden, sollten gewinnorientierte Schweine­mäster die Senkung des Liefer­gewichts deshalb weit oben auf ihre To-do-Liste setzen.

Mit dem IQ-Agrar-Portal den Datenwust bändigen

Seitenweise eng geschriebene Zahlenkolonnen – wer als Mäster sein Schlachtprotokoll studiert, kapituliert meistens vor dem Zahlenwust. Wie sich da­raus der Kilopreis errechnet, wissen die wenigsten.

Dabei bringt eine sorgfältige Analyse gute Mehrerlöse, wie unser Beitrag zeigt. Mithilfe des Computers ist das ganze kein Hexenwerk.

Genau da setzt das IQ-Agrar-Portal an. Nach jeder Lieferung erstellt das Portal innerhalb von ein bis zwei Tagen übersichtliche Basisauswertungen, die unverzüglich ans Handy geschickt werden.

Der Mäster erfährt nicht nur die wichtigsten Ergebnisse der eigenen Schlachtschweine. Sondern er bekommt auch den genauen Vergleich mit allen anderen Partien des Schlachttags am gleichen Schlachthof – wahlweise zum Mittelwert oder zu den besten 25 oder 10 %.

Die Differenz zur Notierung ist die wichtigste Kennzahl, die das Ergebnis der Partie auf den Punkt bringt. Damit sieht der Mäster auf einen Blick, wie er beim Erlös abgeschnitten hat.

Zusätzlich kann er sich am Computer die komplette Schlachtpartie anzeigen lassen und diese komfortabel auswerten. So sind beispielsweise in der Wiegeliste alle Werte rot markiert, die zu Abzügen vom Erlös geführt haben. Bei jedem preisrelevanten Merkmal der Abrechnung sieht der Landwirt, wo er besser oder schlechter ist als die Vergleichsgruppe und wie viel Euro das ausmacht. Alle Auswertungen sind auch über größere Zeiträume möglich.

Im IQ-Agrar-Portal laufen jährlich über 30 Mio. Schlachtdatensätze zusammen. Teilnehmer müssen ihre Schlachtdaten per Freigabeerklärung fürs IQ-Agrar-Portal freischalten. Der Auswertungsservice kostet 59,99 € pro Jahr und VVVO-Nummer, in der Plus-Version 89,99 €.

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