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Sauberkeit steigert Leistung

So optimieren Schweinehalter die Flüssigfütterung

Futterleitungen reinigen oder den Nullpunkt der Waage kontrollieren? Das sollten Schweinehalter tun, um das volle Potenzial Ihrer Flüssigfütterung abzurufen.

Lesezeit: 5 Minuten

Dieser Beitrag erschien zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Mäuse im Steinfang oder perfekt berechnete Rationen, die nicht ansatzweise im Trog ankommen: Wer seine Flüssigfütterung genau unter die Lupe nimmt, wird staunen. So wie kürzlich die knapp 30 Teilnehmer einer Fortbildung des Vet-Teams Reken. Dort referierte Joost Leijten, unabhängiger Berater für Flüssigfütterungstechnik.

Mehr als 20 Hersteller gibt es in Europa. Grob unterscheiden lassen sich zwei Systeme:

  • Eine restlose Fütterung gewährleistet einen Rundlauf des Futters. Sind alle Ventile versorgt, schiebt sie das Futter zurück bis zur Futter­küche, etwa mittels Wasser, Luft, Molke oder Fermentat. Das Restfutter wird zwischengelagert und der nächsten Mahlzeit für die betreffende Tiergruppe wieder bei­gemischt.

  • Traditionelle Anlagen pumpen das Futter bis zu den Ventilen, der Rest bleibt in den Leitungen stehen und wird von der nächsten Ration weitergeschoben.

Dabei können sich Feststoffe absetzen und Gärprozesse starten. Eine Option: Rückwärts füttern. Dafür fängt man bei einigen Mahlzeiten vorne an zu füttern. Bei anderen versorgt man zuerst die letzten Ventile der Leitung. Bei Kurztrögen mit vielen Futterzeiten lässt sich das gut umsetzen. Gibt es diesen Rundlauf nicht, steigt das ­Risiko für Hefen:

Was man über Hefen wissen sollte

Hefepilze wandeln Stärke und Zucker zu Kohlenstoffdioxid um. Je nach Sauerstoffverfügbarkeit entstehen auch Wasser oder Alkohol. So sinkt die Trockenmasse des Futters. Bei den Tieren führt das auf Dauer zu geringeren Leistungen und höheren Verlusten.

Die Entwicklung von Hefen ist abhängig von Zeit und Temperatur. Die Futterküche muss daher so kühl wie möglich bleiben.

Hochwertige und sauber gelagerte Nebenprodukte können helfen, Hefen entgegenzuwirken.

Behälter und Leitungen müssen regelmäßig auf Sauberkeit überprüft werden. Mit einer einmaligen Reinigung ist es nicht getan, denn die verbliebenen Mikroorganismen starten sofort wieder durch.

Eine saubere Anlage darf laut ­Berater Joost Leijten nicht mehr als 100.000 KBE/g Futter enthalten.

Die größten Stellschrauben

Was Joost Leijten nach hunderten Betriebsbesuchen weiß: Oft ist der Nullpunkt der Waage falsch eingestellt. So bleiben zum Beispiel nach dem Ausdosieren noch 80 kg im Anmischbehälter. Hinzu kommt ­eine technische Restmenge von ­etwa 40 kg.

„Viele Anlagen laufen jahrelang ohne ordentliche Reinigung. Darunter leidet am Ende die tierische Leistung.“
Joost Leijten

Werden im nächsten Schritt 1000 kg neues Futter für die nächste Tiergruppe angemischt, befinden sich in Wirklichkeit 1120 kg im System. Davon sind 11,5 % Restfutter – die perfekte Starterkultur für Hefen und Bakterien.

Reichlich anmischen

Die logische Schlussfolgerung: Hefen bilden sich umso schneller, je kleiner die Anmischmenge und je größer das Volumen des Leitungssystems ist. Also möglichst große Mengen anmischen und sich bei mehreren Alters- oder Leistungsgruppen im Stall eine geeignete Reihenfolge überlegen! Vor dem Anmischen einer neuen ­Ration darf auf der Waage nur so viel zurückbleiben, dass die Pumpe nicht trocken läuft.

Waage überprüfen

Zum Kalibrieren der Waage eignet sich eine geeichte Wasseruhr. Dafür die Ist- und Sollmenge des eindosierten Wassers vergleichen. Danach den Nullpunkt je nach Hersteller der Anlage anpassen. Leijten hat auf seinen Kundenbetrieben schon bis zu 18 % Abweichung festgestellt.

Dadurch schwanken die Trockensubstanz­gehalte – bei ad libitum gefütterten Endmastschweinen kein Beinbruch, bei ferkelführenden Sauen schon. Neben der Hauptwaage sollten Schweinehalter Dosierer für Säuren und Medikamente zwei­mal im Jahr kalibrieren.

Probleme mit flüssigen Nebenprodukten

Ernste Probleme bereiten oft auch flüssige Nebenprodukte. Ein Beispiel: Eine Pumpe holt Molke, Kartoffeldampfschalen und Bierhefe aus drei Außensilos. Das Leitungsvolumen bis zum Anmischbehälter beträgt etwa 100 l. In die Mastration kommen als letzte Komponente 200 kg Bierhefe.

Danach steht eine kleine Menge Ferkel­futter auf dem Programm – mit nur 2 % Kartoffeldampfschalen. Da aber die Leitungen noch voll mit Bierhefe sitzen, ist die Rationsberechnung quasi wertlos.

Um das Risiko zu reduzieren, ­nutzen Sie das zuletzt eingesetzte Produkt immer auch in der folgenden Ration. Oft genügt es, die Anmischreihenfolge zu ändern.

Bitte exakt messen

Ein restloses System läuft nur rund, wenn für jede Rezeptur das spezifische Gewicht in kg/l hinterlegt ist. Das sind etwa 1,06 bis 1,1 kg/l Futter. Zum Ermitteln einfach eine Flasche bis zum Rand mit Wasser füllen, anschließend mit Futter, beides wiegen und auf einen ­Liter hochrechnen. Nur wenn der Wert passt, kann das System für den nötigen Vorschub sorgen, damit auch am letzten Ventil passend ausdosiert wird.

Quellzeit beachten

Futter sollte immer als homogene Masse im Trog ankommen. Dabei helfen hohe Trockenmassen und ausreichende Quellzeiten. Noch wichtiger ist allerdings die Wahl der Komponenten. Fermentate oder Trockenschnitzel quellen besser als Getreide. Als Pumpgeschwindigkeit empfiehlt Leijten 2,5 bis 3 l/s. Wer viele Ventile bedient und lange Leitungen hat, sollte Rohre mit spiral­förmiger Innenstruktur einbauen, die das Futter in Bewegung halten. Anlagenhersteller bieten dafür verschiedene Varianten an.

Regelmäßig spülen

Sinnvoll ist in Systemen mit Rundlauf das Spülen der Stränge nach jedem Anmischprozess. Das Spülwasser lässt sich anschließend mit frischem Futter wieder aus den Leitungen herausdrücken und direkt ins nächste Rezept eindosieren. Wer allerdings schon flüssige Nebenprodukte wie Molke einsetzt, kann das viele Reinigungswasser in der nächsten Ration kaum gebrauchen. Dann empfiehlt sich: Einmal täglich durchspülen – mit separatem Wassertank, aus dem bei Bedarf zudosiert wird.

Mit fünf Stufen zum Erfolg

Bei der Wahl des Anmischbehälters sollten Schweinehalter auf die Form achten. Was für den Hersteller einfach zu montieren ist, lässt sich nicht unbedingt gut sauber halten. Die Unterseite waagerechter Behälterdeckel ist oft schlecht einzusehen. Verschmutzungen fallen viel zu spät auf.

  • Deshalb steht der Behälter auf Platz 1 des fünfstufigen Reinigungs­plans von Joost Leijten. Er bevorzugt eine angeschrägte, geschlossene Variante mit Sprinklern, dazu ein Rührwerk mit einem Rad. Je nach Füllstand sollte es nur intervallweise laufen, sonst spritzt es zu schnell. Zum Sauberhalten empfiehlt der Berater Säurenebler, UV-Lampen und Ozonreiniger.

  • Stufe 2: Den Steinfang säubern.

  • Stufe 3 ist eine Wassermahlzeit. Dabei wird Frischwasser über jedes Ventil ausdosiert, um das gesamte Leitungssystem zu spülen.

  • In Stufe 4 folgt eine alkalische Reinigung gegen Fett und Eiweiß.

  • In Stufe 5 soll verdünntes Wasser­stoffperoxid den verbliebenen Biofilm lösen. Dazu bleibt die Lösung etwa zwei Stunden in den Leitungen stehen.

Ausschlaggebend sind immer die vier Faktoren Zeit, Temperatur, ­Bewegung – zum Beispiel pumpen oder bürsten – und Chemie.

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