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Nach der Messe

Agritechnica: Die persönlichen Highlights der top agrar-Redakteure

Vier Redakteure, vier Highlights: Was den top agrar-Technikredakteuren in den Messehallen der Agritechnica besonders aufgefallen ist.

Lesezeit: 7 Minuten

Eine Woche lang haben unsere Technik-Redakteure ihr Büro nach Hannover verlagert und in den Messehallen der Agritechnica nach Neuem für Acker, Wiese und Hof Ausschau gehalten – nachzulesen in unserem Agritechnica-Liveticker.

Nun ist die Messe einige Tag her und mit etwas Abstand werden manche Trends besser sichtbar. Nachfolgend lesen Sie, was unseren Technik-Redakteuren wohl noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

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Autonomie: Fortschritt zum Nachrüsten

Ich gebe zu, die Idee fasziniert mich: Bei einfacheren Arbeiten zieht der Schlepper ohne Fahrer seine Bahnen. Das ist spätestens so, als ich im letzten Jahr in den Niederlanden einen Gemüseanbauer besucht habe, der seinen Acker mit einem AgBot von AgXeed bearbeitet hat. Er konnte keinen guten Mitarbeiter mehr finden, der bereit war, nachts die Flächen per Tiefenlockerer für die Saat/das Pflanzen am folgenden Tag vorzubereiten.

Doch je länger man sich mit den fahrerlosen Maschinen beschäftigt, desto mehr werden Grenzen sichtbar. Wie kommt die Maschine zum Feld, wie kommt sie bei anspruchsvollen Arbeiten alleine klar? Es kann ja nicht der Sinn sein, unregelmäßig Störungsmeldungen zu bekommen und doch zum Feld fahren zu müssen.

Sind deshalb Standardtraktoren die Antwort, die mit einer “Box” so weit aufgerüstet werden können, so dass sie mit und ohne Fahrer arbeiten können? Denn bei vielen Traktoren ist der Schritt dahin gar nicht mehr so weit. Alle Funktionen werden ohnehin elektronisch gesteuert, und da kann der Befehl über den Hebel in der Kabine oder auch direkt digital aus dem vorher angelegten Auftrag kommen.

Der Fahrer bringt die Maschine bei einfachen Jobs wie der Stoppelbearbeitung zum Feld, manövriert ihn in Startposition und fährt dann z.B. mit einem mitgebrachten E-Bike nach Hause. Er braucht keinen Tieflader oder Zugschlepper vorzuhalten. Bei komplizierteren Arbeiten oder weniger günstigen Einsatzverhältnissen übernimmt er die Kontrolle wieder ganz.

Um so arbeiten zu können, müssen die Landwirtinnen und Landwirte nicht direkt den Traktor umhandeln, den sie vielleicht erst vor ein paar Jahren gekauft haben. Eine ganze Reihe von Firmen haben in Hannover Boxen vorgestellt, mit denen der Standardschlepper auch nachträglich zum Roboter wird. Bei Fendt bspw. ist das abwärtskompatibel für Modelle mit FendtOne ab Baujahr 2018 möglich. Ähnliche Lösungen gab es bei John Deere oder Claas zu sehen.

Auch in anderen Bereichen bieten die Firmen Komfort- und Automatiklösungen an, die an “älteren” Maschinen eingesetzt werden können. Ein Beispiel ist eine Kamera zum Erkennen von Bruchkorn beim Mähdrusch oder ein NIRS-Sensor zur Inhaltsstoffbestimmung im Getreide. Ein anderer Aussteller zeigte ein Kamerasystem zum Spotspraying – ebenfalls zum Nachrüsten. Weil viele Maschinen heute eine digitale/elektronische Bedienung haben, ist eine Nachrüstung der neuen Entwicklungen viel einfacher als im analogen Zeitalter. Und auf der Messe standen dafür reichlich Lösungsansätze. Eines der Highlights für mich.


Traktoren: Endlich wieder mehr als neue Abgastechnik

Seit ich im Jahr 2011 zum ersten Mal beruflich auf der Agritechnica war, beherrschten immer strenger werdende Abgasnormen die Stände der Traktorenhersteller – und damit auch die Büros der Entwicklungsingenieure. Von Stufe III über Stufe IV zu jetzt Stufe V mussten diese immer mehr Technik zur Abgasnachbehandlung unter der Motorhaube verstecken, während der Vertrieb seine liebe Mühe hatte, die dadurch bedingten Preissteigerungen den Kunden zu erklären.

In diesem Jahr war dem nicht so und das merkte man den Neuheiten an, die so mancher Hersteller mit nach Hannover brachte. Beispielsweise stellte Valtra einen hydraulischen Oberlenker vor, der die Winkeländerung ausgleicht, die beim Düngerstreuen durch die Gewichtsveränderung des Streuers entsteht. Zwei Radarsensoren erfassen die Position des Streuers, der Jobrechner im SmartTouch-Display errechnet daraus die passende Oberlenkerlänge, damit der Winkel wieder stimmt und setzt diesen um.

Ein spannender Ansatz, der – und das ist längst nicht bei allen Agritechnica-Neuheiten der Standard – ab Anfang des kommenden Jahres in der Preisliste für Neutraktoren aus Finnland zu finden sein wird. An einer Lösung zum Nachrüsten arbeitet Valtra nach eigenen Angaben noch; sie soll später im Jahr folgen.

Für ein ähnliches System erhielt Claas sogar einen Agritechnica Innovation Award in Silber, auch Kubota bietet die automatisierte Positionierung und Einstellung des Düngerstreuers über TIM (Tractor Implement Management) an. Alle drei Varianten zeigen, dass in den Entwicklungsabteilungen endlich wieder mehr Platz für Ideen ist, die den Landwirten und Lohnunternehmern einen wirklichen praktischen Nutzen bieten und nicht nur zur Gesetzeserfüllung dienen – wenn das mal kein Highlight ist.


Mähdrescher: Es geht immer noch ein bisschen mehr

Mähdrescher haben mich schon immer fasziniert, denn sie ernten das “Brot für die Welt”. In den letzten Jahren haben alle Hersteller immer leistungsfähigere Modelle auf den Markt gebracht. Die 100 t je Stunde-Marke ist längst durchbrochen. Weil seitliche Antriebe und gesetzliche Vorgaben bei der Außenbreite der Maschinen die Kanalbreite beschränken, sind weitere Leistungssteigerungen eigentlich nur noch schwer durchsetzbar – das habe ich zumindest bis jetzt gedacht.

Als ich mich im Vorfeld der Messe für unseren Trendbericht zu den Mähdreschern mit dem neuen CR 11 von New Holland beschäftigte, kam mir nach und nach folgender Gedanke: Die Ingenieure wählen buchstäblich den Weg durch die Mitte und nutzen den Rotor als Welle zur Kraftübertragung nach vorne zur Dreschtrommel – klingt einfach, ist aber genial. Warum ist da eigentlich vorher niemand drauf gekommen?

Das Ganze spart Platz an den Seiten und lässt so eine größere Kanalbreite zu. Das wird den Durchsatz sicherlich nochmals steigern können. Doch wo ein Problem gelöst scheint, tauchen auch immer wieder neue auf. Denn mehr Durchsatz heißt auch, dass z.B. die Reinigungsleistung steigen muss. Ein doppelter Siebkasten soll das in diesem Fall ermöglichen.

Mir zeigt der neue CR 11 jedenfalls, dass noch lange nicht Schluss ist - und das fasziniert mich. Daher ist dieser Mähdrescher mein Highlight der Messe und ein verdienter Goldmedaillengewinner. Ich freue mich schon jetzt auf eine erste Probefahrt.


Rad- und Teleskoplader stehen unter Strom

Elektrische Antriebe sind sicher nichts Neues im Laderbereich – denkt man nur mal an Gabelstapler. Und auch in der Landtechnik gibt es seit etwa 10 Jahren bereits erste E-Lader. Doch auf dieser Agritechnica konnte man erstmals Rad- und Teleskopradlader sowie Teleskoplader mit elektrischen Antrieben in vielen Größenklassen und von fast allen namenhaften Herstellern finden. Und das häufig nicht nur als Konzept, sondern als marktverfügbare Varianten – mit guten Gründen.

Während für Traktoren die Akkus deutlich zu schwer sind, kommt den Ladern das Gewicht zugute. Entweder lassen sich schwere Heckgewichte sparen oder aber die Kipplast steigt. Auch die im Vergleich zum Diesel geringere Energiekapazität ist beim Lader meist kein Thema. Denn häufig läuft der Lader morgens und Abends ein, zwei Stunden und kann zwischendurch problemlos auf dem Hof geladen werden. Je nach Modell sind durchgehende Laufzeiten von über vier Stunden möglich. Weiterer Vorteil der E-Maschinen: Häufiges Ein- und Ausschalten ist kein Problem. Dem Diesel inklusive Anlasser macht das deutlich mehr zu schaffen. Auch muss das Öl vom Hydrostaten für ein sanftes Fahrverhalten nicht erst warm werden. Vom geringeren Geräuschpegel und den fehlenden Abgasen in Gebäuden mal ganz zu schweigen.

So stellten Hersteller wie Faresin, Dieci, Weidemann, Schäffer, Kramer, Giant Tobroco, Merlo, Avant, Multione, Cast Group, JCB und Pitbull aktuell verfügbare Modelle aus. Die meisten Modelle sind im Hofladerbereich angesiedelt. Doch es gibt Lader mit Hubhöhen bis 6 m und 2,8 t Hubkraft, welche schon in den Preislisten stehen – also die klassischen Maschinen für den Hof. Die Hersteller sind jedoch auch schon an der Entwicklung noch größerer Lader dran. Claas stellte einen Prototypen eines elektrischen Scorpion 732e vor. Merlo zeigte das Konzept eines TFe 43.7 und Dieci präsentierte eine Studie eines hybridangetriebenen Agri Farmers 34.7. Es geht also immer weiter nach oben mit den Leistungsdaten.

Bleibt noch die Frage nach dem Preis der Elektro-Lader. Laut Hersteller sind diese je nach Modell 20 bis 40 % teurer als vergleichbare Dieselmodelle. Durch Förderprogramme und günstigen Strom aus der eigenen PV-Anlage lässt sich dieser Mehrpreis teils wieder kompensieren. Also durchaus eine Alternative für manche Betriebe.


Gut zu wissen: Weitere spannende Maschinen aus den Messehallen der Agritechnica finden Sie in unserem Messerückblick in der top agrar-Ausgabe 12/2023 oder auf dieser Seite:

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